Die Viertelliterklasse

 A 2004
Kabarettfilm 04.03.2005 91 min.
6.80
film.at poster

Stellen Sie sich vor, Sie werden nach den Ereignissen des gestrigen Tages gefragt, und Sie wissen nicht einmal, wann gestern war....

Frust, Angst, Zorn und Stress. 4 fundierte Gründe, um nach der Flasche zu greifen. Die Herren Frust (der Lagerarbeiter), Angst (der Schauspieler), Zorn (der bekennende Alkoholkranke) und Stress (der Unternehmer) stammen aus höchst unterschiedlichen Milieus und haben nur die Neigung gemeinsam, ihren problembeladenen Alltag in den Nebel des Alkohols zu tauchen. Der Zufall führt sie in der Nacht des 6. Dezember bei einer Firmenweihnachtsfeier zusammen. Und der gnadenlose Konsum hochprozentiger Getränke läßt die Ereignisse eskalieren....
In der Verfilmung seines gleichnamigen Bühnenstücks DIE VIERTELLITERKLASSE spielt Roland Düringer nicht nur die Hauptrolle(n) sondern führt, gemeinsam mit Florian Kehrer, einem profilierten Regisseur auf dem Musikfilm- und Werbesektor, auch erstmals Regie.

DIE VIERTELLITERKLASSE ist eine gelungene Gratwanderung, die durch ihre ungewöhnliche Erzählweise die gängigen Erwartungshaltungen durchbricht und das Publikum durch die gnadenlose Abrechnung mit einem allseits beliebten Suchtmittel herausfordert.

Vor allem aber ist dieser Film ein rasantes Spiel mit der Wahrheit und wer sie wie sieht. Die Handlung dreht und wendet sich, gemeinsam mit ihren Hauptfiguren, die durch eine Geschichte torkeln, in der der Alkohol Regie führt. Vier Viertel, die ein Ganzes ergeben, Vexierbilder einer bizarren, vorerst verschwommen erscheinenden Wirklichkeit, die sich zu einem facettenreichen Bild zusammenfügen.

Wie schon auf der Bühne verzichtet Roland Düringer zwar nicht auf komödiantische Effekte, wohl aber auf das Ausspielen von Gags und auf die Platzierung von Wuchteln. Seine grandiose Kunst der Darstellung zeichnet vier bitterböse Charakterstudien und läßt zugleich das zutiefst tragische emotionale Desaster seiner Figuren erahnen.

Dabei lässt er aber den Zeigefinger brav in der Hosentasche stecken. Und wie schon so oft in Düringers Geschichten hat DIE VIERTELLITERKLASSE einen völlig unerwarteten Schluss.

Details

Düringer, Eva Billisich, Murali Perumal, Katrin Puchner u.a
Roland Düringer, Florian Kehrer
Erich Buchebner, Christian Eigner
Thomas Kürzl
Roland Düringer
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Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Operation misslungen, Arzt tot
    Ich betrachte den Film als misslungen. Er zeigt einen Düringer, der zwar sehr gut spielt (im Gegensatz zu manchen anderen hier finde ich die vier Charaktere sehr gut abgegrenzt, entwickelt, gespielt), aber als Regisseur viel zu viel reingepackt hat. Diese Farbenwelten, dieses Feuer/Wasser/Erde/Wind-Getue, die vier Kamerastile, dieses dauernde oszillieren zwischen war, ist und könnte sein. Dazu diese völlig unnötigen Naheinstellungs/Zeitlupen-Spielereien, die eine Spezialität heimischer Filmemacher sind, wenn sie Angst haben, ihre Geschichte allein ist nicht gut genug (Stichwort Thomas Roth) und jetzt muss da noch ein Extralöffel optischer Staubzucker drauf. Nein, da hat einer bewiesen, dass das Gegenteil von "gut" bekanntlich "gut gemeint" ist. Es ist okay, wenn sich einer vom Schenkelpracken entfernen will, wobei ich der Meinung bin, dass beispielsweise Hinterholz 8 zwar ein paar Wuchteln hatte, vor allem aber durch seine Tragik gewirkt hat. Aber so wie der Alkoholiker Angst vor einem Tag ohne Promille hat, so hatte Düringer bei diesem Film Angst vor seinem Image und hat es mit aller Gewalt unterdrückt. Und es hat halt einfach nicht funktioniert. Und noch was. Wenn ich einen kritischen Film mache, dann darf der nicht aussehen wie ein Dauerwerbespot für eine Taxi- und Mineralwasserfirma, für Ströckbrot, für Jaques LeMans und weiss der Kuckuck was. Die Werbung im Film war haarsträubend penetrant. Da hätte sich als satirische Brechung eine echte Werbepause angeboten.
    Ich glaube einfach, dass sich der Düringer immer weiter von seinen Wurzeln entfernt. Früher hat er Filme und Programme gemacht für ein breites Publikum. Nachdem er damit reich geworden ist, macht er die Sachen nur mehr für sich. Überhaupt beginnt er sich seltsam zu verändern. Wer ihn bei seinem völlig vergeistigten Treffpunkt-Kultur-Interview gesehen hat, weiss, dass dieser Mann in einer schweren persönlichen Krise stecken muss: statt locker zu sein (in Kleidung, Haltung und Rede) ein düsterer Mann im Designerhemd (!!!), Vollbart, gezwungenes Hochdeutsch... Ich fürchte, dass der Mann in eine sehr verwixte "Ich bin ein Künstler und habe damit immer recht und die profane Welt soll mich in Ruhe lassen!"-Attitüde abzugleiten beginnt. Nicht missverstehen, es kann jeder so sein, wie er will. Aber er darf sich nicht wundern, wenn am Ende des Tages keiner mehr Geld dafür ausgeben will, ihn zu sehen.

  • @ Florian Schick
    lieber florian!
    bitte nicht gleich beleidigt sein, wir sind ja erwachsene menschen und müssen einander ja nicht gleich beschimpfen. was gibts schöneres, als wenn über filme diskutiert wird. man kann inhaltlich knackig argumentieren ohne persönlich zu werden.
    wenn der film wirklich was kann, werden genug leute meiner vernichtenden kritik widersprechen. ich bin auf filme, die sehr unterschiedliche reaktionen hervorrufen, immer besonders neugierig. mir war halt urfad im film, aber es würd mich freun, wenn der film inhaltlich was bewirken kann. österreich hätte das dringend nötig. in hundstage wird das thema alkohol zwar nur als eines unter vielen behandelt, erreicht dort aber dimensionen, die mehr ans mark des lebens gehen und wirklich verstören. im viertelliterklassefilm wird mir das saufen selber zu prominent vorgeführt, zuwenig die destruktive kraft der alkoholwirkung. düringer präsentiert den alkohol quasi als keule, defakto ist er eine als orchidee getarnte gottesanbeterin (falls gestern wer universum gesehn hat), die dich von hinten auffrisst, bevor du überhaupt gecheckt hast, was los ist.
    aber es freut mich, daß es einen österreichischen film gibt, der zumindest ein bißchen kontroversen entfacht.


  • Exzellent! Sehr böse Inszenierung, die bis zum Schluß mitreißend nicht nur die vier Charaktere abbildet, sondern auch (mit zunehmender Alkoholisierung und Dysphorie) mit der verzerrten Wahrnehmung und Fantasien spielt. Großartig die Wandlungsfähigkeit von Roland Düringer. Auffallend wenig Zuschauer im Kino, so wie ich es leider von qualitativ sehr guten Filmen kenne (könnte es vielleicht sein, daß der breite Masse dieses Thema zu unangenehm ist ????).

  • Düringers Bester!
    Ich muss dem ersten Poster hier gehörig widersprechen - und zwar in allen Punkten. Aber Geschmäcker sind ja voneinander (zum Glück) verschieden.
    Düringer hat sich mit diesem Film endlich vom Schenkelklopferhumor befreit, wie er sich auch schon mit der Bühnenversion der Viertelliterklasse von seinem Wuchteldrucker-Kabarettruf befreit hat.
    Die Monologe und Dialoge sind beängstigend authentisch, Düringer zeigt, dass ihm in Österreich schauspielerisch niemand das Wasser reichen kann und die filmische Umsetzung ist für österreichische Verhältnisse sehr gelungen und innovativ.
    Der Film ist mit Hinterholz8 oder Poppitz in keinster Weise zu vergleichen und mag Fans dieser Filme sicher verstören - aber es ist doch jedem Künstler hoch anzurechnen, wenn er sich weiterentwickeln kann.

    Re:Düringers Bester!
    Sehr gut Hr. Feuersänger, geben Sie´s doch den eingebildet Intelligenten! Nur Sie verstehen diesen Film und müssen sofort zur Tat schreiten, falls sich jemand erlaubt diesen Film gut zu finden. Auch mir hat er sehr gut gefallen. Aber ich bin ja nur ein Absolvent der Schauspielakademie...

    Sehr entbehrlich !!

    Re:Düringers Bester!
    hinterholz 8 & poppitz hatten ja auch mäßigen humor und spielen in der chronik des österreichischen films eine untergeordnete rolle.
    in der viertelliterklasse macht kein einziger charakter eine wandlung durch, handlung gibts so gut wie keine und die art und weise der schilderung/anprangerung/verarschung der zustände ist so plump, daß sogar jim carrey das spielen könnte.
    authentische verarschung/... des österreichers finde ich zb in hundstage oder antares, beim düringer find ich nur überzeichnung, aber vielleicht ist das geschmacksache ...

  • urfad! - riesenenttäuschung
    mit diesem machwerk hat die langeweile einen neuen namen und düringer einen tiefpunkt seiner karriere erreicht. selten war mir so früh in einem film fad wie bei diesem. streckenweise war der film sogar penetrant anstrengend. was bei hanekefilmen dazugehört und erwartet wird, nämlich sich im film mühen um dann eine erkenntnis zu erlangen, wird hier aber zum ärgernis. es geht nämlich nix weiter und ständig den düringer in großaufnahme vor die nase gesetzt zu bekommen, erreicht bald die grenze des erträglichen. (selten schien mir der bedarf, jemandem eine zahnspange für die schneidezähne zu verpassen, präsenter und dringender zu sein.)
    düringer erweist sich als mieserabler schauspieler, die 4 charaktere, die er zu verkörpern versucht, leben vom selben schmäh und der ist binnen kurzem verbraucht.
    die filmemacher bemühen sich, so manches, was in unserer zeit zum mehr oder weniger erträglichen alltag gehört (penetranter, allzeit präsenter klingelton, ...) kritisch-satirisch zu betrachten, aber man merkt das bemühen zu sehr und die wenigen gelungenen pointen (die handyüberfunktionalität und christian clerici in seinem auftritt als herzblatt-susi) sind zu wenig, um den film zu tragen.
    und das ödeste ist, daß die charaktere ständig besoffen sind, düringer diesen zustand aber spielt, wie sie ein 13jähriger bei der ersten probe im freifach in der schule zeigen würde. übertriebenes herumgewanke und gelalle sind weder lustig noch authentisch. weder spiegeltrinker noch rauschzuständler verhalten sich so und da der film in der vorberichterstattung doch kritische momente versprochen hatte, ist die enttäuschung umso größer, daß düringer da weder humoristisch noch von der geschichte her irgendwas zustandebringt.
    sollte düringer eine filmschule besucht haben, sollte diese das besser verschweigen und auch der hinzugezogene werbefilmregisseur hat anscheinend nicht das format, da noch viel zu retten.
    ich wage zu behaupten, jedeR, der/die keine vernichtende kritik verfasst, profitiert in irgendeiner weise vom erfolg des filmes oder wurde mit irgendeiner form der zuwendung "geblendet".
    düringer ist super auf der kabarettbühne, dort sollte er aber auch bleiben.