Eloge de l'amour

 Frankreich/Schweiz 2001
Independent 04.01.2002 98 min.
film.at poster

Ein audiovisuelles Gedicht über das Kino, Hollywood und die Liebe.

Wie ein Filmemacher auf Gesichter blickt, lässt darauf schließen, wie er denkt. Die Nordamerikaner, sagt Godard, haben die Schuss-Gegenschuss-Methode im Kino in ein triviales Ping-Pong-Spiel verwandelt. Niemand bemühe sich mehr, zwei Leute zu zeigen, die einander anblickten, einander zuhörten. Allein darin lägen bereits sechs Inszenierungsmöglichkeiten, die sich - mit sechs multipliziert - zu jahrelanger Befassung mit dem Kino ausbauen ließen. Dass es Filmemacher gibt, die noch immer alternative Wege suchen, vom komplexen Zusammenspiel der Menschen zu sprechen, zeigt nicht zuletzt Godards eigene Arbeit.
Sein jüngster Film demonstriert, wie weit das Kino gehen kann, wenn man es von den Fesseln des «Verständlichen» befreit, wie gering seine Verpflichtung zur linearen Erzählung ist. Die Vergangenheit trägt giftige Farben, die Gegenwart dagegen Grau: Künstlich gefärbte Videobilder setzt Godard gegen teure schwarzweiße Filmbilder in einer lyrischen Erzählung von einem (fiktiven) Kunstprojekt, dessen Drahtzieher unsicher ist, ob am Ende seiner Arbeit eine Oper, ein Bühnenstück oder ein Film stehen soll. Godards Liebe gehört der gedanklichen Bewegung mehr als der visuellen - und der Reflexion der Verschränkung von Politik und Kunst mehr als dem Wunsch, dem Publikum zu entsprechen. Die melancholische Grundierung des Films in ruhigen Monologen und fragiler Kammermusik gibt der poetischen Energie Godards einen Zusammenhalt, der das Ideenreservoir Eloge de l'amour zu einem audiovisuellen Gedicht komprimiert - über die divergenten Materialien des Kinos (Bressons Pickpocket, mit der digitalen Formlosigkeit von Matrix zusammengedacht), über die Résistance und Hollywood, über Spielbergs Amoral und die Gesichter von Akteuren, in denen sich das Künstliche und das natürliche Leben spiegeln. An Godards Kugelkopfschreibmaschine wird, im Gegensatz zum Internet, das Kino neu justiert. (Stefan Grissemann)

Details

Bruno Putzulu (Edgar), Cécile Camp (Sie), Jean Davy (Großvater), Françoise Verny (Großmutter), Philippe Lyrette (Kellner), Audrey Klebaner (Eglantine), Jeremy Lippman (Percevab| Claude Baignères (Mr. Rosenthab| Remo Forlani (Mr. Forlani), Mark Hunter(Amerikanischer Journalist)
Jean-Luc Godard
Christophe Pollock, Julien Hirsch
Jean-Luc Godard
Wild Bunch

Kritiken

Kinoprogramm

Es sind uns keine Vorstellungen bekannt.

Film bewerten

0

User Kritiken

  • nun denn
    Eloge de l´amour ist kein objektiver Film, sondern Godards persönliches statement zu allem was ihn bewegt und berührt. In erster linie geht es um die jugend, das Jetzt und die Vergangenheit so wie Godard es versteht. Jedoch bekommt das ganze dadurch einen gewissen belehrenden Charakter.
    Ohne Background information über die Schauplätze
    (viele schauplätze die während des 2 WK's eine rolle gespielt haben) stößt man bei dem Film zudem gegen eine Mauer und kann nie zu seinem Kern durchdringen.

    Fazit:
    Einerseits war ich überwältigt von tollen Einstellungen, prächtigen malerischen Farben und vielen optischen Einfällen, andererseits war ich abgeneigt durch die persönlichen Statements des Regisseurs.
    Leider habe ich es bis heute nicht geschafft eine einheitliche Meinung über den Film zu bilden.

  • eloge de l ámour
    Selten hat mich ein Film dermaßen kalt gelassen wie dieser- von Kritikern heiß empfohlen,von den Medien glorifiziert- und dennoch handelt es sich um ein banales,unerträglich langweiliges, jegliche Handlung entbehrendes Machwerk.
    Es scheint so, als ob der Autor kläglich demonstrieren wolle, wie gebildet er doch sei, wie sehr er sich mit der politischen Vergangenheit- insbesondere der Frankreichs, aber nicht nur- mit dem Staat,der Philosophie des Abendlandes und der Liebe- dies auf sehr theoretischer, entrückter Ebene- auseinandergesetzt hat. Allerdings wird der-verzweifelt eine- irgendeine- Handlung oder einen Zusammenhang im Filmgeschehen ersehnende Zuschauer sich vielmehr fragen, ob der Autor auch alles verstanden hat, was er so in seiner Vergangenheit las und verarbeitete- ob er nicht vielmehr sich nur die Aura einer (wahrhaft Pseudo)-Intellektualität verleiht,da es auf der Leinwand so sehr an Kontinuität, an Zusammenhang und Tiefgang fehlt.
    Schade, daß aus diesem Mann nicht ein Maler geworden ist- die falschen Farben der Videobilder sind im Vergleich zum Rest des Angebots wahrlich überzeugend.