Tribute to Thomas Draschan

 
74 min.
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Provokation - Sex - Rhythmus - Musik - Polarisierung - Freude - Kader - Pixel - Found Footage

Thomas Draschan erzeugt Rhythmus. Einen Rhythmus, der bis ins kleinste Detail geplant und geeicht ist. Draschan ist Sammler und Erzeuger in einem. Er sammelt Filmkader, ob Lehrfilme, didaktische Abhandlungen, Szenen aus alten Filmen, Ausschnitte und Schnipsel. Der Drang Bilder zu besitzen wird zur Kunst sie neu zu kodieren.

Von jenen Menschen, mit denen er sich befasst hat, von denen er fasziniert war, die ihn angeleitet oder inspiriert haben, mit denen er zusammen gearbeitet hat, stechen vor allem drei Personen hervor, die in Gesprächen mit oder Texten von ihm immer wieder auftauchen: Peter Kubelka, Ulrich Wiesner und Sebastian Brameshuber.

Die Filmarbeit beginnt mit Peter Kubelka (und Ken Jacobs) an der Städelschule in Frankfurt am Main, wo während des Studiums erste Filme wie Franziska entstehen, und zieht sich fort mit der Herausbildung einiger seiner bekanntesten Filme (wie Metropolen des Leichtsinns und Yes? Oui? Ja?) zusammen mit Wiesner. Ins Digitale stürzt er sich schließlich zusammen mit Sebastian Brameshuber - als das Duo Fordbrothers. Es sind Collagen, "Pixelmalereien" und exakt getimte Musikvideos, die die jüngeren Arbeiten von Thomas Draschan kennzeichnen.

1998 absolviert er bei Kubelka die Meisterklasse Film und beginnt Filmschauen im Städel Museum zu kuratieren und organisieren. Außerdem entsteht die Frankfurt-Sammlung, Filme von Schülern Kubelkas, die Draschan sammelt, restauriert und kopiert. Die letzten fehlenden Filme stammen von Ulrich Wiesner, der sich zu dieser Zeit versucht als Maler durchzuschlagen. Draschan sieht erstmals Afrika Bonus, eine Parodie auf Kubelkas Afrikareise, und Deutschland Lacht auf VHS, arbeitet fortan mit Wiesner gemeinsam dessen Material auf. Bald gehen ihnen die Filme aus, wie verrückt wird über Internet und Privatleute Footage gekauft, gesammelt und bearbeitet.

Metropolen des Leichtsinns wird in Österreich zu Beginn ablehnend aufgenommen, läuft jedoch weltweit auf Festivals und wird mit diversen Preisen ausgezeichnet. Der zwölfminütige rauschhafte Trip durch Sinn und Sinnlosigkeit von Lebensanfang bis -ende gilt mittlerweile als moderner Klassiker des Found-Footage-Films, das Verhältnis zu den heimischen Filminstitutionen bleibt in weiterer Folge jedoch angespannt. Das Ergebnis der nächsten gemeinsamen Filmarbeit erlebt der krebskranke Wiesner nicht mehr, Yes? Oui? Ja? wird zu einer weitaus existentielleren Arbeit als ursprünglich geplant.

Ab 2004 lebt Draschan wieder vermehrt in Wien, perfektioniert seine Arbeit mit Rhythmus und Montage. Filme wie To the Happy Few oder Freude sind populärkulturelle Bilderstürme, ein visuelles Vergnügen, das auf der Leinwand richtiggehend explodiert. Parallel dringt er gemeinsam mit Brameshuber in den digitalen Raum vor, dekonstruiert bekannte Bildwelten, macht Brüche und Bruchstellen der neuen Medien sichtbar und schreibt sich in diese Zwischenräume ein. Er nutzt Artefakte und Fehler, um den Kult des Digitalen leichtfüßig zu entzaubern.

Draschans Arbeiten sind "kleine Filmkunstwerke", schrieb die FAZ einmal, "deren Titel als Motti funktionieren und die nicht nur das Leben, sondern auch den Blick darauf und dessen Verwandlung in der Filmkunst zum Thema haben". Auch Musikvideos (z. B. für New Order) und Dokumentarfilme finden sich mittlerweile im Werk des Künstlers, den zuletzt die Kunst wieder vermehrt für sich entdeckt hat. Bei internationalen Ausstellungen finden seine Arbeiten Beachtung und seine Filme werden auf Festivals wie den Kurzfilmtagen Oberhausen oder in Rotterdam gefeiert. Thomas Draschan lebt und arbeitet heute in Wien und belebt hier unter anderem mit dem "Apartment Draschan" selbst die Künstlerszene.

* Afrika Bonus Regie: Ulrich Wiesner | D 1981, 3 min, 16 mm
* Deutschland Lacht Regie: Ulrich Wiesner | D 1981, 3 min, 16 mm
* Franziska Regie: Thomas Draschan | A/D 1996, 5 min, 16 mm ohne Ton
* In Neapel (Nitsch) Regie: Thomas Draschan | A/D 1997, 6 min, 16 mm
* Metropolen des Leichtsinns Regie: Thomas Draschan | A/D 2000, 12 min, 16 mm
* Yes? Oui? Ja? Regie: Thomas Draschan | A/D 2002, 4 min, 16 mm
* To the Happy Few Regie: Thomas Draschan | A/D 2003, 4 min, 16 mm
* Encounter in Space Regie: Thomas Draschan | A/D 2003, 8 min, 16 mm
* Preserving Cultural Traditions in a Period of Instability Regie: Thomas Draschan | A 2004, 3 min, digital
* The influence of ocular light perception on metabolism in man and in animal Regie: Thomas Draschan und Stella Friedrichs | A/D 2005, 6 min, 16 mm
* Keynote Regie: Thomas Draschan | A 2006, 6 min, digital video
* slaves to sin Regie: Thomas Draschan | A 2007, 6 min, digital video loop
* Everything's Gone Green Regie: Thomas Draschan und Sebastian Brameshuber | A 2007, 5 min, digital
* FREUDE (DELIGHT) Regie: Thomas Draschan | A 2009, 3 min, 35 mm

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