35 Rum

 F/D 2008

35 Rhums

Drama 01.01.2010 100 min.
7.10
35 Rum

Claire Denis erzählt uns von alltäglichen Dingen in einem Pariser vorort und verzichtet gänzlich auf Stereotypen.

Lionel (Alex Descas) ist Fahrer einer RER-Schnellbahn. Er zieht seine Tochter Joséphine (Mati Diop) seit ihrer frühesten Kindheit alleine groß. Heute ist sie eine junge Frau. Sie leben Seite an Seite, fast wie ein Ehepaar, und übersehen die Avancen der einen und die Sorgen der anderen. Für Lionel zählt nur seine Tochter und für Joséphine nur ihr Vater.

Allmählich wird Lionel klar, dass die Zeit - sogar für sie - vorbei ist. Und dass es vielleicht an der Zeit ist, sich zu trennen.

Was diesen Film so besonders macht, ist die Tatsache, dass Denis gänzlich auf Stereotypen verzichtet. Ihr Pariser Vorort ist keine der üblichen Immigranten-Enklaven, in denen Kriminalität, Rassismus, Armut, Arbeitslosigkeit und Drogen das Bild bestimmen. Die Menschen hier führen ein ganz normales Leben; die Aufzüge in den grauen Betonbauten funktionieren, die Treppenhäuser sind sauber und die Wohnungen gepflegt. Es ist vielleicht das erste Mal in der Filmgeschichte, dass diese trostlose Umgebung nicht nur als bewohnbar dargestellt wird, sondern auch als ein Ort, an dem es menschliche Wärme und soziale Bindungen gibt.

Details

Alex Descas, Mati Diop, Nicole Dogue, Grégoire Colin, Jean-Christophe Folly, u.a.
Claire Denis
Tindersticks
Agnès Godard
Claire Denis, Jean-Pol Fargeau
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Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Einmal im Leben
    Regisseurin Claire Denis hat schon öfter den Alltag von farbigen Immigranten in Frankreich thematisiert. Es sind die kleinen und großen Dramen der ’kleinen Leute’, die sie interessieren. Hier geht es um eine innige Vater-Tochter Beziehung (Lionel und Josephine), die sehr einfühlsam und mit wenigen Worten geschildert wird. Hier gibt es jede Menge Gesten, die genauso viel Aussagekraft besitzen wie Worte: eine Umarmung, ein Händedruck, ein Blickkontakt. Und weil die Figuren so schweigsam sind, erfahren wir auch nicht im Voraus, was sie vorhaben. Die langen Einstellungen überbrücken die Lücken in der Handlungsführung. Man braucht sie allerdings, um sich zurecht zu finden, die handelnden Personen und die örtlichen Gegebenheiten einzuordnen. Oder Szenen werden ohne die Antwort auf eine Frage abzuwarten, plötzlich abgebrochen. Lionel verschwindet nach dem Tanz in einer Bar. Jeder weiß, wie er die Nacht verbringt. Gegen Ende werden die Handlungstupfer immer häufiger, immer öfter werden wir zu gedanklichen Kombinationen gezwungen: eine Frau (die einzige Weiße!), die über die Familie philosophiert, ein Grab, Josephine in weiß etc.
    Man muss sich viel Zeit nehmen. Lange Zugfahrten verdeutlichen Lionels Job. Und wenn das Motorrad mal durch ein Pferd ersetzt wird, erinnert der Ritt vielleicht an die afrikanische Herkunft der Reiter?! Die ungewöhnliche Machart fällt aus dem Rahmen, ein Wink mit dem Arthouse-Zaunspfahl ist nicht zu übersehen, trotz des trinkfesten Titels. Selten aber gut!