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Filmkritik
10/12/2020

"Der geheime Garten": Die Fantasie zum Blühen bringen

Der englische Jugendbuchklassiker von Frances Hodgson Burnett als farbenprächtige Leinwandverfilmung, mit Colin Firth, Julie Walters und Dixie Egerickx in den Hauptrollen.

von Amina Beganovic

Das frühe 20. Jahrhundert war für Kinder keine einfache Zeit – selbst nicht für jene, die aus der gehobenen Bürgerschicht kamen. Das bekommt auch die junge Mary Lennox (Dixie Egerickx) auf traurige Weise zu spüren. Nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern wird die in Indien aufgewachsene 10-Jährige auf das tief in den Yorkshire Moors gelegene Landgut ihres Onkels Archibald (Colin Firth) geschickt. Weder der sozial isolierte Onkel noch die strenge Haushälterin Mrs. Medlock (Julie Walters) interessieren sich für das Mädchen. Mary muss also selbst einen Weg finden, das neue Leben erträglicher zu machen.

Die Geheimnisse des großen Herrenhauses mit seinen vielen verschlossenen Zimmern wecken schnell ihre Neugier. Bald schon erfährt sie von einem geheimen Garten auf dem Anwesen, den seit Jahren niemand mehr betreten hat. Gemeinsam mit ihrem kränklichen Cousin Colin (Edan Hayhurst) und ihrem neugewonnen Freund Dickon (Amir Wilson) erkundet sie das versteckte kleine Paradies – und entdeckt eine neue Welt, die nicht nur ihr eigenes Leben verändern wird.

CGI erweckt Fantasie zum Leben

Die britische Autorin Frances Hodgson Burnett, aus deren Feder auch zeitlose Klassiker wie "Sara, die kleine Prinzessin" oder "Der kleine Lord" stammen, rückte 1911 auch mit diesem Werk die Kraft der kindlichen Fantasie, die über die düstere Realität hinwegzutrösten vermag, in den Fokus. Naturgemäß gibt es bei so einem Stoff auch bereits einige Verfilmungen, etwa aus dem Jahr 1993 (die große Maggie Smith spielte darin die gestrenge Mrs. Medlock).

Heute, beinahe zwanzig Jahre später, sind die technischen Möglichkeiten für eine solche Vorlage natürlich ganz andere. Und das bedeutet: CGI! Regisseur Marc Munden ("Vanity Fair", "Utopia") stellt dem grauen Alltag auf dem englischen Landgut die farbenfrohe Vorstellungskraft Marys mittels moderner 3-D-Computergrafik gegenüber. Während ein Zuviel an CGI manchmal leider auch daneben gehen kann – wir erinnern uns an "Cats"! – wird der "Geheime Garten" dank der modernen Technologie gelungen zum Erblühen gebracht, ohne den fantasievollen Anspruch der Buchvorlage zu verlieren. Da erwachen gemusterte Decken plötzlich zum Leben, während Vogeltapeten auf magische Weise zu zwitschern beginnen. Die Produzenten von "Harry Potter" und "Paddington Bear" haben sich modernster Bildbearbeitung bedient, der Film büßt dadurch aber nicht an Atmosphäre ein.

Starker Cast im "geheimen Garten"

Der englische Publikumsliebling Colin Firth ist mit seinen mittlerweile 60 Jahren den romantischen Rollen Marke Mr. Darcy entwachsen. Tragische Charaktere wie der vom Leben gezeichneter Archibald Craven gehören aber nach wie vor zu seinen Stärken. Auch Dame Julie Walters, die dem breiten Publikum vor allem als Molly Weasley aus "Harry Potter" bekannt ist, gibt eine gelungene Mrs. Medlock, die besonders am Anfang des Films das Ausmaß der Vernachlässigung, der sich Kinder zu jener Zeit oft ausgesetzt sahen, verkörpert.

Im Mittelpunkt stehen jedoch die drei Jungschauspieler, angeführt von einer wunderbaren Dixie Egerickx, die für die kreative, willensstarke Mary eine Idealbesetzung ist. Die Zuschauer werden in Mary Welt hineingezogen und fühlen mit ihr mit, sowohl in der traurigen Realität ihrer Familiengeschichte, als auch in ihren Träumen, in die sie sich flüchtet.

Bunt statt Schwarz oder Weiß

Zwar ist die Vorlage auf den ersten Blick an eine junge Zielgruppe gerichtet, die Ambivalenz der Charaktere macht Marc Mundens Film aber für jedes Publikum sehenswert. Alle Hauptfiguren machen im Laufe der Geschichte eine Wandlung durch, es gibt kein offensichtliches Schwarz und Weiß, wie so oft in Kinder- und Jugendverfilmungen. Stattdessen verschwimmen die Grenzen hier ähnlich wie die Farben in Marys Fantasiewelt. Hinzu kommen die gelungene visuelle Umsetzung, eine aufwendige Ausstattung sowie Kulisse und nicht zuletzt der hervorragende Cast, wodurch der "Geheime Garten" insgesamt zu einem unterhaltsamen, magischen Filmerlebnis für Jung und Junggebliebene wird.  

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