Viennale: Arthaus-Kapazunder im Gartenbaukino

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Am Montag standen auf der Viennale drei vielversprechende Spielfilme auf dem Programm. Mit „Felicité“, „Hannah“ und „120 battements par minute“ feierten drei auf internationalen Festivals ausgezeichnete Filme ihre Österreich-Premiere. Ein Feiertag für Arthaus Liebhaber.

"Felicité"

Die französisch-senegalesische Koproduktion feierte ihre Weltpremiere im Februar auf der Berlinale, wo sie mit dem Großen Jury Preis ausgezeichnet wurde. Die Geschichte einer Mutter, die versucht Geld für die Operation ihres verletzten Sohnes aufzutreiben, gewährt einen tiefen Einblick in die kongolesische Gesellschaft. Ein Motorradunfall, der in Mitteleuropa vor allem eine menschliche Tragödie wäre, ist für Felicité und ihren Sohn in erster Linie ein finanzielles Problem. Regisseur Alain Gomis unterschneidet das harte Sozialdrama mit poetisch-dokumentarischen Nachtaufnahmen, und schafft es durch die visuellen Gegensätze einen filmischen Raum zu öffnen, der Abseits der Handlung einen Blick auf den Kongo wirft.

Nächste Vorführung: 25.10 um 13:30 Uhr im Metro Kino

"120 battements par minute"

Das französische Aids-Drama von Robin Campillo galt als eines der Favoriten für die Goldene Palme in Cannes, wurde aber schließlich wie „Felicité“ in Berlin, mit dem Großen Jury Preis ausgezeichnet. „120 battements par minute“ erzählt die Geschichte der Aids Aktivisten Gruppe "Act Up" im Paris der 90er Jahre. Regisseur Campillo lernte seinen Co-Drehbuchautor Philipp Mangeot in der Aktivistengruppe kennen, und erzählt über wahre Ereignisse in seinem Kampf gegen die Stigmatisierung von Aids-Kranken. Das Drama zeichnet sich vor allem durch die ambivalenten Figuren aus, die bewusst Grenzen überschreiten, um sich Gehör zu verschaffen. Im Gegensatz zu den meisten anderen zeitgenössischen Filmen über Homosexuelle, schafft es Campillo Charaktere zu kreieren die Abseits ihrer Sexualität eine Persönlichkeit besitzen. Anstatt die Aktionen der Aktivisten unreflektiert zu glorifizieren, begegnet er ihnen mit einer kritischen Empathie, womit er es schafft, seinem Thema eine allgemeine Gültigkeit zu verleihen.

Nächste Vorführung: 25.10 um 11 Uhr in der Urania

"Hannah"

Hannah“ konkurrierte in Venedig um den Goldenen Löwen. Charlotte Rampling erhielt für ihre Darstellung die Copa Volpi als beste Hauptdarstellerin. Die italienische Charakterstudie gehörte zu den großen Überraschungen auf der Viennale. Ein unscheinbar anfangendes Drama über eine langsam vereinsamende Seniorin, entwickelt sich zu dem bisher bildgewaltigsten Film des Festivals. Mit wenigen Worten, aber umso aussagekräftigeren Bildern, schafft es Andrea Pallaoro ins innere seiner, von Rampling großartig minimalistisch gespielten, Hauptfigur zu blicken. Der italienische Regisseur überzeugt mit einem feinen Gespür für Rhythmus und Bildkomposition. In seiner präzisen Charakterstudie lässt er dem Zuseher die notwendigen Räume für Interpretation offen und stellt Sehgewohnheiten in Frage. Ein Film, der lange in Erinnerung bleibt

Nächste Vorführung: 27.10 um 13:30 Uhr in der Urania

Özgür Anil

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