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07/05/2022

Vicky Krieps in "Corsage": Das sagt sie zu ihrer Sisi-Rolle

Vicky Krieps als Kaiserin Elisabeth und Regisseurin Marie Kreutzer rütteln mächtig an der Interpretation durch Romy Schneider.

"Es ist wahnsinnig interessant, wie unterschiedlich die Sisi-Biografien aus den verschiedenen Epochen sind. Die Zeit bestimmt ja auch diese Figur", erklärte die österreichische Regisseurin Marie Kreutzer (44) vor zwei Wochen nach der Vorführung ihres neuen Streifens "Corsage" als Eröffnungsfilm beim Filmfest München. Gemeint waren die Bücher, die sie über Kaiserin Elisabeth "Sisi" von Österreich-Ungarn (1837-1898) zur Vorbereitung auf die Dreharbeiten studiert hatte.

Dieser Satz passt allerdings auch vortrefflich auf das historische Drama, was sie und ihr Team kreiert haben. "2022 kann man Sisi auch mal anders erzählen", sagte Kreutzer weiter. Und in der Tat, ihre Sisi hat absolut nichts mit der romantisch-kitschigen dreiteiligen Interpretation des Stoffes von Romy Schneider (1938-1982) und Regisseur Ernst Marischka (1893-1963) aus den 1950er Jahren zu tun, die den Fans jedes Jahr die Weihnachtszeit versüßt. Wobei die ältere Romy Schneider in "Corsage" vermutlich gern mitgespielt hätte, um das Image der niedlichen Kaiserin endlich loszuwerden.

Vicky Krieps entdeckte Sisi

Stattdessen sehen wir die luxemburgische und längst international erfolgreiche Schauspielerin Vicky Krieps (38, "Das Boot", "A Most Wanted Man", "Der seidene Faden") und die macht ihre Sache hervorragend. Sie spielt die vielschichtige, vielsprachige, extrem sportliche und von einem auferlegten Schönheitswahn getriebene Kaiserin in ihren 40ern so natürlich und faszinierend, dass man auch ihr Sisi-Gesicht so schnell nicht mehr vergisst.

Vicky Krieps, die für ihre Sisi bei der "Corsage"-Welturaufführung 2022 in Cannes mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet wurde, war übrigens auch die Ideengeberin für diesen Film. Auf der Bühne der Isarphilharmonie erzählte sie von einer Freundin, bei der sie die "Sissi"-Filme schauen durfte, "jede Weihnachten" - daheim durfte sie das nicht, denn ihre Mutter wollte nicht, dass sie Prinzessinnenfilme schaut.

Bei besagter Freundin habe die damals ungefähr 14-Jährige dann aber auch eine Biografie entdeckt. "Und die habe ich gelesen und gedacht: Hä? Irgendwas stimmt hier nicht. Irgendwann habe ich mich dann gefragt: Warum hat darüber nicht nochmal wer einen Film gemacht? Das wäre doch vielleicht interessant. Und dann habe ich es vorgeschlagen."

Darum geht es in "Corsage"

Weihnachten 1877: Es ist der 40. Geburtstag von Kaiserin Elisabeth von Österreich (Krieps). In ihrer Rolle als Repräsentantin an der Seite ihres Mannes Kaiser Franz Joseph (Florian Teichmeister, 42) darf sie keine Meinungen äußern, sondern muss für immer die schöne junge Kaiserin bleiben. Um dieser Erwartung zu entsprechen, hält sie an einem rigiden Plan aus Hungern, Sport, Frisieren und täglichen Messungen der Taille fest. Doch Elisabeth ist eine wissbegierige und lebenshungrige Frau, deren Widerstand gegen ihr überlebensgroßes Image und die Erwartungen wächst und die nicht länger in einem höfischen Korsett leben will...

"Sisi war das erste Opfer des Celebrity-Quatsches, den wir heute erleben", fasst Vicky Krieps zusammen. Das sei ihr schon beim Lesen des Drehbuches klargeworden.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang im Übrigen auch der österreichische Schauspieler Manuel Ruby (43), der im Film den Sisi-Cousin und -Vertrauten Ludwig II. (1845-1886) als äußerst freundlichen, friedlichen, witzigen und aufgeschlossenen Menschen verkörpert. Also auch anders als das gängige Image heute.

"Corsage" läuft derzeit in unseren Kinos. Hier geht's zu den Spielzeiten.

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