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Filmkritik
08/14/2018

"The Darkest Minds – Die Überlebenden": Teenies mit bunten Spezialkräften

Eine Gruppe von Kindern mit außergewöhnlichen Kräften kommt in der Romanverfilmung recht uninspiriert daher.

von Franco Schedl

Die Hunger Games wurden beendet, die Maze Runner haben ihre Ziellinie erreicht. Es ist also höchste Zeit für eine neue Teenie-Fantasy-Serie, vollgepackt mit Action, Abenteuer und Romantik – und Déjà-vu-Effekten. Man könnte die Helden durchaus X-Men - oder noch besser X-Children - nennen, aber dann hätte man vermutlich einen Copyright-Prozess am Hals, denn mit Marvel haben diese besonders fähigen Kinder nichts zu tun. Sie wurden hingegen von der - selber noch sehr jungen - Jugendbuchautorin Alexandra Bracken 2012 erfunden und mittlerweile gibt es bereits fünf Romane und einen Band mit Erzählungen über diese Teenager.

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Kinder im Gefangenenlager

In den USA der nahen Zukunft sind fast alle Kinder einer Seuche zum Opfer gefallen, und die Überlebenden haben durch die Krankheit diverse Spezialkräfte entwickelt. Daraufhin hat die besorgte Regierung mit einer Gewaltmaßnahme reagiert: sie lässt die Minderjährigen aufgreifen und in Lager inhaftiert. Dort gibt das Militär den Ton an und es geht entsprechend ungemütlich zu: die Anlagen sind eine Mischung aus Gefängnis, Guantanamo und KZ. Auf alle Kinder, die nach Meinung der Behörden ein Sicherheitsrisiko darstellen, wartet eine Giftspritze und man hat zur Ermittlung dieses Gefahrengrades ein Farbsystem eingeführt. Die blauen Kinder können Macht über Elektrizität ausüben, die gelben haben telekinetische Fähigkeiten und die grünen sind einfach unglaublich klug.  Wenn die Teenies ihre Kräfte aktivieren, leuchten die entsprechenden Farben in ihren Pupillen auf. Sobald jedoch Orange und Rot ins Spiel kommen, schrillen bei den Erwachsenen die Alarmsirenen.

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Ruby auf der Flucht

Die 16jährige Ruby (Amandla Stenberg) gehört zwar zu der orangen Gefahrengruppe, hat aber dank ihrer Kräfte sechs Jahre unerkannt im Lager verbracht. (Warum sie ihre Fähigkeit nicht genutzt hat, um sich zu befreien, bleibt allerdings ihr Geheimnis.) Nachdem sich die Lage zuspitzt, wird Ruby von einer unerwarteten Seite die Flucht ermöglicht und sie stößt auf drei weitere Kinder, mit denen sie gemeinsam durchs Land zieht. Doch wo immer sie sich auch hinwenden, sind die Zustände nicht unbedingt besser – vermeintliche Helfer können sich rasch als Feinde erweisen. Jede Fraktion verfolgt ihr eigenen Pläne und sieht in den Kindern meist nur Handlanger, durch deren Kräfte sie ihr Ziele erreichen wollen.

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Bekannte Szenen + Motive

Für Regisseurin Jennifer Yuh Nelson war es der erste Realfilm, denn sie kommt aus der Welt der Animation und inszenierte bisher die Teile 2 + 3 von „Kung Fu Panda“. Auf jeden Fall ist es bewundernswert, wie sie den Überblick behalten hat, denn es war bestimmt schwierig, hier nicht durcheinander zu kommen: hinter jedem Busch erwartet man, Logan auftauchen zu sehen, der seine Hilfe anbietet; sobald ein Vogel singt, könnte es ein Spotttölpel sein; der zwielichtige Präsident trägt zwar einen weißen Vollbart, sieht aber nicht wie Donald Sutherland aus; wenn Ruby als Leitfigur des Widerstands auf der Tribüne eines Stadions die Faust hochreckt, glaubt man, die Zuschauer werden  gleich „Katniss!“ rufen;  und wie sind die Kinder eigentlich aus dem Labyrinth entkommen? Ach so, das war ja dann doch in einem anderen Film! Zumindest gibt es eine Szene, in der das Ende von „Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste“ fachgerecht kopiert wird. Leider sind die schauspielerischen Fähigkeiten der Mitwirkenden nicht so überwältigend, dass man sich über solche Nachspiel-Erlebnisse wirklich freuen würde.

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franco schedl