© Copyright 2017 Film Kino Text / Wojciech Sulezycki

filmkritik
11/16/2017

"Tiere": Wer bildet sich hier was ein?

Der Mystery-Thriller von Greg Zglinski feierte seine Weltpremiere im Forum der Berlinale und war in Österreich erstmals auf der Viennale zu sehen.

Nick ( Philipp Hochmair) und Anna (Birgit Minichmayr) stecken in einer Beziehungskrise. Um ihrer gemeinsamen Zukunft noch eine Chance zu geben, fahren sie auf eine abgelegene Berghütte in der Schweiz. Die Wohnung überlassen sie Mischa (Mona Petri), die große Ähnlichkeiten mit Andrea, ihrer Nachbarin hat. Anna weiß von der Affäre zwischen Nick und ihr, aber sie erträgt es, sie liebt ihn. Auf dem Weg zur Hütte haben die Beiden einen Autounfall, bei dem ein Schaf getötet wird. Als sie endlich auf der Hütte ankommen, scheint etwas nicht zu stimmen. Anna wollte eigentlich an ihrem Buch schreiben, aber mit den ganzen Tieren im Haus und Nicks eigenartigem Verhalten kann sie sich nicht konzentrieren, und was versteckt sich im mysteriösen Zimmer am Ende des Gangs?

Drehbuch aus der Schublade geholt

Die schweizerisch-österreichisch-polnische Koproduktion stand unter der Regie von Greg Zglinski. Als Jurymitglied der schweizer Filmförderung bekam er bereits 2006 das Drehbuch zu „Tiere“ in die Hände. Der von Jörg Kalt geschriebene Mystery-Thriller beeindruckte ihn von Anfang an und ließ ihn auch Jahre später nicht los. Nach Kalts Tod erkundigte er sich über den Produktionsstatus von „Tiere“ und erfuhr, dass das Drehbuch noch in der Schublade lag und darauf wartete verfilmt zu werden. Der polnisch stämmige Regisseur nahm Änderungen am Drehbuch vor und machte sich bereit für seinen nächsten Spielfilm.

Keine Ruhe

Tiere“ besticht durch seine unheimliche Atmosphäre gepaart mit seinem entwaffnenden Humor. Die Ähnlichkeiten zu den Filmen von David Lynch sind nicht von der Hand zu weisen, doch in Verbindung mit dem Wiener Flair und den Schweizer Alpen, findet „Tiere“ seine eigene Ästhetik im Lynch-Universum. Was gewöhnlich anfängt, nimmt nach dem ersten Drittel des Filmes immer bizarrere Züge an. Durch das ständige Rätselraten um Zeitsprünge und Parallelwelten, ist man schnell im Bann der Geschichte. Plottwists gehören dabei ebenso zum Standardrepertoire von Zgilinski wie sprechende Tiere mit französischem Akzent.

Traumpaar

In den Hauptrollen brillieren die österreichischen Stars Philipp Hochmair und Birgit Minichmayr. Als untreuer Koch treibt Hochmair seine Frau sprichwörtlich in den Wahnsinn. Zglinski spielt sowohl mit der Wahrnehmung seiner Figuren als auch mit der seiner Zuseher, wer hier verrückt ist und wer nicht, liegt im Auge des Betrachters.

Tiere“ ist ein gelungener Mystery-Thriller, der sich nicht zu ernst nimmt, aber in der zweiten Hälfte neue Ideen vermissen lässt.

7 von 10 abgeschnittenen Fingern

Özgür Anil