Fantasma

 NL/F/Argentina 2006
Komödie, Independent 63 min.
film.at poster

Argentino Vargas, der Hauptdarsteller aus Lisandro Alonsos vorherigem Film Los muertos, trifft im weiträumig angelegten San Martin-Kino in Buenos Aires ein, um an einer Vorführung des Films teilzunehmen. Doch auf seiner Suche nach dem Vorführsaal verirrt er sich und läuft dabei Misael Saavedra, dem Protagonisten aus Alonsos Spielfilmdebüt La libertad, über den Weg, der ebenfalls versucht, sich seinen Weg durch die Ecken und Winkel dieses labyrinthartigen Kinos zu bahnen. Indem er seine Lieblingsschauspieler, die ironischerweise in Wirklichkeit gar keine Schauspieler sind, aus ihrem gewohnten Umfeld, dem argentinischen Hinterland, mitten ins Zentrum von Buenos Aires' Kinokultur versetzt, begibt sich Alonso in seinem jüngsten Werk ins Reich der Komödie: Vargas und Saavedra sind Neuankömmlinge in einer ihnen zuvor unbekannten Welt, die eine neue Form der Herausforderung an sie stellt. Und wie jeder weiß, der schon einmal den Lugones-Saal in diesem weitläufigen Kino gesucht hat, bedarf es tatsächlich einiges an Anstrengung, zu diesem über mehrere Ebenen über der Lobby des Kinokomplexes liegenden Saal vorzudringen - über Korridore, die in alle möglichen Richtungen führen, und mit Liften, die normalerweise kaum funktionieren. Doch obwohl der Weg zum Kino nur über Umwege zu führen scheint, stimmt Fantasma keineswegs das alte Lied vom «Tod des Kinos» an. So wird etwa dem Filmplakat von Los muertos große Bedeutung verliehen: Wir sehen es zuerst als Reklame für den Film und später sogar auf der Lugones-Leinwand, auf die es projiziert wird. Niemand verlässt hier vorzeitig die Vorführung, alle bleiben bis zum Ende, und eine Frau gibt sich besondere Mühe, Vargas enthusiastisch zu dem Film und seinem Auftritt zu gratulieren. Fantasma gelingt es, das Abenteuer zu zeigen, in das sich Kinogänger zu stürzen haben: Das erste ist das, es rechtzeitig in den Film zu schaffen. (Robert Köhler)

(Text: Viennale 2006)

Details

Argentino Vargas, Misael Saavedra, Carlos Landini, Rosa Martinez Rivero, Jorge Francescelli
Lisandro Alonso
Flor Maleva
Lucio Bonelli
Lisandro Alonso

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

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    Noch ein Beispiel des neuen argentinischen Kinos (siehe auch "El Amarillo"), diesmal eine Art Fortsetzung von Lisandro Alonsos "Los Muertos" (V'04, und diese Jahr im Rahmen der "Tales From The Jungle") und "La Libertad" (V'01), deren beider Hauptdarsteller sich auf dem Weg zur Vorstellung ihres jeweiligen Films im weitläufigen Labyrinth des "San Martin"-Kinos in Buenos Aires verirren.
    Das erinnert mich irgendwie an die in einem riesigen fast leeren Kinokomplex herumstreifenden Gestalten in "Bu San" ("Goodbye Dragon Inn", V'03). Ich hoffe, dass "Fantasma" eher eine Hommage an das lebendige Kino ist, "Bu San" war ja mehr ein Abgesang auf seine große Zeit.