Antonias Welt

 Belgien/GB/NL 1995

Antonia

Tragikomödie 102 min.
7.50
film.at poster

Die stattliche Antonia wächst mit Tatkraft und Mutterwitz bald in die Rolle eines Familienoberhaupts hinein.

1945. Anonia kehrt mit ihrer halbwüchsigen Tochter Danielle in das besatzungsgezeichnete holländische Dorf zurück, um ihre Mutter zu beerdigen und Landfrau zu werden. Die stattliche Antonia wächst mit Tatkraft und Mutterwitz bald in die Rolle eines Familienoberhaupts hinein.

Marleen Gorris entwirft ein weibliches Utopia, das matriarchalische Züge hat, das aber nicht von Amazonen mit Medusenhäuptern oder Widerstandskämpferinnen regiert wird, sondern von hedonistischen, tatkräftigen Frauen, die alle ihre Sinne gebrauchen.

Marleen Gorris hat für ANTONIAS WELT als erste Frau den Oscar für den besten ausländischen Film erhalten. Vielleicht auch dafür, daß alles so aussieht wie im Märchen, in Wirklichkeit ist es intelligent verpacktes Ideenkino, das ein neues Genre begründet: den magischen Feminismus.

Text: Marli Feldvoß, epd Film

Details

Willeke Van Ammelrooy, Els Dottermans, Jan Decleir, Marina De Graaf u.a.
Marleen Gorris
Marleen Gorris

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Vier Generationen
    Eigentlich ist es der letzte Tag im Leben von Antonia (Willeke van Ammelrooy) (‘Es wird Zeit, dass ich sterbe.‘). Doch dann versinkt sie in Erinnerungen an ihr erfülltes Leben. Drei Generationen von Mädchen folgten ihr nach. Die Männer spielen nur eine untergeordnete Rolle (als Erzeuger) oder sind gar Bösewichte (als Vergewaltiger) wie Pitte (Filip Peeters). Einziger Lichtblick ist hier der Bauer Sebastian (Jan Decleir). Als er um Antonias Hand anhält, antwortet sie ‘Meine Hand kriegen sie nicht, - aber den Rest.‘
    Diese mit viel Empathie und Humor gestaltete Dorf- und Familiensaga hat aber auch noch Platz für ernste Facetten, besonders gegen Ende, wenn es ans Sterben geht oder die Dorfgemeinschaft Selbstjustiz übt. Aber vorher können wir uns noch an den herrlich schrägen Dorftypen erfreuen wie ‘Krummer Finger‘, ‘die verrückte Madonna‘ oder ‘Lippen Willem‘. Und Tochter Danielle (Els Dottermans) hat die künstlerische Gabe Grabfiguren oder Jesus am Kreuz animationsmäßig in Bewegung zu sehen oder ihre lesbische Liebe, die Dorfschullehrerin, als schaumgeborene Venus von Botticelli. Ebenso bemerkenswert ihre Schwangerschaft: sie will ein Kind, aber keinen Ehemann. Dazu besucht sie mit Mutter Antonia ein ‘Heim für gefallene Mädchen‘. ‘Die stehen nicht mehr auf.‘
    Lyrische Kommentare aus dem Off bilden gute Überleitungen zur Handlung: ‘Selbstzufrieden pflanzte die Zeit sich fort, ohne jemals etwas anderes als sich selbst zu gebären.‘
    In diesem Dorf herrschen die Frauen, aber nicht unbedingt gegen die Männer, sondern mit ihnen. Grotesk agiert die Gemeinschaft gemeinsam: alle lieben sich gleichzeitig und manche sterben nacheinander. Aber die Toten kehren wieder, still und unaufdringlich. Rundum genial und zu Recht oscarprämiert.