Das Haus (1984)

 DDR 1984
Dokumentation 55 min.
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Das Haus/1984 ist, wie die ein Jahr später produzierte Arbeit Volkspolizei, ein Unikum: ein Film, der - jenseits der strengen, staatlichen Repräsentations- und Zensurpolitik - ungeschönt das Leben in der "Amtsstube DDR" vorführt. Heise und sein Kameramann Peter Badel drehten, kaum legitimiert, aber mit Duldung der Behörden, unter dem Projekttitel "Wie redet Staat mit Bürger" eine Woche lang im sogenannten Berolinahaus, dem Sitz des Bezirksamts Berlin-Mitte. Das Haus dokumentiert den Parteienverkehr in den verschiedenen Abteilungen im Gestus des direct cinema: keine Interviews, größtenteils statische, auf Schwarzweiß-Material mit Direktton gedrehte Begegnungen des Verwaltungsapparats mit jenen Bürgern, die finanzieller oder materieller Fürsorge bedürfen, heiraten wollen, "zugeführt" (sprich: verhaftet) wurden.
Vom leeren Alexanderplatz aus arbeitet der Film sich langsam durch Paternosterzellen und Wartesäle ins Innere des Hauses vor, um dann - Fall für Fall, Bittsteller für Bittsteller - einer Administration bei der Verwaltung des Mangels zuzusehen. "Mein Plan ist Gesetz, und dann kommt erst alles andere", erklärt die Beamtin einer Wohnungssuchenden: Die Türen schlagen auf und zu, die Menschen kommen und gehen, die Ansuchen werden "abgearbeitet" - also aufgeschoben. Der Tonfall des Films ist, wie die Orwellsche Anspielung im Titel nahelegt, sarkastisch: Redewendungen werden auf Schrifttafeln wiederholt, die Zeremonie des Bürgerverkehrs wird in sorgfältig komponierten, kargen Tableaus in ihrer Dauer und Absurdität festgehalten.
Seiner Vernichtung durch die Staatsmacht entging der Film nur aufgrund seines Widmungszwecks: produziert hatte ihn die "Staatliche Filmdokumentation der DDR" - eine Institution, die filmisches Material über bedeutende Persönlichkeiten und Ereignisse sammelte, ohne daraus je Filme zu fertigen oder die Aufnahmen öffentlich vorzuführen. Wiewohl unbrauchbar im Sinne seiner Auftraggeber (Heise: "Bei der Abnahme hieß es: 'zum aus dem Fenster schmeißen'"), erfüllt der Film perfekt seinen Widmungszweck als "Zeitkapsel", oder, wie Heise es nennt, als "Brief an die Zukunft": So also sprach Staat mit Bürger. Quelle: Kinoreal

Länge:55 min

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Thomas Heise
Peter Badel
Thomas Heise

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