Shin Sung-il-eui hangbang-bulmyung (Shin Sung-il Is Lost)

 Südkorea 2004
Drama 103 min.
film.at poster

Die Direktorin eines einsam gelegenen Waisenhauses, genannt das «Haus der Engel», hält die Kinder aus Geldgier auf grausame Weise vom Essen ab. Mit absichtlich verfälschten Bibelzitaten werden die Kinder einer religiös gefärbten Gehirnwäsche unterzogen, in Folge der sie glauben, dass Gott es missbilligt, wenn sie essen. Gehorsam unterdrücken die Kinder ihren Hunger so lange, bis er unerträglich wird; voller Scham über diese Sünde essen sie dann heimlich unter der Bettdecke oder im Badezimmer. Anders als die anderen Heimkinder ist Sung-Il jedoch pummelig, und alle Mitschüler verachten ihn, weil sie ihn für einen selbstsüchtigen Vielfraß halten, der sich heimlich Nahrungsmittel beschafft. Obwohl er ein Musterschüler ist und sich bemüht, der Doktrin der Direktorin zu folgen, hat er keine Freunde außer Kap-Soo. Eines Tages erhalten zwei schwatzhafte Schüler, Min-Ki und Jung-Ae, die schlimmste Strafe, die es im «Haus der Engel» gibt: Sie müssen öffentlich essen. Die Nacherzählung der Geschichte wird dem nicht gerecht, was Shin sung-il Is Lost in Wahrheit bietet: Das faschistoide System, die groteske Religion, der sie folgen, verwirrt den Geist der Kinder, und die Verwirrung überträgt sich ins Bild: Da gibt es plötzlich einen Engel, der einem der Jungen erscheint, wenn er isst, und langsam schleicht sich auch Farbe in den zu Beginn ganz in Schwarzweiß gehaltenen Film. Man muss sich die Puzzlestücke zusammensuchen, die einem vorgesetzt werden, und selbst am Schluss bleibt alles höchst symbolisch und vage. Die Vagheit jedoch ist es, die Spaß macht an diesem Film, die Unsicherheit, in der man jeden Augenblick schwebt, darüber, wie der Film sich entwickelt, darüber, ob im nächsten Augenblick nicht doch alles ganz anders ist. Der Wendepunkt schließlich, nach dem der Film ganz ins Farbige wechselt, ist die Revolution. Die Bestrafung kippt, und die Machtverhältnisse wechseln binnen weniger Momente: Plötzlich sitzt die Lehrerin auf dem Pult, plötzlich essen die Kinder voller Genuss so viel bis sie platzen im wörtlichen Sinne. (Benjamin Happel)

(Text: Viennale 2005)

Details

Cho Hyun-Sik (Shin Sung-Il), Ye Soo-Jung (Direktorin), Moon Seul-Ye (Lee Jung-Ae), Woo Joon-Young (Kim Kap-Soo), Jung Young-Soo (Min-Ki), Kim Min-Jae (Boss), Jung In-Kee (Mann in der Pizzeria, erster Erzähler), Kim Wang-Geun (Trinker, zweiter Erzähler)
Shin Jane
Baek Seung-Joo
Yeo Chul-Soo (Waisenhaus), Jung Sang-Hoon (Stadt)
Shin Jane

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