El cant dels ocells / Birdsong

 E 2008
Independent, Avantgarde 98 min.
film.at poster

In El cant dels ocells erzählt Albert Serra, wie bereits in Honor de Cavalleria, von einer meditativen Reise - diesmal jedoch nicht von der des Don Quixote, sondern von jener der Heiligen Drei Könige. Eine aus der Bibel entwickelte Geschichte in Schwarzweiß, die Serra in traumartige Bilder überführt. Drei Männer, zwei davon sehr dick, der dritte alt und mager, wandern durch Berg-, Vulkan- und Wüstenlandschaften. Solange die Sonne scheint, sind die Kontraste scharf, in der Dämmerung verschwimmen die Könige im allumfassenden Grau (Serra hält nichts von künstlichem Licht). Manchmal reflektieren ihre weißen Kleider letzte Reste des Tageslichts, dann kann man auf der Leinwand das sehen, was man gewöhnlich sieht, nachdem man auf eine Lichtquelle geschaut und die Augen geschlossen hat: ein Nachbild. Viel geschieht nicht in El cant dels ocells. Die Könige ruhen im Schatten von Sträuchern, verschwinden hinter Dünen und tauchen wieder auf, sie blicken von einem Gebirgskamm herab auf Wolken und stellen sich Kinderfragen: Was passiert, wenn man sich von oben in eine Wolke fallen läst? Hält sie einen? Fällt man durch sie hindurch? Tut das dann weh? Später sprechen sie über Träume, in denen Schlangen vorkommen. Wie fühlt es sich wohl an, von einer Schlange verschlungen zu werden und dann in ihrem Bauch über den Boden zu gleiten? Es braucht tatsächlich ein großes Maß an Freiheit, sich so etwas auszudenken; und Mut, es auf die Leinwand zu bringen. El cant dels ocells ist reines, interesseloses Spiel, ohne Zweck und Absicht, und gehört, so man die nötige Muße mitbringt, zum Schönsten, was beim diesjährigen Filmfestival in Cannes zu sehen war. (Cristina Nord)

(Text: Viennale 2008)

Details

Lluís Carbó, Lluís Serrat Batlle, Lluís Serrat Masanellas, Montse Triola, Mark Peranson, Victoria Aragonès
Albert Serra
Pau Casals
Neus Ollé, Jimmy Gimferrer
Albert Serra

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken


  • Ein Werk ohne viel Handlung, dafür mit umso mehr Witz, Spieltrieb und Charme.
    Ich hatte zufällig das Vergnügen, am Sonntag den Filmemacher Albert Serra kennenzulernen. Sollte der Film nur die Hälfte der Persönlichkeit seines Schöpfers mitbringen, ist er unbedingt sehenswert.

    Außerdem bestand Albert darauf, dass ich ihn mir unbedingt ansehen müsse - und wie könnte ich dieses Ansuchen des Regisseurs selbst abschlagen? ;o)