Vikings: In der Höhle des arabischen Löwen

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Die Folge "Der Gefangene" ist eine typische Übergangsepisode. Interessante Entwicklungen bahnen sich an, aber eigentlich passiert nicht viel. Der Handlungsstrang mit dem größten Potenzial, frischen Wind in die Segel der Wikinger zu bringen, ist Bjorns Reise ins Mittelmeer. In der Welt des ehemaligen Römischen Reiches wird nach anderen Regeln gespielt als in der viel direkteren Welt der Wikinger. Bjorn ist ohne Zweifel beim Kennenlernen dieser Welt sehr ambitioniert. Auf der anderen Seite Europas, in England, läuft hingegen alles wie gehabt. Einmal mehr kommt ein Déjà-vu-Gefühl auf, wenn Ivar in Bischof Heahmund einen Widerpart zu finden scheint – wie einst sein Vater in König Egbert und Athelstan.

SPOILER-Warnung! Wer die Episode "Der Gefangene" noch nicht gesehen hat, sollte hier nicht weiterlesen.

Ivars Plan geht zu einfach auf

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In York setzt die Folge beimCliffhanger der letzten Episodefort: Die Sachsen (Engländer) sind in die Stadt eingedrungen, nachdem die Wikinger über Nacht verschwunden sind. Die menschenleere Stadt wird nur noch von Haustieren und Ratten bevölkert. Vor dem Abspann stellt Bischof Heahmund die verhängnisvolle Frage: "Warum sind die Ratten über der Erde?" Doch anscheinend denkt der Bischof die Frage nicht zu Ende. Denn Ivar und seine Truppen haben sich unter der Stadt versteckt. Als sie aus der Kanalisation – fast wie Zombies oder Unterweltwesen – attackieren, sind die Engländer gelähmt vor Schreck. Die Wikinger nutzen das Überraschungsmoment und metzeln einmal mehr die Truppen von König Aethelwulf nieder. Dass dieser Plan von Ivar so einfach aufgeht, ist ziemlich unglaubwürdig. Die englischen Truppen könnten die Wikinger schon beim Klettern aus der Kanalisation ganz einfach stoppen und alle in der Kanalisation einzusperren. Es ist auch wenig plausibel, dass König Aethelwulf zum zweiten Mal auf eine solche List hereinfällt.

Die Truppen des gedemütigten König Aethelwulf ziehen jedenfalls nach der vernichtenden Niederlage ab. Ivar lässt sie ziehen. Er hat Bischof Heahmund gefangen genommen. Es gefällt ihm offenbar seinen Glauben in Frage zu stellen. Ivar beschließt den Bischof mit auf eine Reise zu nehmen. Schon wieder ein Déjà-vu.

Floki kehrt nach Kattegat zurück

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Die Rückkehr von Floki nach Kattegat führt zu Konflikten mit Lagertha. Sie verbieten Floki sein Vorhaben, in Kattegat wahre Gläubige für seine Reise nach Island – ins Land der Götter – zu rekrutieren. Verständlich, denn Lagertha braucht jeden Mann und jede Frau für den kommenden Konflikt mit König Harald. Doch Floki wäre nicht Floki, wenn er sich daran halten würde. Er fühlt sich nur noch seinen Göttern verpflichtet. Im Untergrund sammelt er wie ein Messias, der ins gelobte Land führt, die Bewohner Kattegats. Es darf bezweifelt werden, dass Lagertha davon nichts erfährt. Ein Konflikt ist vorprogrammiert.

Bjorn in der Höhle des arabischen Löwen

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Wirkliches Neuland beschreitet nur Bjorn – auch im Sinne der Handlung von "Vikings". Im Mittelmeerraum ist nach dem Zerfall des Römischen Reiches nichts wie es scheint. Herrscher kommen und gehen, einzige Konstante scheint der mächtige Kaiser von Byzanz zu sein. Aber Bjorn arbeitet sich langsam nach oben. Zunächst ist er auf dem Weg zu Emir Ziyadat Allah (Khaled Abol Naga) nach Ifrigiya, dem heutigen Tunesien. Es ist nicht ganz klar, warum Bjorn das Risiko dieser Reise eingeht. Ist es einfach jugendliche Abenteuerlust oder will er tatsächlich strategische Allianzen schmieden? Dieses Draufgängertum von Bjorn ist erfrischend und unterscheidet den ältesten Sohn von Ragnar wesentlich vom hinterhältigen Trickser Ivar.

Die Reise führt diesmal auf Wüstenschiffen, vulgo Kamelen, direkt in die Höhle des Löwens: Zunächst überrascht der Emir mit seinen nordischen Sprachkenntnissen. Doch der Schein der Gastfreundschaft trügt. Denn im Zelt des Emirs herrscht die Intrige und Kassia ( Karima McAdams) ist die Meisterin dieser Disziplin. Allerdings ist völlig unklar, worin ihre Macht besteht? Sie ist eine berühmte Nonne aus Byzanz, die Euphemius entführt hat. Gegenüber dem Emir verhält sie sich jedoch ganz und gar nicht keusch. Doch was – abgesehen von ihrer körperlichen Gunst – hat Kassia dem Emir noch anzubieten. Euphemius ist ihr erstes Opfer. Er wird als Verräter getötet und im Wüstenzelt als Mahl zubereitet. Wenig später trifft es auch schon Bjorn, Halfdan und Sinric: Kassia will die drei um einen Kopf kürzer sehen. Die Episode endet wieder mit einem Cliffhanger: Kurz vor ihrer Exekution zieht plötzlich ein Sandsturm über das Zeltlager des Emirs.

Erwin Schotzger

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