Von heute auf morgen

 D/F 1996
Drama 62 min.
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1996 kehren die Straubs wieder einmal zu Schönberg zurück: Ein Ehepaar kommt von einer Abendgesellschaft nach Hause, und es entspinnt sich ein gelangweilter und eifersüchtiger Streit über den Sinn der Ehe und ihre kleinbürgerlichen Implikationen. Eine Filmstunde voller Dramatik, subtilem Witz und großer schauspielerischer und musikalischer Leistungen. Von heute auf morgen Die wenigsten Menschen machen sich eine Vorstellung davon, wie das in Wirklichkeit aussehen würde, was in Schlagwortform in aller Munde ist. Es geht ihnen wie dem österreichischen Ersatzreservisten, von dem eine Anekdote zu Beginn des Krieges folgendes erzählte: Begeistert vom Schreibtisch zur Kriegsdienstleistung herbeigeeilt, gerät er mit seiner Abteilung an einen Wald, aus dem in den Bäumen nistende Russen feuerten. Entsetzt brüllt er sie an: «Ja, was ist denn das? Was fällt Ihnen denn ein zu schießen? Sehen Sie nicht, daß da Leute gehen? Da kann ja das größte Unglück geschehen.» Er hatte sich den Krieg so vorgestellt, wie eine feldmäßige Übung verläuft! Er war begeistert, weil er von der Wirklichkeit keine Vorstellung hatte! Wieviel Böses bliebe ungeschehen im Leben, in der Politik, in der Kunst, in allen privaten Dingen, besäße jeder eine Vorstellung von der Wirkung, vermöchte der Politiker zum Beispiel sich die vorzustellen, die er zu erschlagen empfiehlt, sähe der Chef die Wirkung einer Entlassung, der Angestellte die Folgen einer Unterlassung. Wie harmlos im Verhältnis die Schlagworte der Mode sein mögen, wie unwichtig es ist, sich vorzustellen, wie man mit einer breiten oder schmalen Krawatte, engen oder weiten Hose, langem oder kurzem Haar oder Kleid aussieht denn man ist ja durch die Mode gedeckt, und die nächste bringt wieder anderes , so bedenklich wird es, wenn modische Schlagworte an den Fundamenten des privaten Lebens rühren: am Verhältnis der Geschlechter, an der Ehe: Denn die nächste Mode bringt wieder anderes. ...(Arnold Schönberg)

(Text: Viennale 2004)

Details

Richard Salter (Mann), Christine Whittlesey (Frau), Annabelle Hahn (Kind), Claudia Barainsky (Freundin), Ryszard Karczykowski (Sänger)
Daniele Huillet, Jean-Marie Straub
William Lubtchansky, Irina Lubtchansky, Marion Befve
Danièle Huillet und Jean-Marie Straub

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