City Of Borders

 USA/Israel 2009
Dokumentation 66 min.
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Die erste und einzige Queer-Bar Jerusalems hieß Shushan. Von 2003 bis 2007 bot sie einen Raum, in dem Menschen einander begegnen konnten; jenseits der von sexueller Orientierung, ethnischer und/oder religiöser Zugehörigkeit errichteten Schranken. Die Bar und einige ihrer Stammgäste sind Gegenstand von Yun Suhs City Of Borders, der die Bedeutsamkeit dieses einen Freiraumes zum Anlass nimmt, um die sichtbaren und unsichtbaren Grenzen in und um Jerusalem auszuloten. Der Muslim Boody zum Beispiel lebt in Ramallah und kämpft sich bei Anbruch der Dunkelheit durch Stacheldraht und Absperrungen, um im Shushan ein paar unbeschwerte Stunden erleben zu können. Die Palästinenserin Samira und die Jüdin Ravit wiederum bilden ein Paar, dessen bloße Existenz gleich zwei Tabus bricht: das der gleichgeschlechtlichen Liebe und das der Beziehung zwischen Juden und Arabern. Auch Sa'ar Netanal, der Betreiber des Shushan, sieht sich nicht nur als erstes offen schwules Mitglied der Jerusalemer Stadtverwaltung zahlreichen Anfeindungen ausgesetzt. Sein Aktivismus bringt ihn zudem in Konflikt mit der Gay Community Israels, die darin eine unnötige Provokation der Orthodoxen sieht. Im Hass vereint finden währenddessen jüdische, moslemische und christliche Fundamentalisten zu einer unwahrscheinlichen Allianz und organisieren Protestmärsche gegen das queere «Sodom und Gomorrah» innerhalb der Stadtmauern. City Of Borders zeigt Jerusalem als Minenfeld und als Frontstadt; als einen Ort, an dem der Kampf einer kleinen Gemeinschaft um ihr Recht auf Selbstbestimmung auf besondere Schwierigkeiten stößt, weil er inmitten eines umfassenderen Konfliktfeldes stattfindet. Quer zu den Streitereien zwischen den drei großen Religionen und quer zum Kampf zwischen Israel und Palästina existierend, wirkt das queere Leben in Jerusalem wie ein Katalysator, das Brüche ebenso wie Brücken sichtbar macht. Verankert nicht in abstrakten Konzepten, sondern im Leben einzelner, verwundbarer Menschen. (Alexandra Seitz)
(Text: Viennale 2009)

Details

Yun Suh
Shranny, Musa Hanhan, Jonathan Zalben, Ronen Landa
Karin Thayer, Robin McKenna
Yun Suh

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