Filmkritiken
01.03.2018

"Ugly": Hässlichkeit in schönen Bildern

In seinem Spielfilmdebut erzählt Regisseur Juri Rechinsky das tragische Schicksal zweier Paare in Österreich und der Ukraine.

Hanna (Angela Gregovic) liegt nach einem Autounfall in einem ukrainischen Krankenhaus. Ihr Freund Jura (Dmitriy Bogdan) sitzt stumm neben ihr. Schon bald beginnt sie zu schreien, ein Schreien, das uns den ganzen Film über begleiten wird. Ihre Eltern Martha ( Maria Hofstätter) und Josef (Raimund Wallisch) schweigen. Das österreichische Ehepaar lädt zu ausgelassenen Partys, um die beginnende Demenz von Martha, auch wenn es nur für einen Abend ist, zu vergessen. Zwei Geschichten in zwei Ländern, die nur lose miteinander verbunden sind.

Fragmente

Im Vordergrund des Dramas steht die Bildgewalt. Die Erzählung ist teilweise so fragmentarisch angelegt, dass man weder der Handlung noch den Figuren folgen kann. Lange Passagen von Stille werden durch lange Sequenzen von Geschrei kontrapunktiert. Einen wirklichen Dialog gibt es nur in einer Handvoll von Szenen. Durch die langen erzählerisch unverständlichen Handlungsstränge, bekommt eine Szene zwischen Jura und seinen Eltern eine Bedeutung, die einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Doch leider reichen diese wenigen Glanzmomente nicht aus, um von einer gelungenen Erzählung zu sprechen.

Schnitt als letzte Rettung

Man hat das Gefühl, dass sich zwischen all den Jump-Cuts ein ausgearbeitetes visuelles Konzept und ein Drehbuch befinden, die auf der Leinwand nicht ihre Kraft entfalten konnten und der Schnitt die letzte Rettung war. Der Zuseher muss sich wie bei einem Puzzel die Handlung selber zusammenbauen, mit ein Grund, warum man kaum eine emotionale Verbindung zu den Figuren entwickeln kann.

Hofstätter außer sich

Gespielt ist das Drama großartig, vor allem Maria Hofstätter geht an ihr Äußerstes. Die österreichische Schauspielerin ist bekannt für ihre Darstellungen am Rande des Wahnsinns, auch hier stürzt sie sich Hals über Kopf in ihre Rolle. Dmitriy Bogdan als Jura hat zwar nicht viel zu sagen, aber schafft es dennoch eine Tiefe in die Figur miteinzubringen, die einen stets im Ungewissen über seinen Gemütszustand lässt.

Bildgewalt

Für die atemberaubenden Bilder sind Wolfgang Thaler und sein Sohn Sebastian Thaler verantwortlich. Mit der Schulterkamera begeben sie sich auf Entdeckungstour nach Emotionen und finden dabei einzigartige Kontraste und Perspektiven, um das Innenleben der Figuren zu visualisieren. Bei einer improvisierten Partyszene scheint Wolfgang Thaler sogar einen ungewollten Gastauftritt zu haben.

Ugly“ ist weit weg vom herkömmlichen handlungsbasiertem Kino, aber schafft es nicht in seiner Experimentierfreudigkeit neue erzählerische Wege zu gehen, weshalb einem nach dem Kinobesuch nicht viel mehr als die schönen Bilder im Kopf bleiben. Schade.

4 von 10 kalten Duschen

Özgür Anil