Couch

 USA 1964
Independent, Avantgarde 59 min.
5.50
film.at poster

Couch wurde über Monate hinweg mit zufälligen Besuchern der Factory gedreht. Bindendes Moment der Zeitpartikel ist die große, alte Couch inmitten der Factory, East 47th Street.

Whats pornography anyway? The muscle magazines are called pornography, but theyre really not. They teach you how to have good bodies. Theyre the fashion magazines of Forty-second Street I think movies should appeal to prurient interests Hollywood films are just planned-out commercials. Couch was real. But it wasnt done as pornography it was done as an exercise, an experiment. But I really do think movies should arouse you, should get you excited about people, should be prurient. Andy Warhol Couch ist neben Blow Job und Empire einer der mythischsten Warhol-Filme: Es wurde viel über ihn geredet, ohne dass man ihn je gesehen hätte. Es lässt sich unmöglich sagen, ob die Reihenfolge, in der ich ihn gesehen habe, irgendeiner Originalanordnung entspricht. Das Paradox des Originals in einem Reich der Kopien: die Welt, wie Warhol sie sieht. In diesem Film sind die sexuellen Akte explizit. Dennoch handelt es sich um keinen pornografischen Film, die Aufnahmen sind nicht so geartet. Jeder Filmrolle entspricht eine Einstellung des Sofas, das man ganz oder teilweise sieht. Diese Art der Aufnahme spielt mit dem privilegierten Begriff des Off. Links von der Couch ist ein Bild der berühmten Blumen zu sehen. Der Film präsentiert uns eine Palette von Darstellungen, die bis dato aus dem Hollywoodkino verbannt waren. Er inszeniert die Tabus der damaligen Zeit, er bietet eine direktere Sichtweise der homosexuellen Liebe, als sie Jean Genet in Un chant damour (der poetischen Umsetzung einer Fantasie zwischen einem Häftling und seinem Wärter) und Jack Smith in Flaming Creatures bisher angeboten hatten. Hier werden die Akte gezeigt und nicht nur angedeutet. Es wird alles gefilmt, aber nichts bevorzugt. Es wird nur das gefilmt, was im Blickfeld der Kamera ist. Wenn etwas sich an der Grenze, am Bildrand abspielt, oder wenn jemand ins Bild kommt und es verdeckt, gehört das dazu. Zufälle werden bei Warhol ebenso akzeptiert, wie sie bei Smith willkommen waren. Nichts wird privilegiert, nicht einmal das, was gefilmt wird. Das ist der Punkt, in dem Warhols Kino irritiert. Alles ist möglich in dieser Phase, in der es keinen Drehbuchautor gibt. Es ist anzunehmen, dass das Aufstellen einer Kamera vor der Couch den Exhibitionismus der Mitglieder der Factory anspornte, aber niemand hatte die Gewissheit, beim Herumtollen auch gefilmt zu werden. Durch die unbestimmten Spielregeln durchkreuzt Warhol ebenso sehr unsere Erwartungen wie die seiner «Schauspieler». Während man gerne mehr sehen möchte, bleibt die Kadrierung unverändert, der Film wird dunkel, eine andere Handlung setzt ein. Passiv die Erwartungen durchkreuzen, so könnte eine Devise von Warhols Kino lauten. Etwas zeigen, um es umso besser zu verbergen. Yann Beauvais, «Andy Warhol, Cinema», Paris 1990 Übersetzung von Petra Metelko

(Text: Viennale 2005)

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