Tuyas Hochzeit

 China 2006

Tuya de hun shi

Drama 14.12.2007 92 min.
7.20
Tuyas Hochzeit

Die mongolische Hirtin Tuya steckt in einer Zwangslage: Um das Überleben ihrer Familie zu sichern, muss sie einen neuen Ehemann finden.

Die junge Tuya lebt mitten in der Steppe im Nordwesten der Inneren Mongolei. Hier versorgt sie ihren invaliden Mann Bater und zwei Kinder. Neben der Jurte steht ein schlichtes Steinhaus, in dem sie schuftet, wenn sie gerade nicht mit dem Kamel Wasser holen geht oder die Schafe aufs Weideland treibt. Zu viel Arbeit für die junge Frau. Und so beschließt das Paar, sich scheiden zu lassen und einen neuen Mann für Tuya zu suchen - einen, der bereit ist, auch den Exgatten mit zu versorgen. Bei Filmen aus der Mongolei freut man sich gewöhnlich auf den Anblick endloser Weideflächen und majestätischer Berge, auf antennenbewehrte Jurten, Männer in Fellstiefeln, buntgekleidete Frauen mit bunten Kopftüchern und Herden dicht gedrängter Schafe. All das bekommt der Zuschauer auch in Tuya's Marriage zu sehen, ebenso wie sich selbst spielende Laiendarsteller und jenen warmherzigen Humor, wie man ihn etwa aus Mongolian Pingpong kennt. Doch Wang Quan An hält auch fest, wie die Lebenskultur der mongolischen Hirten im 21. Jahrhundert im Verschwinden begriffen ist. Da er auch von der Verstädterung der Mongolei erzählt, also gewissermaßen von der Versteppung der Steppe, geraten neben Pferden und einem Kamel im Schneegestöber auch noch Mopeds, klapprige Lastwagen und ein veritabler Mercedes mitten in der Wüste ins Bild. Tuyas bockige Energie, ihre Wut, als ihr (Ex-)Mann sich das Leben zu nehmen versucht, ihr Dilemma, als in der Jurte zu guter Letzt eine Hochzeit gefeiert wird - das sprengt den Rahmen der Folklore. Ein paar Widerhaken gegen die Publikumserwartung hat Wang Quan An eben doch noch eingebaut. (Christiane Peitz)

(Text: Viennale 2007)

Details

Yu Nan, Bater, Senge, Peng Hongxiang, Zhaya
Wang Quan An
Lutz Reitemeier
Lu Wei, Wang Quan An
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Kritiken

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User Kritiken

  • Tuyas Hochzeit
    Die erste Einstellung ist die gleiche wie die letzte. Beim ersten Mal wird man neugierig, weil man noch nichts versteht, beim zweiten Mal bewegt einen Tuyas Gesicht, und man begreift, was in ihr vorgeht.
    Der Film entführt uns in eine den Europäern völlig fremde Welt, auch wenn die deutsche Synchronisation sehr umgangsprachlich und modern klingt. Tuya lebt mit ihrem beim Brunnenbau verunglückten Mann, Bater; und zwei Kindern mit Kamel und vielen Schafen in der Steppe. Nur zum Nachbarn Sen¿ge, der leicht ¿verrückt¿ und unzuverlässig ist, hat sie Kontakt. Doch der läuft ständig seiner Ehefrau hinterher, die ihn immer wieder verlässt. Als Tuya Probleme mit der Wirbelsäule bekommt und nicht mehr arbeiten kann, beschließt sie in Absprache mit ihrem Noch-Ehemann, sich zu verheiraten. Einzige Bedingung ist, dass Bater bei Tuya bleiben kann.
    Mehrere Freier tauchen auf und fast hätte es auch mit einem alten Klassenkameraden geklappt. Doch als Sen¿ge tatsächlich den Brunnen gegraben hat und Tuya mitten in den Hochzeitsvorbereitungen mit einem anderen mit einem erneuten Heiratsantrag überrascht, werden wir mit Tuyas tränenüberströmten Gesicht allein gelassen ¿ können uns unsere eigenen Gedanken machen.
    Der Erkenntnisstand des Zuschauers steht optisch genau da, wo er am Anfang schon war ¿ nur jetzt auf einer etwas höheren Stufe: weiser, gereifter, erfahrener.