"Suicide Squad": Eine Psycho-Barbie stiehlt allen die Schau

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In den 60er Jahren nannte sich der Zusammenschluss schwerer Jungs zu einem Himmelfahrtskommando noch „Dreckiges Dutzend“. Wenn sich 2016 ein paar Superschurken aus dem DC-Universum von einer geheimen Regierungsbehörde zwangsrekrutieren lassen, bleibt man ebenfalls den gleichlautenden Anfangsbuchstaben treu und findet einen ähnlich eingängigen Titel. Der einzige Unterschied: diesmal ist  auch ein schweres Mädchen mit von der Selbstmord-Partie – und das stielt allen andern die Schau. Margot Robbie wird als Harley Quinn zu einer buntschillernden Psycho-Barbie und  sieht nicht nur umwerfend aus, sondern spielt auch so genial, als hätte sie mit dem Joker bereits den Sandkasten geteilt.  Das ist überhaupt ein Film der starken Frauenfiguren: Viola Davis hat als Regierungsbeamtin Amanda Waller das Squad zusammenstellt und wirkt hartgesottener als mancher Berufsverbrecher.

Gewöhnliche Schurken

Die anderen Typen können da einfach nicht mithalten, obwohl sie ja alle recht exzentrisch sind und ihre Macken haben; was erwartet man auch sonst von einem Mann mit Krokodilshaut (Adewale Akinnuoye-Agbaje), einem menschlichen Flammenwerfer (Jay Hernandez), einem australischer Rüpel, dem leicht die Sicherungen durchbrennen (Jai Courtney) und einem Auftragskiller, der niemals danebenschießt (Will Smith ist somit vom Bad Boy zum Bad Guy avanciert, wirkt aber in dieser Runde wie ein unpassender Normalo).

Diverse Schnitt-Muster

Was für Viele sicher überraschend kommt: der Joker (ein mental entfesselter Jared Leto) ist gar nicht Teil des Teams  und hat entsprechend eingeschränkte Zeit für Auftritte. Oder sagen wir besser: NOCH eingeschränktere Zeit.  Da nämlich Regisseur  David  Ayer unter  Druck des  Verleihs praktisch bis zur letzten Sekunde immer wieder Schnittänderungen vornehmen musste, fanden auch viele Szenen, die aus diversen Trailern bekannt geworden sind, im fertigen Film nicht mehr Platz.  Vor allem die Auftritte des Jokers mussten sich Kürzungen gefallen lassen. Das ist bei so vielen Figuren zwar verständlich, schadet aber dem Gesamteindruck erheblich, weil die Atmosphäre darunter leidet. Immerhin bleibt so viel Zeit, dass sich Ben Affleck kurz in seinem Fledermauskostüm vorbeischwingt.

Überflüssige Hexenkraft

Moment: und was ist eigentlich mit der großen  Bedrohung, gegen die unsere Antihelden hier gemeinsame Sache machen müssen? Das machthungrige Böse  kommt reichlich einfallslos  in Gestalt einer uralten Hexe daher, die in den makellosen Körper von Cara Delevingne gefahren ist – buh! Wieso hat man dann nicht gleich Hänsel und Gretel rekrutiert? Obwohl man also an der technischen Umsetzung nicht mäkeln kann und die große Begeisterung spürbar wird, die hier miteingeflossen ist, sollte Ayer von einem neuerlichen Einsatz dieses Squads besser Abstand nehmen und sich eher auf ein Soloabenteuer des romantischen Duos Harley/Joker konzentrieren.

7 von 10 Bloody Jokes.

franco schedl

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