Filmkritiken
08/29/2018

"Bad Spies": Unfreiwillige Agentinnen auf Europatrip

Mila Kunis und Kate McKinnon unternehmen als 007s unerfahrene Schwestern eine chaotische Reise durch Europas Metropolen.

"The Spie who Dumped me" lautet der Originaltitel und erweckt zunächst einmal hohe Erwartungen, denn immerhin beruft sich dieser Film offensichtlich auf einen etwas verballhornten 007. Wir stellen uns somit auf eine Agentenparodie ein, die es mit der obersten Liga der Top-Spione aufnehmen wird. Dieses Versprechen können die beiden weiblichen Stars Mila und Kate McKinnon dann doch nicht halten.

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Massaker in der Wiener Konditorei

Als der Ex-Freund (Justin Theroux) von Audrey (Kunis) wieder auftaucht, steckt er in echten Schwierigkeiten, was die junge Frau aber gar nicht wundert, denn sie hat kurz zuvor erfahren, dass er ein internationaler Agent ist. Gemeinsam mit ihrer Freundin Morgan versucht die junge Frau nun einen ihr anvertrauten USB-Stick mit wichtigen Informationen ans Ziel zu bringen und tritt eine atemlose Reise durch verschiedene europäische Hauptstädte an. Die erste Station ist ausgerechnet Wien. Dort wird eine vornehme Konditorei in einen Scherbenhaufen verwandelt und mit Leichen garniert (Regisseurin Susanna Fogel inszeniert erstaunlich brutale Kampszenen), danach gibt es eine Verfolgungsjagd durch die Straßen der Stadt und schon geht die Reise weiter.

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Schematische Handlung

Doch an jedem neuen Schauplatz läuft alles genau nach demselben Schema ab: zuerst bekommen wir ein paar Postkartenmotive präsentiert und zu Sicherheit wird auch noch den Namen der jeweiligen Metropole eingeblendet, dann stürzen sich unsere Nachwuchsagentinnen ins Geschehen, suchen einen Treffpunkt oder ein angeblich sicheres Versteck auf, erleben dort eine böse Überraschung und alles gipfelt in einer großen Auseinandersetzung, wobei sie fast immer mit männlicher Unterstützung rechnen dürfen. Vor allem Agent Sebastian (Sam Heughan) ist in dieser Hinsicht recht aktiv und scheint sich als würdiger Ersatz für Audreys Ex anzubieten.

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Gute und böse Frauen

Damit es nicht bloß üble Jungs gibt, wird zumindest eine würdige Gegnerin präsentiert: Ivanna Sakhno - wie Kunis in der Ukraine geboren - spielt eine psychopathische Killerin mit akrobatischen Fähigkeiten und Freude am Foltern. Auf Seiten der Guten bekommen wir hingegen Gillian Anderson als unterkühlte Geheimdienstchefin zu sehen: selbst bei hitzigeren Unterhaltungen verzieht sie keine Miene und bleibt unbeweglich, weshalb ihre Untergebenen anlässlich einer Videokonferenz sogar glauben, das Bild sei eingefroren.

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Derber Humor

Sobald es in einer derben US-Komödie darum geht, irgendeinen kleineren Gegenstand gut zu verbergen, wenden Männer vom Schlag eines Seth Rogen bevorzugt ein rektales Versteck an (zuletzt besonders schmerzhaft in "The Interview" praktiziert).  Da diesmal Frauen an der Reihe sind, verfügen sie über einen anderen naturgegebenen Hohlraum und Mila Kunis darf diesen Gag breit ausführen. Für ein paar wirklich witzige Momente sorgt aber höchstens die Dauerrednerin Kate McKinnon, wenn sie in Miniszenen, die an einen ihrer Auftritte bei Saturday Night Live erinnern, komische Einlagen liefert; und im Finale erweist sie sich zudem noch als Trapezkünstlerin.

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Hauptsache Kunis

Eine überzeugende Story ist hier kaum vorhanden. Stattdessen überbietet sich das Drehbuch darin, eine unglaubwürdige Wendung an die andere zu reihen: man weiß nicht, wem man trauen soll und alle paar Minuten stellt sich heraus, dass ein vermeintlicher Helfer eigentlich für die Gegenseite arbeitet oder ein Totgeglaubter taucht wieder auf. Das übt in seiner wiederholungsreichen Vorhersehbarkeit einen ziemlichen Ermüdungseffekt aus, aber vermutlich ist für viele Kinobesucher die Handlung sowieso nur Nebensache, weil sie sich den Film in erster Linie anschauen, um Mila Kunis zu sehen – und dabei werden sie in knapp zwei Stunden voll auf ihre Kosten kommen.

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franco schedl

Bad Spies

— The Spy Who Dumped Me

Zwei Freundinnen werden in eine Spionageaffäre hineingezogen und fliehen Hals über Kopf quer durch Europa.