Das Schwein von Gaza

 F/B/D 2011

Le cochon de Gaza

Komödie 03.08.2012 98 min.
7.00
Das Schwein von Gaza

Der Film zeigt die Ironie des alltäglichen Lebens in Palästina zwischen israelischer Unterdrückung und islamischem Extremismus.

Eine Komödie über Jafaar, einen palästinensischen Fischer, der ein lebendiges Schwein aus dem Wasser zieht und nun verzweifelt versucht, dieses wieder loszuwerden. Denn Schweine gelten in Gaza als unreine Tiere und sind mehr als
unerwünscht - darin sind sich die jüdische und die palästinensische Bevölkerung ausnahmsweise
einig.

Der vom Pech verfolgte Fischer Jafaar steht i stellvertretend für das kleine
Volk des Gazastreifens, das im Spannungsfeld zwischen alltäglichen Sorgen des Überlebens, den
Zwängen des israelischen Militärs und dem Diktat der islamischen Fundamentalisten lebt.
Mit viel
Einfallsreichtum, beißendem Witz und Feingefühl für die brisante Situation schickt der französische
Journalist und Schriftsteller Sylvain Estibal in seinem Regiedebüt Jafaar und sein Schwein auf eine
ebenso köstliche wie irrwitzige Odyssee durch den Gazastreifen. Entstanden ist erfrischendes Kino
aus dem Nahen Osten, das sich mit Intelligenz und Humor dem ebenso schwierigen wie sensiblen
Thema nähert und mit einem Stück Hoffnung auf Frieden endet.

Details

Sasson Gabai, Baya Belal, Myriam Tekaïa u.a.
Sylvain Estival
Aqualactica, Boogie Balagan
Romain Winding
Sylvain Estibal
Thimfilm

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Die arme Sau
    Die Grundsituation ist eine gute Ausgangslage für eine pralle Komödie. Jafaar (Sasson Gabay von ‘Der Band von nebenan‘) ein armer palästinensischer Fischer hat eines Tages ein Schwein im Netz. Sein ‘Big‘, wie er es nennt, weil er fließend Englisch spricht, will er notgedrungen an die Israelis verkaufen. Er macht Geschäfte mit der israelischen Siedlerin Yelena (Myriam Tekaia) durch den Maschendrahtzaun, der er das Sperma des Ebers verkauft. Wenn keins zur Hand, geht es auch mit dem eigenen. Da ist jede Menge Situationskomik drin. Und oberflächlich betrachtet ist das auch alles saukomisch. Aber je mehr man vom Alltag in bewachten Gazastreifen mitbekommt, desto skurriler wird die Lage. Der israelische Militärposten auf Jafaars Dach z.B. oder der Soldat , der zwecks Potenzsteigerung das Zeug trinkt.
    Wenn Jafaar zum Selbstmordattentäter mutiert, wird es wieder realistisch. Auch wenn der Anschlag misslingt wird er zum Märtyrer. Bei der Suche nach dem Schwein (inzwischen zur Tarnung in ein Schafsfell gehüllt) gehen Israelis und Palästinenser gemeinsam eine Grenzlinie entlang. Beide Seiten verabscheuen das unreine Tier. Das Ende ist wieder visionär: Jafaar, seine Frau und Yelena machen eine Bootsfahrt in ein fernes Land und gehen doch wieder in Gaza an Land. Ein gemeinsamer Tanz mit Kriegskrüppeln und einem hoffungsvollen Gedicht bilden den Schluss: ‘Die Zukunft ähnelt dieser Nacht. Gemeinsam brechen wir einen neuen Himmel auf‘.‘ Das ist leider ganz weit weg von der Realität. Leider. Eindrucksvolle Einsichten in den Alltag in Gaza mit Grenzsituationen, die Jafaar in der Manier des braven Soldaten Schwejk meistert.
    Trotz oder wegen der Komik so informativ und wichtig!


  • sehr sehenswert. Der Film ist nicht nur phasenweise lustig, sondern zeigt auch die starken sozialen Zwänge und die wirklich schwierigen Lebensbsedingungen auf. Beeindruckt hat mich besonders der Hauptdarsteller, dessen Rolle sehr herzlich und menschlich angelegt ist und sehr überzeugend gespielt wird. Selbst unter ausweglos erscheinenden Situationen gibt er nicht auf und versucht immer wieder eine Lösung zu finden. Wenn die Armut und Tristesse in Gaza nur halb so schlimm ist wie im Film dargestellt, dann würden die Leute bei uns hier unter solchen Umständen völlig verzweifeln oder durchdrehen.