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Filmkritiken
07/19/2017

"Valerian - Die Stadt der tausend Planeten": Super Mario trifft Avatar

Bessons Film ist eine lange geplante Umsetzung der vielbändigen französischen Comic-Reihe und wirkt, als würde uns der Regisseur zu einer zweistündigen Super Mario-Session einladen.

Bereits der Titel macht neugierig, weil man sich natürlich fragt, wie sich derartig viele Planeten zu einer einzigen Stadt vereinigen können. Wir erfahren schnell, dass diese Stadt eigentlich eine Riesen-Raumstation ist, auf der es von den unterschiedlichsten Lebensformen nur so wimmelt. In ihrem Zentrum hat sich aber eine gefährliche Entwicklung vollzogen, die zur Zerstörung des ganzen Kolosses führen könnte. Doch ein Pärchen von Regierungsagenten setzt alles daran, das zu verhindern. So ganz traut man ihnen ihre Fähigkeiten ja nicht zu, denn die beiden von Dane DeHaan und Cara Delevingne gespielten Helden sehen fast noch wie Kinder aus, erweisen sich aber bald als sehr kampferprobt.

Die größere Überraschung bereitet uns Delevingne jedoch als Schauspielerin: obwohl sie mit ihrem naturgegebenen trotzig-empörten Gesichtsausdruck nicht gerade Wandlungsfähigkeit zu garantieren scheint, ringt sie sich als taffe Weltraumagentin sogar hie und da ein richtige Lächeln ab (und wie es sich für ein ehemaliges Top-Model gehört, darf sie in ein paar extravagante Kostüme schlüpfen).

Ein (zu) jung gebliebener Regisseur

Besson ist zwar schon ein Mann in vorgerückten Jahren, doch sein Spieltrieb scheint ungebrochen; daher wirkt dieser Film - eine langegeplante Umsetzung der vielbändigen französischen Comic-Reihe „Valérian et Laureline“ - , als würde uns der Regisseur zu einer zweistündigen Super Mario-Session einladen. Besonders ein putziges kleines Tierchen, das sich Transmulator nennt und von allen in den Mund genommenen Gegenständen vielfache Duplikate ausscheidet, scheint direkt aus dem Nintendo-Spiel zu stammen.

Man könnte allerdings auch sagen, Besson hat mit enormem Budget seine ureigene „Avatar“-Version verwirklicht: auch hier steht ein scheinbar primitives Volk im Mittelpunkt, das für angeblich höhere Ziele durch skrupellose Militaristen aufgeopfert werden soll. Bloß hat Besson dabei auf die Farbe Blau verzichtet, denn die naturverbundenen Meeresplanetenbewohner weisen bei ihm graue Haut auf. Echtes Blau wird jedoch auch geboten, da Rihanna eine sehr wandlungsfähige Kreatur namens Bubbles spielt, deren wahre Gestalt an blaue Wassertropfen erinnert – und somit eine der originellsten Lebensformen verkörpert, die wir hier zu sehen bekommen.

Spezialeffekte aus der Wundertüte

Valerian“ ist ein Film mit 2700 Wundern – also Spezialeffekten - und hält im Minutentakt neue Überraschungen für uns bereit. Der Ideenreichtum wirkt in dieser Fülle auf die Dauer jedoch ermüdend. Das fühlt sich an, als hätte der große Junge Luc aus der nächste Konditorei eine Wundertüte geholt und würde uns nun mit einer bunten Vielfalt von diversen Süßigkeiten überschütten.

Sobald wir dank schwerlos dahinschwebender Kamera etwa in die Häuserschluchten einer virtuellen Mega-City eintauchen, wird deutlich, dass entsprechende Szenen aus „Das fünfte Element“ im Vergleich dazu wie eine bescheidene Vorstudie wirken. Trotzdem war der frühere Film wesentlich sympathischer, weil damals noch stärker auf wirkliche Schauspieler gesetzt wurde und nicht bloß computergenerierte Bilder im Mittelpunkt standen.

6 von 10 transmulatorischen Vielfältigkeitspunkten

franco schedl

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