Ab morgen wird sich alles ändern 2

 
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Ein «Home movie», in dessen Mittelpunkt Frau Eva Fabrick steht, die in der österreichischen Nachkriegszeit von einer Karriere in Hollywood träumt. Mama kontrastiert diese Traumwelt mit ihrem Hausfrauenalltag und kombiniert dabei Amateurfilme der Familie mit inszenierten Passagen, welche die Mutter in Star-Posen zeigen. Diese Mischung aus Interviews und sehr intimen Momentaufnahmen ergibt eine dokumentarische Form, die in Österreich bis heute rar geblieben ist. Wochenend und Ab morgen wird sich alles ändern sind Diplomfilme: Ersterer entstand 1982 an der Hochschule für Film und Fernsehen in München, der zweite im selben Jahr an der Wiener Filmakademie. Sowohl Wolfram Paulus als auch Andreas Gruber konzentrieren die Spielhandlung auf ein Wochenende, wählen die fiktionale Form, um einen Lebensabschnitt - die Adoleszenz - und ein damit einhergehendes Gefühl in Bildern und Tönen erfahr- oder spürbar zu machen, wenngleich in ganz unterschiedlicher Form. Während Paulus seine Hauptfigur, den liebesverschmähten Grundwehrdiener Franz Biberger, in einem verschneiten Bergdorf sukzessive isoliert, taucht Gruber eine Gruppe von jungen Frauen und Männern, die in der oberösterreichischen Kleinstadt Wels das Ausbrechen aus dem Stillstand proben, in warmes Sommerlicht. Was bei Paulus klare, schnörkellose Stillleben, eine mitunter asynchrone Tonspur und der oftmalige Einsatz von neorealistisch wirkendem Licht leisten, sind bei Gruber neckisch inszenierte (Jugend-)Posen und ein Soundtrack, der auf die 60er Jahre referiert. Die Musik ist es auch, die bei Ab morgen wird sich alles ändern als eine erzählerische Instanz agiert und Gefühle oder Hoffnungen formuliert: So tönt schon zu Beginn aus dem Autoradio der Radiosender Ö3 mit der Nummer «California Dreaming» von The Mamas and The Papas, die auch mit «Monday Monday» den Film abschließen. Beiden Filmen gelingt es mit relativ einfachen Mitteln eine Zeitstimmung einzufangen, ein Lebensgefühl einer Generation zu archivieren oder einfach nur einer persönlichen Haltung gegenüber einem Lebensabschnitt Ausdruck zu verleihen. (Dietmar Schwärzler)

(Text: Viennale 2006)

Details

Albert Paulus, Manfred Gratz,Andreas Gruber, Waltraud Spannbauer, Walter Oczlon, Michi Viehhauser, Sepp Gschwandtl, Max Hutlegger
unknown
Moritz Gieselmann, Hermann Dunzendorfer
Andreas Gruber

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