Suzhou River

 China / Deutschland 2000

Suzhou he

Independent 28.12.2001 83 min.
7.50
film.at poster

Die mysteriöse Liebesgeschichte zwischen einem Motorradkurier und der Tochter eines Alkoholschmugglers in Shanghai.

Der Fluß Suzhou, der durch Shanghai fließt, ist ein Reservoir von Schmutz, Chaos und Armut, aber auch ein Ort der Erinnerungen und Geheimnisse. Lou Ye, der seine Jugend am Ufer des Suzhou verbracht hat, zeigt den Fluß als chinesischen Styx, in dem vergessene Geschichten und Mysterien zusammenkommen. Mardar, ein Motorrad-Courier Mitte Zwanzig, fährt durch die gesamte Stadt mit allen möglichen Päckchen für seine Klienten. Eines Tages wird er von einem Alkoholschmuggler gebeten, seine 16-jährige Tochter Moudan zu ihrer Tante zu begleiten. Mardar und Moudan verlieben sich ineinander, aber ihr Glück wird zerstört, als Moudan zu glauben beginnt, daß Mardar sie gegen Lösegeld gekidnapped hat - die Geschichte nimmt daraufhin tragischen Verlauf.

(Text: polyfilm)

Details

Zhou Xun,Jia Hongsheng,Nai An,Yao Anlian,Hua Zhongkai
Lou Ye
Jörg Lemberg
Wang Yu
Lou Ye,

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • ausgezeichnetes chinesisches kino
    "Wenn ich weggehe, wirst du mich suchen" fragt Meimei ihren Freund. "Ja. "Wirst du mich ewig suchen. Ja. So wie Madar? Wer ist Madar?" So beginnt die Geschichte.

    Shanghai, Venedig des Ostens, eine Stadt in der Millionen leben. Eine Stadt, die durch ihren Fluß lebt und mit ihm stirbt. "Er ist der dreckigste der Welt, trotzdem leben hier Menschen. Sie wurden hier geboren und arbeiten hier. Der Fluß sichert ihnen ihre Existenz" sagt der Videofilmer, dessen Namen nie genannt wird, dessen Gesicht nie zu sehen ist. Er fungiert als Erzähler, seine verwackelte Kamera lässt den Zuschauer ein verdrecktes, kriminelles, ein hastiges aber gleichgültiges Shanghai erleben. Er ist es auch, der Madars und Moudans Geschichte erzählt. Er ist Mimeis Freund, filmt mehr seine Freundin als Hochzeiten oder Parties. Schlechte Zeiten, auch für einen Videofilmer.

    Nur wenige Minuten und schon ist man in den Bann der Stadt, der Geschichte gezogen. Die Schnitte sind hart, die Kamera fast nie statisch oder zielgerichtet. Verwackelt und überbelichtet, rastlos. Man beobachtet Madar, wie er seine Arbeit macht, wie er durch Shanghai fährt. Man sitzt fast selbst am Steuer seines Motorrades, als Moudan ihn Umwege fahren lässt, um länger mit ihm zusammensein zu können.
    Eine Beziehung beginnt sich zu entwickeln, doch noch ehe die beiden zueinanderfinden zerreißt sie schon. Madar verliert Moudan, und der Besucher bleibt mit dem Videofilmer alleine zurück.

    Eine traurige sentimentale Stimmung erfasst einen. Dauernd scheint es zu regnen. Die Musik tut das Übrige. Mimei die Meerjungfrau als Gogo-Tänzerin in einem kleinen schmierigen Nachtklub. Man kennt sie schon vom Erzähler, lernt sie nochmal durch Madars Augen kennen. Fast teilt man seine Liebe schon, leidet und freut sich mit ihm.

    Eine Film, der schöner, der behutsamer nicht gemacht sein könnte. China nicht als fremde Kultur, Chinesen nicht als unverständliche rätselhafte Wesen dargestellt. Eine Identifikation mit der Stadt, mit den Liebenden, zu jedem Zeitpunkt des Films real und stark. Lou Ye finanzierte diesen Film mit privaten Mitteln, konnte ihn nur mit glücklich gefundener deutscher Hilfe schneiden und in die Kinos bringen. Seine Protagonisten spielen zurückhalten, überzeugend und ausgezeichnet. Der Blick durch die Kamera des Videofilmers ist zwangsläufig unumgänglich, und trotzdem nicht weniger genial. Ein Film über eine Stadt. Ein Film über Menschen. Ein schöner Film.

    "Wenn ich weggehe, wirst du mich suchen? Ja. Wirst du mich ewig suchen? Ja. Du lügst, so etwas gibt es nur in Romanen" sagt Mimei.