Filmkritiken
01.03.2018

"Call Me by Your Name": Liebesdrama mit Oscar-Chancen

Der Romanverflimung werden ähnliche Außenseiterchancen wie dem letztährigen Oscar-Abräumer "Moonlight" zugesprochen.

Norditalien 1983. Der 17 jährige Elio (Timotheé Chalamet) verbringt seine Sommerferien mit seinen Eltern auf ihrem Landhaus in der nähe des Gardasees. Als der 24 jährige amerikanische Student Oliver (Armie Hammer) anreist, um bei Olivers Vater sein Doktorat abzuschließen, entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden. Der gutaussehende Oliver wird in kürzester Zeit zum Frauenschwarm im kleinen Dorf. Elio hingegen tut sich in dieser Hinsicht schwer, er kann und will keinen Anschluss an die anderen Jugendlichen in der Nachbarschaft finden. Langsam entwickelt sich zwischen Oliver und Elio eine Liebesbeziehung, die für beide unvergesslich bleiben wird.

Independent-Film

Call Me by Your Name“ gehört neben „The Florida Project“ zu den großen Indie-Filmüberraschungen des Jahres. Die 3.5 Millionen Dollar Produktion feierte seine Weltpremiere am Sundance Filmfestival und war in Europa erstmals in der Panorama Sektion der Berlinale zu sehen. Langsam aber sicher mauserte sich das Liebesdrama vom Geheimtipp zum Kritiker- und Publikumsliebling und ist inzwischen für vier Oscars nominiert.

Ungewöhnlicher Erzählstil

Die Liebesgeschichte besticht durch ihren unkonventionellen Erzählstil und eine großartige Besetzung. Elio und Oliver stehen nicht vor einem Konflikt der gelöst werden muss oder einem Unheil, das sie abwenden müssen, sie verbringen einfach den Sommer zusammen. Im ersten Drittel irritiert diese Herangehensweise von Regisseur Guadagnino, doch wer sich der wunderbaren Atmosphäre hingibt, für den ist „Call Me by Your Name“ ein beeindruckendes Kinoerlebnis. Mit 133 Minuten ist er jedoch stellenweise zu langatmig und lässt die behaupteten emotionalen Spannungen oft vermissen.

Top-Besetzung

In den Hauptrollen sind „The Social Network“-Star Armie Hammer und Newcommer Timotheé Chalamet zu sehen. Die Beiden sehen mit ihren bunten Badehosen und großen Sonnenbrillen aus, als wären sie direkt einem Tommy Hilfiger Katalog entsprungen. Das Duo harmoniert wunderbar vor der Kamera, auch wenn der große Altersunterschied (Hammer 32, Chalamet 22) für Diskussionsstoff in den USA sorgte. Chalamet ist ab April auch in Greta Gerwigs Oscar-nominiertem Regiedebut „Lady Bird“ zu sehen und ist jemand, von dem wir bestimmt noch öfters hören werden.

Oscar-Chancen

Am wahrscheinlichsten ist der Oscar für „Call Me by Your Name“ in der Kategorie beste Musik. Der amerikanische Singer-Songwriter Sufjan Stevens produzierte für den Film die Songs „Mystery of Love“ und „Visions of Guideon“. Stevens setzte mit seinem letzten Album „Carrie and Lowell“ neue Maßstäbe für Solo-Künstler und schafft es auch hier, die richtigen Töne zu treffen.

Auch wenn „Call Me by Your Name“ nicht an Meisterwerke wie „Blau ist eine warme Farbe“ herankommt, kann die Romanverfilmung vor allem durch die Top-Besetzung punkten.

8 von 10 löchrigen Pfirsichen

Özgür Anil