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Filmkritiken
03/29/2018

"Vor uns das Meer": Die erfundene Weltumsegelung

Colin Firth gerät im packenden Seefahrer-Drama an seine Grenzen.

Großbritannien 1968. Die Welt befindet sich durch Studentenbewegungen und Weltraummissionen im Umbruch. Als der mäßig erfolgreiche Geschäftsmann und Hobby-Segler Donald Crowhurst ( Colin Firth) von einem Segelwettbewerb in der Zeitung liest, fühlt er sich berufen mitzumachen. Sein Ziel ist es, die Welt mit einem Einhandsegler ohne Zwischenstopp zu umsegeln. Die erfahrensten Segler der Welt stehen an der Startlinie, doch Crowhurst glaubt daran, mit ihnen mithalten zu können. Er verpfändet sein gesamtes Hab und Gut für die Konstruktion eines Trimarans. Seine Familie und der ganze Ort sind bei seiner Abfahrt dabei. Ein Spektakel, das für Crowhurst schnell zum Alptraum wird. Der unerfahrene Segler muss sich alleine gegen das raue Meer zur Wehr setzen und stößt dabei auf seine Grenzen.

Wahre Geschichte

Vor uns das Meer“ beruht auf der wahren Lebensgeschichte von Donald Crowhurst. Das tragische Schicksal des Hobby-Seglers steht eng in Verbindung mit gesellschaftlichen und medialen Erwartungen. Vor seiner Weltumsegelung unterschrieb der Brite einen Vertrag mit der BBC um ihnen Live-Bilder von seinem Alltag auf hoher See zu schicken. Als Crowhurst erkennt, dass er sein Ziel nicht erreichen wird, gerät er in ein Dilemma. Die Rückkehr würde seinen Ruin bedeuten. Er beschließt, falsche Koordinaten anzugeben und täuscht mit seinen Rekordzeiten die ganze Welt. Als sich das Rennen dem Ende neigt, muss er eine unmögliche Entscheidung treffen.

Körperliche Grenzen

Colin Firth, der bereits einen Oscar für seine Performance in „The King’s Speech“ erhielt, zeigt auch hier die ganze Bandbreite seines Könnens. Dabei ist nicht nur seine emotionale Versiertheit beeindruckend sondern auch seine körperliche Hingabe für die Rolle. Abgemagert kämpft der britische Starschauspieler gegen die meterhohen Wellen an und schafft es, trotz der wenigen Dialoge uns zu berühren. Mit einem Kinostart im Winter wäre vermutlich sogar eine Oscar-Nominierung für Firth möglich gewesen. In den Nebenrollen brillieren die stets überzeugenden Rachel Weisz und David Thewlis.

Berührend

Die Handlung schafft den Spagat zwischen bildgewaltigem Seefahrer-Thriller und berührendem Familiendrama. Die Familiengeschichte von Crowhurst wird in Rückblenden aufgerollt und driftet trotz großer Emotionalität nicht in Kitsch oder ein klischeehaftes Familienidyll ab. Ein packendes Drama mit berührenden emotionalen Höhepunkten.

7 von 10 Seglern

Özgür Anil