Nathalie Baye ist tot: Ikone des französischen Kinos wurde 77
Schauspielerin Nathalie Baye
Das französische Kino trauert um eine seiner vielseitigsten Darstellerinnen: Nathalie Baye ist tot. Die Schauspielerin starb am Freitagabend (17. April) im Alter von 77 Jahren in ihrer Pariser Wohnung. Das teilte ihre Familie, darunter ihre Tochter Laura Smet, laut französischen Medien der Nachrichtenagentur AFP mit. Als Todesursache nannten die Angehörigen die Lewy-Body-Demenz. Bei der neurodegenerativen Erkrankung treten Symptome auf, die jenen der Alzheimer- und Parkinson-Krankheit ähneln.
Die französische Kulturministerin sprach laut AFP vom "Verlust einer großartigen Schauspielerin". Zuletzt hatte sich die als außerordentlich diskret geltende Baye ganz aus dem Rampenlicht zurückgezogen. Seit Monaten war sie nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten, im vergangenen Juli hatte sie kurzfristig ihre Teilnahme an einer Veranstaltung abgesagt. Tochter Laura Smet hatte damals allerdings kursierende Gerüchte über einen Krankenhausaufenthalt ihrer Mutter zurückgewiesen.
Hollywood-Gastspiel
Baye arbeitete mit der Riege der bedeutendsten französischen Regisseure zusammen, darunter Claude Chabrol ("Die Blume des Bösen"), Bertrand Blier ("Die Geschichte eines Lächelns") oder Tonie Marshall ("Schöne Venus").
Mutig brach Baye immer wieder mit ihrem klassisch-braven Image, um sich auf ungewöhnliche Stoffe einzulassen. Gewürdigt wurde diese Wandlungsfähigkeit mit drei Césars in Folge: Von 1981 bis 1983 räumte die Schauspielerin den wichtigsten französischen Filmpreis jedes Jahr ab.
Einem internationalen Publikum blieb sie vor allem durch einen Hollywood-Abstecher in Erinnerung: In Steven Spielbergs "Catch Me If You Can" verkörperte sie die Mutter des von Leonardo DiCaprio gespielten Hochstaplers Frank Abagnale, an dessen Seite auch Tom Hanks zu sehen war.
Zurückgezogenes Leben
Abseits der Kameras führte die Schauspielerin ein konsequent zurückgezogenes Leben. Von 1982 bis 1986 war sie die Lebensgefährtin des französischen Rockstars Johnny Hallyday. Aus der Beziehung ging Tochter Laura Smet hervor, die heute selbst als Schauspielerin arbeitet.
Mehrfach hatte sich Baye auch gesellschaftspolitisch positioniert. 2023 unterzeichnete sie einen offenen Brief, der Präsident Macron zu einer Reform des Sterbehilfegesetzes aufrief. Im selben Jahr geriet sie allerdings in die Kritik, als sie auch einen Solidaritätsaufruf für den Schauspieler Gérard Depardieu mittrug, dem Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden.