Vikings: Auf Konfrontationskurs in England

Vikings, Staffel 5, Episode 3 Review: HeimatlandHistory Channel
Vikings, Staffel 5, Episode 3 Review: Heimatland

In der ersten Viertelstunde der Episode "Heimatland" ist bei "Vikings" doch tatsächlich ein Hauch von "Game of Thrones" zu spüren. Die Handlung springt von Schauplatz zu Schauplatz und zeigt wie schnell die Welt der Wikinger auch in der Serie expandiert: Zuerst streift Floki durch die Landschaft von Island, dann sehen wir wie König Harald mit der entführten Astrid in seinem Heimatdorf ankommt. Danach springt die Handlung zu Ivar nach York, macht Zwischenstopp bei Aethelwulf, dem neuen König von Wessex, und folgt dann kurz Bjorn, der im Golf von Cádiz vor der Einfahrt ins Mittelmeer steht. Doch im Rest der Episode steht wieder England im Mittelpunkt. Dennoch gibt die Episode damit einen Ausblick auf das Potenzial von "Vikings", die Handlung auszuweiten und bei Charakteren und Schauplätzen ähnlich abwechslungsreich wie "Game of Thrones" zu werden.

 

Achtung SPOILER! Wer die Episode "Heimatland" noch nicht gesehen hat und nichts über deren Handlung erfahren will, sollte jetzt an Rückzug denken.

 

Bjorn und Floki

Zu Beginn irrt Floki wie am Ende der letzten Folge durch Island und versucht zu verstehen, warum ihn die Götter hierher geführt haben. Wir kennen ähnliche Verwirrungen von Floki bereits. Wie schon zuvor sind sie mit Visionen verbunden und es bleibt spannend, wohin dieser Handlungsstrang diesmal führt.

Viel interessanter ist das kurze Gespräch zwischen Bjorn und Halfdan. Zwischen den beiden scheint sich eine Freundschaft zu entwickeln, die dem Bruder von König Harald wohl irgendwann eine Entscheidung zwischen Bjorn und Harald abverlangen wird. Am Ende der kurzen Szene schlägt ein Berater vor, besser als Händler denn als Angreifer aufzutreten. Bjorn soll mit nur drei Schiffen ins Mittelmeer fahren und den Rest der Flotte heimschicken. Der Blick von Bjorn sagt einiges über die Absurdität dieses Vorschlages. Schließlich ist Ragnars Erstgeborener doch wegen der Raubzüge in Richtung Mittelmeer aufgebrochen. Wie es mit Bjorn weitergeht, wird aber auf spätere Episoden verschoben.

 

König Harald und Astrid

Harald kehrt mit der entführten Astrid in sein Heimatdorf zurück und wird dort mit Freuden begrüßt. Zuhause gewinnt der Charakter von Harald völlig neue Facetten. Plötzlich wirkt er nicht mehr wie ein verschlagener Intrigant und Möchtegern-König von Norwegen. Bei seinen Leuten ist er beliebt wie es auch Ragnar war. Wir wissen auch, dass er bisher kein Glück mit Frauen hatte. Aber Astrid scheint seinem Wunsch, sie zu seiner Königin zu machen, nicht völlig abgeneigt zu sein. Das könnte nur ein Trick sein, macht aber auch diesen Handlungsstrang spannend.

 

Ivar und seine Brüder

In England laufen indessen die dümmlichen Sachsen (Engländer) unter der Führung von König Aethelwulf und Bischof Heahmund in die Falle von Ivar. Nach einem langen Kampf, bei dem Ivar seinen zunehmenden Größenwahn zeigt, müssen sich die Engländer zurückziehen. Trotzdem will Ubbe mit König Aethelwulf verhandeln und das Land einfordern, das vom alten König versprochen wurde. Ivar hält das für ein Zeichen der Schwäche und ist dagegen. Ubbe und Hvitserk suchen dennoch mit einem kleinen Trupp bei Nacht und Nebel das englische Lager auf, um ein Friedensangebot zu unterbreiten. Am nächsten Morgen sind Ubbes Männer aber tot und die beiden arg verprügelten Brüder kehren gedemütigt heim. Es ist die Stunde von Ivar. Er übernimmt das Kommando über die große Wikingerarmee in England. Ubbe geht ins Exil nach Kattegat, während Hvitserk sich im letzten Moment für Ivar entscheidet.

Insgesamt ist der ganze Handlungsstrang in England zu wenig plausibel. Die Engländer werden von Pfeilen durchlöchert und auf der Flucht durch die Gassen von York aufgespießt, aber ihre Anführer Aethelwulf und Heahmund – immer die Soldaten ohne Helm an der Spitze anführend – bekommen keinen Kratzer ab. Auch das Kriegsgeschrei von Ubbe und Hvitserk wirkt nicht mehr so überzeugend wie das von Ragnar und Rollo. Und warum sollte Ubbe bei Nacht und Nebel ohne Rückendeckung seiner Leute mit den Engländern verhandeln? Im zentralen Handlungsstrang dieser Episode geht alles viel zu einfach und zu schnell. Es bleibt zu hoffen, dass Ubbe noch nicht ganz aus dem Spiel ist und andere Schauplätze in kommenden Episoden ins Rampenlicht treten. 

 

Erwin Schotzger

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