Fellinis Stadt der Frauen

 I/F 1980

La Citta delle Donne

Tragikomödie 140 min.
7.10
Fellinis Stadt der Frauen

Der Schürzenjäger Marcello wird auf einer Traum-Reise ins Reich der Weiblichkeit zum Gejagten.

Auf einer Traumreise ins Reich der Feministinnen wird der Schürzenjäger Marcello zum Gejagten, der sich der Übermacht weiblicher Aggression erwehren muss und dennoch von der Suche nach dem Idealbild der Frau nicht lassen mag. In einer spektakulären, ausschweifenden Szenenfolge spiegelt Fellini die Verwirrung des männlichen Eroberers angesichts der veränderten Situation in grotesken und phantasmagorischen Bildern. Obschon Fellini aus seinem tiefsten Innern, aus seinen persönlichsten Erfahrungen und Erinnerungen schöpft, nicht ohne Witz und Ironie, nicht ohne mitunter beißender Selbstkritik auch, bleibt sein Werk nicht auf der Stufe der egozentrischen, narzisstischen Selbstdarstellung stehen, sondern sagt mit unglaublicher Vitalität und Phantasie sehr viel über das Verhalten des Mannes gegenüber der Frau aus, deren Geheimnis er nie ganz zu lüften vermag.

Details

Marcello Mastroianni, Anna Prucnal, Bernice Stegers, Donatella Damiani, Jole Silvani u.a.
Federico Fellini
Luis Bacalov
Giuseppe Rotunno
Federico Fellini, Federico Fellini

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Die Frau im Zug
    Fellinis Klassiker kann man in fünf Kapitel unterteilen, wobei die erste und die letzte Einstellung eine Zugfahrt in einen Tunnel ist. Dieser Rahmen ist dramaturgisch genial gewählt und kann zudem symbolisch richtungsweisend verstanden werden.
    1. Ein Lesbenkongress: Marcello Mastroianni wird spielerisch von einer Frau im Zug (Bernice Stegers) angelockt. Hier werden neben Yoga viele der bekannten Schlagworte des Feminismus (1980) artikuliert. Es gibt aber auch Aktionen wie die Übung ‘Tritt-in-die-Eier‘.
    2. In der Festung eines Machos (Ettore Manni): mit Darbietungen von Sexualmagie aus dem Varieté und der legendären Videowand, einer Galerie des Stöhnens. Hier taucht auch Elena (Anna Prucnal) Marcellos Frau auf. Ein erster Hinweis auf die Auflösung am Ende.
    3. Im Gästezimmer mit vielen willigen Angeboten / am Ende seine Frau, die er nicht befriedigen kann. Die Mädels singen ‘Fünfzig ist der gute Mann, doch es ist noch alles dran.‘
    4. Mit der Rutsche in die Kindheit. Der Bub war immer schon am anderen Geschlecht interessiert, egal ob Hausmädchen oder Fischverkäuferin. Und am Kino: Stummfilme in s/w neben Massenmasturbationen und einem Vorläufer der Chippendales.
    5. Eine Gerichtssitzung: hier werden dem Mann vielerlei Vorhaltungen gemacht wie:
    Er pinkelt im Stehen. Er kann nicht kochen. Er geht mit Socken ins Bett. Er ist unfähig monogam zu sein oder er hat die Illusion, die Idealfrau zu finden. Dann entschwebt er mit einem Ballon, der die Form einer Frau hat. Eine Maschinengewehrsalve holt ihn runter und er erwacht im Zug (siehe Anfang) nur anders…
    Eine herrliche Groteske, die den Mann in seiner ganzen hilflosen Verführbarkeit zeigt zwischen
    Demütigung und Verehrung. Und das in amüsanter Form mit einem grandiosen Marcello Mastroianni.