Boatman

 Indien/I 1993
Dokumentation 55 min.
8.20
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Gedreht in Benares am Ganges, dem heiligen Fluss der Hindus, hält Boatman die einzigartige Atmosphäre dieses bizarren Ortes fest, der sowohl von Indern als auch von Touristen aus aller Welt besucht wird. Indem er die heilige Stätte als Mikrokosmos einsetzt, erzählt der Film von den Menschen, die hier leben und arbeiten, den verschiedenen Ritualen und Zeremonien, die befolgt werden, aber auch von den Touristen, die Jahr für Jahr in Scharen hierher strömen. Jeden Tag werden unzählige Körper am Flussufer eingeäschert oder einfach im Wasser versenkt. In einem der aufschlussreichsten Momente des Films sieht man etwa einen Jungen, der sein Fahrrad wäscht, während neben ihm der Körper eines Bettlers ins Wasser geworfen wird, weil dessen Einäscherung zu teuer wäre. Und es sind stets Menschenmassen im Fluss, die baden, beten, das heilige Wasser trinken. Im Mittelpunkt des Films steht Gopal, der charismatische Bootsführer, der gleichzeitig Protagonist und Erzähler ist. Während die verschiedensten anderen Charaktere nur flüchtig auftauchen, verleiht Gopals Anwesenheit dem Film eine Einheit und einen konstanten Bezugspunkt. Sein fortlaufender Kommentar - darunter auch Geschichten darüber, wie Touristen von den Einheimischen betrogen und manipuliert werden - gibt Boatman eine humorvolle Note. (Emanuel Levy) Auch in den Straßen ist der Tod allgegenwärtig. Doch die meiste Zeit befindet sich die Kamera an Bord des Bootes, und so ist man auch als Zuschauer nahezu immer buchstäblich im Fluss des Geschehens: Wir schwimmen an Menschen und Gegenständen vorbei. Besonders beeindruckend wirkt eine Fahrt, bei der man das Ufer und einen großen im Wasser liegenden Holzstapel umschwimmt. Im Hintergrund thronen die Tempel, während im Vordergrund das Holz, das zur Verbrennung der Leichen benutzt wird, an uns vorüberzieht. Inmitten der Fahrt entleert ein unsichtbarer Arbeiter direkt vor uns einen Eimer Wasser, jedoch schwimmt die Kamera daran vorbei. Der Blick wird nicht aus der Ruhe gebracht, sondern die Kamera nimmt den Zuschauer fließend mit sich. (Konrad Licht)

(Text: Viennale 2009)

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Gianfranco Rosi
Gianfranco Rosi
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