Der Schnee am Kilimandscharo (2011)

 F 2011

Les Neiges du Kilimandjaro

Drama 16.03.2012 107 min.
7.20
Der Schnee am Kilimandscharo (2011)

Michel, ein in Ehren ergrauter Hafenarbeiter und Gewerkschaftsfunktionär geht in seine kleinbürgerliche Pension, aber der Zufall und die Umstände wollen es anders.

Ein Überfall, der ihm geschieht, reißt Michel aus allen Zusammenhängen und stellt ihn vor unerwartete Fragen. Seine kleine Welt gerät aus den Fugen und ein paar linke politische Vorstellungen dazu. Mit unverfrorener politischer Chuzpe und feinem Engagement für Geschichte und Figuren, gelingt Guédiguian etwas, das man nicht mehr für möglich gehalten hat: gradliniges, unsentimentales Volkskino der Gegenwart gegen alle Erfahrungen einer modernen, globalisierten Welt.

(Text: Viennale 2011)

Details

Ariane Ascaride, Jean-Pierre Darroussin, Gérard Meylan u.a.
Robert Guédiguian
Robert Guédiguian
Thimfilm

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Der arbeitslose Räuber
    Der Titel verleitet die Oldies zum Lossingen und bei entsprechender Musik machen sie Tanzschritte zum Blues ‘zwei links, eins rechts‘. Inhaltlich passt der Song von Pascal Danel natürlich besser zu Henry Kings gleichnamigem Film. Hier ist er nur Ausdruck der französischen Lebensweise (‘Savoir vivre‘). Robert Guédiguian hat nicht nur wieder eine Liebeserklärung an Marseille (immer wieder Hafenansichten) und die Arbeiter dieser Stadt gemacht, sondern einen eindringlichen Appell an Solidarität formuliert. Und das tut er in unglaublicher Konsequenz: der Arbeitslose Michel (Jean-Pierre Darroussin) und seine Frau Marie-Claire (Ariane Ascaride) werden von einem ebenfalls arbeitslosen, allein erziehenden Kollegen überfallen und ausgeraubt. Es folgt eine unglaubliche Reaktion der Betroffenen, unaufdringlich untermauert mit Hinweisen auf den großen Jean Jaurès. Keineswegs langweilig, sondern ernsthaft zwar, aber mit viel Witz und warmherzigem Charme (z.B. Telefonat: ‘Schläfst du noch?‘ – ‘Nein, ich rede im Schlaf!‘). Der Film zeigt Verständnis für beide Seiten und erfreut mit kleinen Details. Bei so viel Solidarität kann einem eigentlich fast nichts passieren. Man muss es halt dem Zuschauer und im Film den eigenen erwachsenen Kindern erklären.
    Verblüffend in der Konsequenz; grenzüberschreitend regt der Film zum Nachdenken an. Hass und Rache waren gestern, heute in der globalisierten Welt hilft nur Solidarität.