Eine Synagoge zwischen Tal und Hügel

 Schweiz 2000
Independent 
film.at poster

Sieben Mitglieder – zwei Männer
und fünf Frauen – zählte die jüdische Gemeinde
von Delémont noch, als Franz Rickenbach 1993 mit den Dreharbeiten
zu seinem Film über das allmähliche Verschwinden der letzten
jüdischen Landgemeinden im Jura begann. Ein Gottesdienst findet
in der 1911 außerhalb der Stadtmauern erbauten Synagoge schon
lange nicht mehr statt, da für einen solchen zehn erwachsene
Männer benötigt werden. In den jüdischen Familien wurden
seit Jahrzehnten mehrheitlich Mädchen geboren, die später
weggeheiratet haben. Die noch verbliebenen Alten tragen es mit Fassung:
Die Erinnerung an eine Vergangenheit, in der die Juden der Juraregion,
ohne ihre Eigenart aufzugeben, zu einem Teil des öffentlichen
Lebens geworden waren, erfüllt sie mit Genugtuung.
Anders als Mitte des 19. Jahrhunderts, als ein Großteil der
jüdischen Familien meist aus dem Elsass in den Jura eingewandert
war, ist die Existenz eines jüdischen Staates ja längst
keine utopische Wunschvorstellung mehr. Ursprünglich jedoch bedeutete
es für die Einwanderer eine Herausforderung, in einer keineswegs
a priori freundlich gesinnten Umwelt Fuß zu fassen und sich
zu integrieren. Im Lauf der Zeit erst wurden die Viehhändlerfamilien
Sommer und Lévy von den Bauern des Gebiets akzeptiert. Historische
Aufnahmen von Viehmärkten und Aussagen älterer Zeitgenossen
bestätigen es. Der Protestant Rickenbach hat sich von der ihm
ursprünglich fremden Welt dermaßen faszinieren lassen,
dass er sich sieben Jahre lang intensiv mit ihr befasste. Er will
seine Arbeit als Film-Dokument, nicht als Dokumentarfilm verstanden
wissen. Und soweit es die letzten Gemeindemitglieder von Delémont
und ihr Gotteshaus betrifft, ist Eine Synagoge zwischen Tal und
Hügel tatsächlich ein Dokument. Wenn Pio Corradis über
das alte Gemäuer der Synagoge schweifende und an markanten Stellen
verweilende Kamera den Geist der Vergangenheit beschwört, wird
Rickenbachs Film zu einer lyrischen Hommage an anderthalb Jahrhunderte
gelebten Lebens. (Gerhart Waeger)

Details

Antoine Auberson,
Pio Corradi,
Franz Rickenbach,

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Synagoge zwischen Tal undHügel
    Ein wundervoller reifer Dokumentarfilm über das jüdische Leben zwischen der Welschschweiz und dem Elsass von Filmemacher Rickenbach. Eines Tages meldete er sich bei mir in der früheren, heute entsakralisierten Synagoge vom Elsässer Bergheim, wo ich dazumal eine Malereiausstellung meiner "Synkretiven Farbkonstellation" hatte. Darinnen spielte ich aus den Cellosolo-Suiten von Joh. S. Bach. Der Ton davon taucht im Film auf und das Geklapper von Bogdanne, welche ich in der Ausstellung hütete während ihre Mutter Hélène Renata Cohendy - Ginat Geigenstunden gab.
    Noch unterhielt ich damals "mein Atelier de l' Art" welches umgewandelt war aus meinem " Inter - Art - Atelier".
    Die Zeit mit der Filmequipe dort kann ich nicht aus meinem Leben denken.
    Es war endlich ein urmenschlich verflochtenes Wirken von einer sehr künstlerisch- aufklärerischen Arbeit.
    Eine Hohe Zeit und ein Muss für jeden, der der Judengeschichte nachfühlen möchte!
    Bravo Franz Rickenbach und herzlichen Dank, dass Bilder und mein Cellospiel darin kurz aufleuchten und erklingen dürfen mitsamt dem Schöpferischen Glücksmoment von Bogdanne beim Zeichnen und Malen.
    Robin Eaton 19.8.09