Biùtiful cauntri

 I 2008
Dokumentation 79 min.
7.40
film.at poster

Die Müllberge stinken zum Himmel. Zehntausende Tonnen Abfall türmen sich in den Straßen der süditalienischen Region Kampanien. Viele Menschen gehen nicht mehr ohne Atemschutz aus dem Haus. Was wie ein Horrorszenario anmutet, ist ein Problem, mit dem Neapel seit mehr als vierzehn Jahren zu kämpfen hat. Im Dezember vergangenen Jahres eskalierte die Situation, wütende Anwohner zündeten die brennenden Müllberge in Neapels Straßen an, es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Ministerpräsident Berlusconi machte den Müll zur Chefsache: In dreißig Monaten soll das Problem gelöst sein. Biùtiful cauntri lässt daran zweifeln, dass zweieinhalb Jahre dafür ausreichen. Die Regisseure Esmeralda Calabria und Andrea D'Ambrosio begleiten den italienischen Umweltaktivisten Raffaele del Giudice, der als Präsident von Legambiente gegen die sogenannte Ecomafia kämpft, auf Spurensuche in Kampanien. Sie finden brennende Reifen am Straßenrand, tote Lämmer auf den Weiden und Asbestschutt im Gebüsch. Ein Obstbauer wischt die Staubschicht von seinen viel zu kleinen Aprikosen, ein Schafzüchter verdrückt eine Träne im Augenwinkel, als der Schlachter seine ganze Herde abholt. «Wir sterben wie die Fliegen», ist ein Einheimischer im Film zu hören. Dennoch lehnt ein Großteil der Bevölkerung den Bau neuer Mülldeponien und Verbrennungsanlagen ab. Nicht nur Anwohner und Umweltschützer wehren sich gegen die von der Regierung geplanten Verbrennungsanlagen, sondern auch die Camorra. Die Erlöse aus dem Müllgeschäft sind Experten zufolge die zweitgrößte Einnahmequelle der Clans nach dem Drogenhandel: «Für uns bedeutet der Müll pures Gold», zitieren italienische Zeitungen die Clanchefs. Und die Camorra organisiert tatsächlich die Abfallentsorgung im großen Stil. (Carolin Gasteiger)

(Text: Viennale 2008)

Details

E. Calabria / A. D'Ambrosio / P. Ruggiero
Valerio Camporini Faggioni, Guido Zen
Allesandro Abate
Esmeralda Calabria, Andrea D'Ambrosio, Peppe Ruggiero

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