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Filmkritik
09/21/2016

"Die glorreichen Sieben": Arithmetik im Wilden Westen

Sieben Outlaws stehen den Einwohnern eines Städtchens gegen einen kriminellen Geschäftsmann und dessen Killer bei. Dieses würdige Remake des legendären Westerns von 1960 setzt auf ethnische Vielfalt.

In Japan hat alles begonnen: dort vereinigten einst 7 Samurais ihre Kampfkünste, um Dorfbewohnern gegen Banditen beizustehen und wurden dabei von Akira Kurosawa gefilmt. Das war 1954. Bei den Amerikanern hinterließ das offenbar einen so großen Eindruck, dass sie meinten: das können wir auch. Daraufhin entstand unter John Sturges Regie der Western „The Magnificent Seven“. Das war 1960. Jetzt befinden wir uns im Jahr 2016 und da sich das 21. Jahrhundert bisher als extrem remake-freudige Epoche erwiesen hat, kommt diese neue Produktion wenig überraschend.

Ein unterkühlter Bösewicht

Das Handlungsmuster wurde ziemlich ähnlich beibehalten: ein krimineller Geschäftsmann will das Städtchen Rose Creek in seinen Besitz bringen und bietet den Siedlern einen Spottpreis dafür; falls sie die Bedingungen nicht akzeptieren, verlieren sie überhaupt das Leben. Peter Sarsgaard spielt diesen verkniffenen Gentleman mit effektvoll drohendem Unterton: sobald er einen Raum betritt, scheint die Temperatur um ein paar Grad zu sinken. Er setzt den Einwohnern eine dreiwöchige Frist, um sich zu entscheiden und lässt zur Unterstreichung seiner Drohung gleich noch die Kirche abfackeln. Daraufhin wird eine beherzte junge Witwe aktiv und findet zunächst in Kopfgeldjäger Chisolm ( Denzel Washington) den richtigen Streiter für die gerechte Sache - und die restlichen sechs Kämpfer sind auch schnell rekrutiert.

Ethnische Vielfalt

Im Vergleich zum Original ist diesmal vor allem auf ethnische Vielfalt geachtet worden: abgesehen vom schwarzen Anführer gibt es einen trinkfesten Iren, einen asiatischen Messerkünstler, sowie einen echten Komantschen, der von seinem Stamm verstoßen wurde und nun für Weiße in den Kleinkrieg zieht. Aber auch gendermäßig haben die Drehbuchautoren vorgesorgt: falls einer der Sieben ausfällt, ist sofort die einheimische Witwe bereit, an seine Stelle zu treten, weil sie mit dem Gewehr gut umgehen kann; und es sieht ganz so aus, als müsste sie tatsächlich einspringen, denn ein Scharfschütze und Bürgerkriegsheld leidet unter Schießhemmung. Hier wird also für diverse Zielgruppen etwas geboten und die Zeit vergeht überraschend schnell, bis die letzte halbe Stunde anbricht, in der dann das große Entscheidungsgefecht bevorsteht. Wer das Original kennt, wird damit rechnen, dass nicht jeder der glorreichen Outlaws überlebt, aber ob zuletzt nur noch 5, 4, 3 oder 2 Helden übrig bleiben, wird nicht verraten, damit die Zuschauer beim Subtrahieren nicht aus der Übung kommen.

Dieser Film bietet jedenfalls alle Zutaten eines echten Westerns und stellt den Glücksfall eines Remakes dar. Man kann es natürlich mit Neuverfilmungen auch übertreiben, denn als nächstes Projekt plant Regisseur Antoine Fuqua angeblich eine weitere "Scarface"-Version, obwohl es bereitszwei davongibt. Aber vermutlich soll wieder sein Lieblingsdarsteller Denzel Washington die Hauptrolle übernehmen, weil der nicht nur als Westernheld, sondern auch als "American Gangster" eine gute Figur macht.

8 von 10 heißen Schießeisen.

franco schedl

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In dieser Neuverfilmung eines der berühmtesten Western-Klassiker treten einige der größten Stars Hollywoods zu einem packenden Showdown an.