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01/25/2018

Vikings: Das große Sterben vor den Toren von Kattegat

Vikings, Staffel 5, Episode 10: Das Halbfinale vor der Staffelpause mischt die Karten in der Welt der Wikinger neu, zelebriert aber auch die Wiederholung.

Vor der Staffelpause steht die Entscheidungsschlacht um Kattegat an. Serien-Schöpfer und Autor Michael Hirst wählt in "Moments of Vision" einen interessanten Zugang, um "Vikings" völlig neu aufzustellen. Die Wikinger haben sich zum zweiten Mal im Hinterland von Kattegat zur Schlacht versammelt. Diesmal haben Ivar und Harald die Frankenarmee von Rollo dabei. Die Episode springt ständig zwischen Schlachtszenen und gedanklichen Rückblicken der einzelnen Charaktere hin und her. Nicht alle kehren lebendig vom Schlachtfeld zurück. Gleichzeitig dient der Bruderkrieg in Kattegat als symbolisch drohendes Zukunftsszenario für Flokis Kolonie in Island, die von einer Familienfehde zerrissen wird. Abgesehen von dieser spannenden dramaturgischen Inszenierung hat die Episode aber ein paar Längen und neigt zu unnötigen Wiederholungen.

Achtung! SPOILER im Anmarsch. Wer nichts über das Halbfinale von "Vikings" erfahren will, sollte hier an Rückzug denken.

Ragnarök vor den Toren von Kattegat

In den ersten Minuten von "Moments of Vision" wird nicht gesprochen. Gesänge und Kriegstrommeln hallen durch die Wiesen und Wälder rund um Kattegat. Die Wikinger haben sich wieder zum Bruderkrieg versammelt. Nach dem Intro steigen wir unmittelbar ins Schlachtgetümmel ein. Doch es wird immer wieder durch den Rückblick eines Charaktes unterbrochen. Zuerst verabschiedet sich Lagertha mit einem Kuss vor der Schlacht von Heahmund: "Jetzt bin ich bereit zu sterben", sagt sie danach. Tatsächlich ist schonungsloses Sterben angesagt in dieser Folge von Vikings: In einem Rückblick sehen wir den frisch verliebten Bjorn mit seiner neuen Frau. Wenig später liegen ihr Vater und sie selbst tot auf dem Schlachtfeld. Auch die Söhne von Torvi fallen in der Schlacht. Abschied nehmen heißt es auch von Halfdan. Sein Bruder Harald will ihn nicht töten, tut es aber dann doch. Wofür? Seine geliebte Königin und ihr ungeborenes Kind werden von Lagertha getötet. Astrid will es so. Nur die Brüder Hvitserk und Ubbe können einander nicht umbringen.

Margrethes Prophezeiung

Inzwischen verliert Margrethe in Kattegat zunehmen den Verstand. Die Kinder von Bjorn und Torvi wird sie nicht töten. Wohl weil ihr der Seher verkündet, dass sie nicht Königin wird. Ubbe auch nicht. Doch im Fall von Ubbe fügt der Seher hinzu: "Nicht in Kattegat." Dann attestiert er ihr den kommenden Wahnsinn. Der folgende Satz ist interessant, wenn man bedenkt, dass der Seher in "Vikings" immer kommende Ereignisse ankündigt: "Aber vielleicht werden die Wahnsinnigen die Welt übernehmen."

Familienfehde vergiftet Flokis Kolonie

In Island setzt Hirst den Bruderkrieg der Wikinger geschickt als Vision ein. Das gleiche Schicksal drohe auch Flokis Kolonie, wenn Eyvind und Kjetill nicht von ihrer Blutfehde ablassen. Nachdem in der letzten Folge der Sohn von Eyvind durch die Hand der Sippe von Kjetill getötet wurde, appelliert Floki an Eyvind auf seine Rache zu verzichten. Er bietet ihm sogar die Führung der Kolonie an. Doch wenig später wird Kjetills Sohn tot aufgefunden. Nach einer Predigt von Floki bietet er sich als Menschenopfer für die Götter an, um den ewigen Kreislauf der Rache zu durchbrechen. Es ist immerhin der erste aktive Schritt des Koloniegründers. Es bleibt abzuwarten, ob er damit die Lage in Island entschärfen kann.

Rollo kehrt zurück

In Kattegat läuft nicht alles so nachvollziehbar wie in Island. Vor allem der Charakter von Ivar wird immer eindimensionaler – und das heißt im Endeffekt langweilig: Er scheint sich für unsterblich zu halten. Schön und gut. Aber er scheint es auch zu sein. Ihn treffen keine Pfeile und inzwischen kann er seine Beine ziemlich problemlos nutzen. Ivars übertriebene Darstellung als wahnsinniger, aber charismatischer Führer ist bereits ausgereizt. Wir wissen bereits, was ihn antreibt. Hirst wiederholt es dennoch immer wieder. Auch die Schlacht um Kattegat hat Längen. Keine Frage: Die zweite ist besser inszeniert als die erste Runde. Aber das Gefühl bleibt einmal mehr, dass einfach 20 statt wie bisher nur 10 Episoden mit Handlung gefüllt werden müssen. Solche "Filler-Episoden" gab es in den ersten drei Staffeln nicht. Man könnte auch die Frage stellen, wie realistisch es ist, dass Krieger eine Schlacht überleben, in der sie ständig gedanklich abschweifen. Aber diesen Symbolismus kann man als dramaturgisches Stilmittel akzeptieren. Anders sieht es mit der Logik des Bauernopfers aus: Wieso sollten die Wikinger sich zuerst selbst zerfleischen und erst dann die Frankenarmee ins Feld schicken? Es gibt keine andere Erklärung als den effekthascherischen Showdown der Schlacht.

Angesichts der Übermacht ist Bjorn zum Rückzug gezwungen. Lagertha scheint durch den Verlust von Astrid plötzlich in einer Art Schockstarre. Bjorn befiehlt die Schiffe zu beladen und Kattegat zu verlassen, bevor die Truppen von Ivar und Harald kommen. Doch in der letzten Szene vor der Staffelpause sehen wir, dass Rollo mit einer Flotte in die Bucht von Kattegat einfährt. Seine einzige – nachvollziehbare – Bedingung für die – wenig nachvollziehbare – Unterstützung von Ivar war, das Leben von Bjorn zu verschonen. Das scheint mehr als wahrscheinlich. Unsicher ist jedoch das Schicksal von Lagertha.

Wann es weiter geht, ist noch nicht klar. Aber vor dem Herbst 2018 ist mit der Fortsetzung der fünften Staffel von "Vikings" nicht zu rechnen.

 

Erwin Schotzger