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Serien-Review: Vikings
12/03/2018

Vikings: Rollo wärmt alte Geschichten auf

Vikings, Staffel 5, Episode 11: Die Söhne Ragnars sind aus der Staffelpause zurück und lecken ihre Wunden.

von Erwin Schotzger

Endlich! Die "Vikings sind zurück. Zur Erinnerung: Vor der Staffelpause wütete die Schlacht um Kattegat, die sich schon länger angekündigt hat. Die Schlacht war ein Bruderkrieg im wahrsten Sinne des Wortes: König Harald tötet seinen Bruder Halfdan – schweren Herzens, aber doch – am Schlachtfeld. Lagertha bringt ihre ehemalige Geliebte Astrid und ihr ungeborenes Kind um. Björn verliert seine frisch vermählte Frau Snaefrid. Hvitserk, der Bruder von Ubbe und Ivar, tötet den Sohn von Torvi, die jetzt mit Ubbe zusammen ist. Nur Ubbe und Hvitserk verschonen einander. Die Schlacht wird durch die von Rollo ins Feld geführte Frankenarmee entschieden. Björn, Lagertha und die anderen müssen fliehen.

Die neue Episode "The Revelation" (Dt.: die Enthüllung, doch der deutsche Episodentitel lautet "Land der Steine") setzt unmittelbar nach der Schlacht fort.

Achtung: SPOILER im Anmarsch! Wer die neue Folge von "Vikings" noch nicht gesehen hat, sollte hier an Rückzug denken.

 

Wunden lecken nach der Schlacht

Serien-Review: Vikings, Staffel 5, Episode 11

Ivar zieht als neuer König in gewohnt größenwahnsinniger Art und Weise in Kattegat ein. Doch Ragnars blutrünstiger Sohn ist höchst unzufrieden, denn er ist nicht zu seinem ersehnten Todesstoß gekommen: Bevor Lagertha nicht tot ist, wird er keine Ruhe geben. Doch sie ist mit den anderen entkommen. Bei der Siegesfeier taucht überraschend auch Rollo höchstpersönlich auf. Das macht die Wikingerkönige Ivar und Harald misstrauisch. Ragnars Bruder zerstreut die Zweifel: Es gehe ihm nur darum einen für ihn lukrativen Vertrag persönlich abzuschließen. Doch bei der ersten Gelegenheit setzt er sich ab und sucht Lagertha in einem geheimen Versteck im Hinterland von Kattegat auf.

 

Wankelmütiger Rollo

Serien-Review: Vikings, Staffel 5, Episode 11

Dort sind Lagertha, Björn, Ubbe, Torvi und Bischof Heahmund untergetaucht. Rollo kennt das Versteck aus alten Tagen. Hier wird einmal mehr deutlich, dass es sich "Vikings"-Schöpfer Michael Hirst, der auch der alleinige Autor der Serie ist, inzwischen oft recht einfach macht. Warum sollten gerade die Söhne Ragnars dieses alte Versteck nicht kennen? Und wohin sind die ganzen Krieger auf der Seite von Lagertha gekommen? Es fällt auch auf, dass Rollo deutlich gealtert ist, während die Zeit an der bildhübschen Lagertha spurlos vorbeigeht. Lediglich ihre Haare sind nun weiß, aber in ihrem Gesicht ist keine Falte zu sehen. Kein Wunder, dass der anpassungsfähige (man könnte auch rückgratlos sagen) Bischof Heahmund dieser Frau verfallen ist.

Rollo bietet Lagertha und Björn an ins Frankenreich zu kommen. Er hat Lagertha immer geliebt. Das ist nicht unbedingt neu. Nun wird wird (dem Originaltitel entsprechend) auch enthüllt, dass er der Vater von Lagertha ist. Oder zumindest sein könnte. Björn kennt die Gerüchte und nimmt die Enthüllung relativ gelassen. Relativ, weil er dann in einem Wutanfall Rollo töten will. Wikinger-Temperament. Von Rollo kommt keine Gegenwehr. Das macht dann doch keinen Spaß. Lagertha lehnt das Angebot ab, Björn beschimpft Rollo als wertlosen Verräter. Damit sind alle Brücken abgerissen. Rollo reist mit den Worten ab: "Wir werden uns nie wiedersehen."

Es stellt sich die Frage, ob das auch der Abschied von Rollo aus der Serie war? Wenn ja, wäre das ein unnötiges Verheizen der zwiespältigen Figur. Immerhin sind die Motive des wankelmütigen Rollos nun besser nachvollziehbar. Ivar und Harald hat er wohl unterstützt, um vollendete Tatsachen zu schaffen: Die vernichtende Niederlage sollte Lagertha und Björn dazu bewegen, mit ihm ins Frankenreich zu kommen. Doch er hat die Rechnung ohne Bischof Heahmund gemacht. Dieser bietet den flüchtigen Wikingern nämlich einen anderen Ausweg: Die Flucht nach England.

Ob Lagertha und die anderen sich in England auf den Schutz durch ihren selbstsüchtigen Liebhaber Heahmund verlassen können, ist höchst fragwürdig.

 

Wenig Neues in Island

Serien-Review: Vikings, Staffel 5, Episode 11

Im von Floki entdeckten Land der Götter herrscht inzwischen Streit. Floki hat sich nach der Blutfehde zwischen den Streithähnen wie üblich für Flucht entschieden: Statt endlich die Rolle eines Anführers zu übernehmen, hat er sich als Menschenopfer für die Götter angeboten. Aber selbst das kann er nicht selbst entscheiden. Er lässt abstimmen, wohl in der Hoffnung mit dem drastischen Zeichen die Mehrheit der Gemeinde auf seine Seite zu ziehen. Doch seine Gemeinde ist gespalten: Die Hälfte ist auf der Seite von Eyvind und will ihn tot sehen. Die andere Hälfte ist dagegen. Am Ende entscheidet ausgerechnet der Sohn von Eyvind, der als einziger nicht abgestimmt hat. Und er entscheidet sich gegen seinen Vater und für Floki. Wie es in Island weitergeht, ist daher weiter offen.

 

Interessante Entwicklungen

Serien-Reviews: Vikings, Staffel 5, Episode 11

Die erste Episode nach der Staffelpause bietet auch zwei spannende Entwicklungen am Rande, in deren Mittelpunkt zwei Frauen stehen: die beiden ehemaligen Sklavinnen Margrethe und Freydis.

Die dem Wahnsinn verfallene Margrethe wird im Versteck zurückgelassen, das Ivar nur noch leer vorfindet. Er nimmt die verwahrloste und verwirrte Frau mit nach Kattegat. Dort nimmt sich Hvitserk ihrer an. Ivar warnt, dass sie ihm den Tod bringen wird. Doch sein Bruder geht das Risiko ein. Interessant ist das vor allem im Zusammenhang mit der Prophezeiung des blinden Sehers. Er hat Margrethe prophezeit, dass sie dem Wahnsinn verfällt und dann den Satz angefügt: "Aber vielleicht werden die Wahnsinnigen die Welt erben."

Im Gegensatz dazu ist die ehemalige Sklavin Freydis bei klarem Verstand. Sie sucht die Nähe ihres Befreiers Ivar und schafft es auch, sein Interesse zu wecken. Freydis spielt mit dem Feuer, aber sie scheint genau zu wissen, was sie will.

 

Erwin Schotzger