Die Nordkalotte

 Deutschland 1990
Dokumentation 
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Die Zerstörung der Natur in Lappland. Das Land als Rohstoffquelle. Dagegen haben die Traditionen und das Naturverständnis der Lappen keine Chance. Der Film ist den Straubs gewidmet. Er trifft sie sehr, wir haben darüber viel gesprochen, und es war für mich an der Zeit, ihnen einen Film zu widmen. (Peter Nestler)Als der Reaktor von Tschernobyl barst, erreichten seine nuklearen Giftfrachten auch den Norden Europas. Opfer der Havarie waren dort vor allem die Lappen, deren Rentierherden vom atomaren Fall-out schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden und stark dezimiert werden mussten. Damals gab es einige wenige kritische Berichte über die tragische Situation des letzten Naturvolkes in Europa, die freilich ungehört verhallten. In Die Nordkalotte beschreibt Peter Nestler den kulturellen Überlebenskampf der 30.000 Lappen, deren größte Bevölkerungsgruppe in Nordnorwegen lebt. Weitere Familien siedeln in Nordschweden, Nordfinnland und auf der (ex-)sojwetischen Halbinsel Kola.Nestlers Film ist eine sensible Studie der archaischen Lebensformen der Lappen; ein Hohelied auf eine karge, gleichwohl reizvolle Landschaft; schließlich eine zornige Abrechnung mit der Industriegesellschaft, die auch diese abgelegene Region Europas mit Großprojekten überzieht und das ökologische Gleichgewicht dem Profitkalkül opfert.Anfang des Jahrhunderts waren noch fast alle Lappenfamilien Nomaden. Sie lebten von der Rentierzucht, von Jagd, Fischfang und Handel. Heute müssen sie sich mehr und mehr den zivilsatorischen Zwängen beugen - der Zerstörung der natürlichen Lebensräume, der Kontrolle durch Behörden und Gemeindeverwaltungen, dem Assimilationsdruck durch konkurrierende Bevölkerungsgruppen, für die die lappische Kultur das Stigma der Rückständigkeit, der Minderwertigkeit, des Fremden und Unnützen hat.Nestler beschreibt in seiner Dokumentation vor allem das Naturverständnis der Lappen, das nicht auf die Unterwerfung der Natur zielt, sondern auf eine spirituelle Harmonie zwischen Mensch und Schöpfung. Raubbau an den Ressourcen, wie es heute in Lappland betrieben wird (Erzabbau, Nickelverhüttung, Holzeinschlag, Regulierung der Flüsse und Seen) ist den Ureinwohnern des europäischen Nordens fremd. Sie haben vielmehr in Jahrhunderten gelernt, ihre Bedürfnisse auf die Kargheit des Landes und die klimatischen Bedingungen des Polarkreises einzustellen. (rbh, Frankfurter Rundschau, 1991)

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Manfred Schmidt
Peter Nestler
Südwestfunk

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