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01/18/2018

Vikings: Böses Blut in der Familie

Vikings, Staffel 5, Episode 9: Familienzwist bestimmt das Geschehen.

Vor dem Staffelfinale spitzt sich die Lage überall zu. Nicht nur im Krieg um Kattegat. Diesmal bekommen auch die anderen Schauplätze in England und Island wieder mehr Aufmerksamkeit. Überall künden Zwist und Fehden in der eigenen Familie eine wenig friedvolle Zukunft an.

Achtung! SPOILER schleichen sich an. Wer nichts über die neunte "Vikings"-Folge "Eine einfache Geschichte" erfahren will, sollte hier nicht weiterlesen.

Familienzwist und seine Folgen

Die langsame Szene am Anfang wirkt wie ein kurzes Innehalten, das die brutalen und leidvollen Folgen der vergangenen Schlacht für die Menschen von Kattegat aufzeigen soll. Es ist unklar, worauf sich der Episodentitel "Eine einfache Geschichte" bezieht, denn nichts läuft einfach in der Welt von "Vikings". Trotz all dem Leid läuft alles auf weitere Eskalation hinaus. Nicht nur in Kattegat, auch in England und in Island sind es immer Familienfehden, die böses Blut erzeugen.

Alfred wird König

In England bahnt sich nach dem überraschenden Tod von König Aethelwulf durch einen Bienenstich ein Konflikt zwischen seinen Söhnen an. Doch noch ist dieser Zwist unter der Oberfläche verborgen: Judith setzt alle Räder in Bewegung, um nicht den Kriegerprinzen Aethelred, sondern ihren Liebling Alfred als Philosophenkönig auf den Thron zu bekommen. Doch Aethelred hat die größere Gefolgschaft. Judith fordert ihn daher dazu auf, die Krone zurückzuweisen und an Alfred abzugeben. Es ist ziemlich klar, dass der älteste Sohn des Königs dies als Zurückweisung seiner Mutter empfindet. Doch er fügt sich. Aber Judith hat damit böses Blut erzeugt. Als der unerfahrene Alfred tatsächlich zum König gekrönt wird, ist sein Bruder der einzige, der nicht "Lang lebe der König!" ruft.

Böses Blut in Flokis Paradies

Auch Island bekommt diesmal wieder mehr Raum: Der Konflikt zwischen Eyvind und Kjetill um die Führung der Kolonie eskaliert immer mehr. Floki sieht dabei nur zu. Er macht ganz auf friedfertiger Prophet, der jede Gewalt ablehnt. Natürlich stimmt es, dass die Gemeinde zusammenhalten muss. Aber es stimmt auch, dass Eyvind Zwietracht säht und provoziert. Es ist die Tochter von Kjetill, die immer wieder versucht zu vermitteln. Doch wie sich herausstellt, steckt hinter dem Konflikt der beiden Männer eine lang zurückliegende Familienfehde. Es wäre die Aufgabe von Floki als Anführer diese Fehde zu unterbinden und vor allem Eyvind in die Schranken zu weisen. Doch wenn es Probleme gibt, rennt Floki weg anstatt sie zu lösen.

Es wird eng in Kattegat

Der Krieg zwischen Kattegat und Vestfold geht indessen weiter. Sieger und Verlierer lecken ihre Wunden. Während Harald und Ivar wieder nach Vestfold zurückkehren, bleiben Lagertha, Bjorn und Ubbe mit ihren Truppen unerklärlicherweise auf dem Schlachtfeld. Warum kehren sie nicht nach Kattegat zurück, das nur einen Katzensprung entfernt ist? Noch dazu macht sich Torvi – zu Recht – um ihre Kinder Sorgen, die sie in der Obhut von Ubbes Frau Margrethe zurückgelassen hat. Denn Margrethe ahnt die Affäre zwischen Ubbe und Torvi. Recht körperlich ist auch die Anziehung zwischen Lagertha und Bischof Heahmund. Es scheint als ob der Kriegerbischof ein Spielball für jeden Heiden ist, der ihn gefangen nimmt. Lagertha hat dem Bischof wohl mehr anzubieten als Ivar. Frauen und körperliche Liebe sind dem heuchlerischen Bischof letztlich wohl einen Tick wichtiger als sein Gott. Letztendlich schwört er Lagertha ewige Treue und Gefolgschaft bis in den Tod.

In Vestfold hat Hvitserk die glorreiche Idee, wie aus der Niederlage doch noch ein Sieg werden kann: Fragen wir doch Rollo um Hilfe! Ivar findet die Idee gut und schickt seinen Bruder zu Rollo ins Frankenreich. Hvitserk kommt mit einer starken Frankenarmee zurück. Das verändert das Kräftegleichgewicht völlig. Es schaut nicht gut aus für Kattegat.

Die Geschichte ist zu einfach

In der Episode "Eine einfache Geschichte" wird sichtbar, dass es sich der Serien-Schöpfer und alleinige Autor von "Vikings", Michael Hirst, inzwischen oft zu einfach macht. Abgesehen davon, dass Charaktere wie Judith in England und Lagertha in Kattegat nicht älter werden (während Ragnar in vier Staffeln deutlich gealtert ist), fügen sich die Handlungsabläufe zeitlich nur schwer zusammen. Bjorn erkundet kurz das Mittelmeer und ist in Windeseile wieder zurück. Hvitserk holt schnell eine Franken-Armee nach Norwegen. Floki segelt zwischen Island und Norwegen hin und her. Wenn die Wikinger wirklich in dem Tempo unterwegs waren, dann wäre es kein Wunder, wenn sie Amerika schon lange vor Kolumbus entdeckt hätten. Es ist aber auch nur schwer vorstellbar, dass die Handlungen an den verschiedenen Schauplätzen parallel laufen, wenn an einem Schauplatz solche Zeitsprünge gemacht werden.

Darüber hinaus stellt sich auch die Frage, warum Rollo Ivar und Hvitserk helfen sollte? Er steht Lagertha und Bjorn wesentlich näher. Wieso sollte er bei ihrer Ermordung helfen? Warum Kattegat vernichten wollen? Auch Rollos einzige Forderung, Bjorns Leben zu verschonen, ist dafür keine ausreichende Erklärung. Rollo, der in der Episode nicht einmal vorkommt, dient nur als Deus ex machina im Krieg um Kattegat, der das Blatt doch noch zugunsten von Harald und Ivar wendet. Wozu dieser Umweg? In der letzten Episode schien es, als ob Ivar absichtlich die Niederlage Haralds herbeigeführt hat. Zwar wäre auch das sehr rätselhaft. Aber diese Wendung lässt – wie auch andere zuvor – die Frage aufkommen, wohin dieser Zickzack-Kurs im Storytelling der fünften Staffel führen soll und wie die verschiedenen Handlungsstränge von "Vikings" letztendlich zusammenspielen? Falls sie zusammenspielen.

Erwin Schotzger