Der gewisse Kniff

 GB 1965

The Knack ... And How to Get It

Komödie 85 min.
6.80
film.at poster

Ein sich nach Sex verzehrender schüchterner
junger Lehrer im Swinging London der 60er Jahre vermietet ein
Zimmer seines Hauses an einen großmäuligen Frauenhelden,
ein anderes an ein unbedarftes Mädchen aus dem Norden Englands,
das den Christlichen Verein Junger Mädchen sucht.

Seit The Lonelyness of the Long-Distance Runner ist die ganze
Batterie von Nouvelle-Vague-Effekten - Jump Cuts, Zeitraffer/-lupe,
Schrift im Bild, Cinéma-vérité-artige Zwischenspiele
- zum gewohnten Merkmal von britischen Möchtegern-Hipster-Filmen
geworden. Somit wurde unsere Bereitschaft, angenehm überrascht
zu sein, dass derartiges überhaupt gemacht wird, durch
den Wunsch ersetzt, es solle letztlich auch gut gemacht sein.
Auch wenn Richard Lester keinen Trick ausspart, bei ihm funktioniert
es. Der Stil scheint nicht von der wilden Entschlossenheit, modisch
sein zu müssen, herzurühren, sondern weil er als einzig
natürliche Art, diesen Film zu machen, in Frage kommt. Die Erleichterung,
das alles genießen zu können, ohne sich fragen zu müssen,
ob es nicht auch als anmaßende Geste verstanden werden will,
trägt zum großen Vergnügen bei, das man dabei hat.
(John Russell Taylor)

In den Techniken seines Metiers gut ausgebildet durch das Herstellen
von Werbefilmen, ist es Lester ein offenkundiges Vergnügen, all
die Tricks beim Fokussieren und Belichten und die seltsamen Effekte,
die man mit einer Kamera erzeugen kann, zu demonstrieren. In dieser
Welt Lesters ist alles möglich. Was immer wir uns in unseren
wildesten Träumen vorstellen, er kann es für uns auf die
Leinwand zaubern. Fühlen wir uns schwer, träge, fett und
langweilig? Er errichtet für uns eine Welt, in der alles leicht
und fröhlich, faszinierend und aufregend ist.

The Knack funktioniert denn auch nur wirklich auf dem Niveau
einer Jugendlichen-Phantasie, als eine Art kollektives 8 1/2
aus den britischen Suburbs. Der ganze Film impliziert die Versicherung,
dass alles nett, fröhlich und leichtherzig sein kann, wenn wir
es nur mit dem richtigen Schwung anpacken. Die Figuren bewohnen das
Niemandsland des jugendlichen Tun-wir-es, jenes eigentlich zögerliche
Alter zwischen sexueller Bewusstheit und sexueller Erfahrenheit, das
aber hier wie ein großes Fest erscheint, vorausgesetzt, wir
bringen die richtige Art von Stil mit und die Entschlossenheit, nicht
brav zu sein. (Peter Harcourt)

Details

Rita Tushingham,Ray Brooks,Michael Crawford,Donal Donnelly,John Bluthal,Wensley Pithey,William Dexter,Charles Dyer,Jacqueline Bisset,Charlotte Rampling (beide ungenannt)
Richard Lester
John Barry; Alan Haven (Songs),
David Watkin,
Charles Wood nach dem Theaterstück von Ann Jellicoe,

Kritiken

Kinoprogramm

Es sind uns keine Vorstellungen bekannt.

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User Kritiken

  • Wie kommt man an die Mädels?
    Es ist nicht sein bester, aber es ist ein typischer Richard Lester. Kaum jemand hat das Lebensgefühl der ’Swinging Sixties’ besser getroffen als er. In dieser Groteske, wie man Erfolg bei Mädchen hat, besticht er mit schnellem Wortwitz und Repliken, die manchmal eine psychodelische Wendung andeuten. Auch Reizwörter der 60er Jahre wie ’Vergewaltigung’ werden bis zur Bedeutungslosigkeit wiederholt. Man spürt den grenzenlosen Freiheitsdrang der damaligen Jugend, die mit ihrer frechen Unbekümmertheit alle konventionellen Schranken durchbrechen wollte. Legendäre Szenen wie die vor den Schließfächern oder die Reise durch London mit einem Doppelbett oder die Fahrt durch die Wand mit den vielen Türen hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Und immer wieder wie zufällig dazwischengeschnittene Gags und Standardantworten der Älteren, die das Unverständnis belegen sollen und die Distanz zwischen den Generationen deutlich machen, aber auch durchaus witzig sind, weil unpassend oder überraschend. Und wer sich heute mit dem Beatles-Regisseur unterhält, der merkt dass der sympathische, lebhafte, ältere Herr immer noch jede Menge Esprit und Witz ins Gespräch einfließen lässt.