Das Fleisch der Wassermelone

 F/Taiwan/China 2004

Tian bian yi duo yun (The Wayward Cloud)

Drama, Komödie, Musikfilm / Musical 115 min.
6.60
film.at poster

Taiwans Ausnahmeregisseur Tsai Ming-liang erzählt originell und gewohnt präzise von einer Welt, in der Einsamkeit und Entfremdung regieren, und in der doch von der Liebe geträumt wird.

In seinem jüngsten Film greift Tsai Ming-liang Motive aus seinen früheren Arbeiten What Time Is It There? und The Hole auf: Nach ihrer Rückkehr aus Frankreich stellt Shiang-chyi fest, dass die Promenade vor dem Hauptbahnhof von Taipei abgerissen wurde und sie den Uhrenverkäufer Hsiao-kang dort nicht mehr antreffen kann. Weil die Stadt gerade schwer unter Wassermangel zu leiden hat, muss Shiang-chyi Wasser stehlen oder den Saft von Wassermelonen trinken. Dieser Zwang, Wasser zu sparen, scheint sie in ihrer Einsamkeit ebenso sehr zu beschäftigen wie ein Koffer, den sie nicht öffnen kann. Eines Tages trifft sie im Park zufällig Hsiao-kang, und eine zarte Romanze mit täglichen Treffen in Shiang-chyis Wohnung beginnt. Was sie nicht ahnt: Hsiao-kang arbeitet mittlerweile als Schauspieler in Pornofilmen und dreht entsprechende Videos in einer benachbarten Wohnung. Immer wieder wird die Handlung dabei von ausgelassenen und fantasievollen Musical-Sequenzen unterbrochen, die von den geheimnisvollen Vorgängen in Shiang-chyis Apartmenthaus wegführen. The Wayward Cloud ist die Geschichte einer zaghaften Liebe, die sich ohne Worte entwickelt, nie recht zueinander findet und am Ende scheitert. Tsai Ming-liang zeigt den glücklosen Weg des Paares in sexuell ausschweifenden Bildern, doch der Sex ist vor allem ein Vehikel für die Darstellung von Einsamkeit und Entfremdung. Die Kamera wird dabei in diesen Prozess aus Anziehung und Abstoßung einbezogen, wenn sie die Enge des Hochhauslabyrinths noch durch vertrackte Spiegelwirkungen steigert. Doch manchmal lässt Tsai seinen Figuren auch einen Freiraum: Dann werden ihre Träume sichtbar, dann verwandelt sich das Set in eine Musicalbühne, und zu rührenden Sixties-Melodien albern die Pornodarsteller in einer Vaudeville-Show herum. Die Fantasien sind Ornament, sie geben dem Nichtzueinanderfindenkönnen eine Form, fügen sich wie die Wolken im Titel des Films lose zusammen. (Harald Fricke)

(Text: Viennale 2005)

Details

Lee Kang-sheng (Hsiao-kang),Chen Shiang-chyi (Shiang-chyi), Lu Yi-ching, Yang Kuei-mei, Sumomo Yozakura,Hsiao Huan-wen, Lin Hui-xun, Jao Kuo-xuan, Hung Shu-mei
Tsai Ming-liang
Liao Pen-jung
Tsai Ming-liang

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