"Der Teufel trägt Prada 2"-Kritik: Modebiest plötzlich menschlich
Szene aus "Der Teufel trägt Prada 2"
Kein Wunder, dass der Teufel so viel Wert auf hochpreisige Mode legt – dadurch will er natürlich von seinem Aussehen ablenken und den Pferdefuß kaschieren. Und so war das Sequel von "Der Teufel trägt Prada" nur eine Frage der Zeit. In der Modewelt hat sich zwar einiges geändert, doch mit einer Konstanten ist dennoch zu rechnen: Meryl Streep hat als Modemagazin-Chefin Miranda Priestly noch immer Haar auf den Zähnen und edle Stoffe am Leib.
In ihrer Branche weht allerdings ein härterer Wind, denn im Internet-Zeitalter kann sich das Printmagazin kaum noch finanzieren. Noch dazu stellt sich dann heraus, dass ausgerechnet Mirandas einstige Assistentin Emily (Emily Blunt) zu ihrer schärfsten Konkurrentin geworden ist. Zum Glück tritt auch die andere Ex-Assistentin Andrea "Andy" Sachs (Anne Hathaway) wieder in Erscheinung und wird Vizeredakteurin bei "Runway".
Szene aus "Der Teufel trägt Prada 2"
Unverhofftes Teamwork
Im ersten Teil haben sie voneinander mit einem stummen Gruß über eine belebte New Yorker Straße hinweg Abschied genommen, und Miranda konnte sich insgeheim sogar ein kurzes Lächeln nicht verkneifen. Inzwischen scheint sie einen totalen Gedächtnisverlust erlitten zu haben oder gibt zumindest vor, sich überhaupt nicht an Andy erinnern zu können. Es klingt nach einer logischen Weiterentwicklung, dass Andrea nun das machen darf, wonach sie sich bereits im ersten Film gesehnt hat: für "Runway" als Journalistin arbeiten. Andererseits scheint es, als wäre alles beim Alten geblieben und statt 20 Jahren höchstens zwei Monate vergangen, denn natürlich schafft es ihre Chefin, sie innerhalb kürzester Zeit bloßzustellen. Doch die beiden Frauen werden bald erkennen, dass sie aufeinander angewiesen sind und so profitieren schließlich beide von dem unverhofften Teamwork.
Szene aus "Der Teufel trägt Prada 2"
Komische Intrigantin und der Mann im Schatten
Blunts Figur hat sich hingegen kaum geändert: Nun arbeitet sie zwar für eine große Modemarke, ist aber noch immer jene von Ehrgeiz zerfressene Karrierefrau, deren Selbsteinschätzung zu wünschen übrig lässt. Sie feuert verbale Spitzen gegen die einstige Kollegin Andy ab, behält aber zugleich eine fast rührend komische Seite und man kann ihr auch bei Möchtegern-Intrigen nicht wirklich böse sein.
Nach wie vor an Mirandas Seite ist der künstlerische Leiter Nigel (Stanley Tucci), dessen Bescheidenheit keine Grenzen zu kennen scheint, doch eigentlich verfügt er nur über unendliche Geduld – denn irgendwann muss auch sein großer Moment kommen. Womöglich erkennt Miranda ja sogar, welchen Schatz sie an ihm hat; und könnte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass sie diese Erkenntnis sogar laut ausspricht? Wer weiß, man soll die Hoffnung bekanntlich nie aufgeben.
Szene aus "Der Teufel trägt Prada 2"
Mehr von Miranda und Meryl
Immerhin erwartet uns die größte Überraschung bei Miranda Priestly: Plötzlich gewährt sie Einblicke in ihr Gefühlsleben und ist nicht länger jene unzugängliche und geheimnisvolle Autoritätsperson, als die wir sie im ersten Teil kennengelernt haben. Damals zeigt ihre perfekt gestylte Oberfläche nur in Ausnahmefällen kleine Risse und wenn die Modedomina einmal menschlicher erschien, dann höchstens für ein paar Sekunden und niemals in der Öffentlichkeit. Diesmal ist alles anders, was auch daran liegt, dass ihre Figur stärker in den Mittelpunkt rückt und aktiv am Geschehen teilnimmt. (Ihren derzeitigen Ehemann spielt übrigens Kenneth Branagh.) Für Meryl Streep bedeutet das freilich mehr Arbeit und mehr Filmminuten und dagegen wird kaum jemand Einspruch erheben. Trotzdem war die frühere Miranda gerade wegen ihrer Unnahbarkeit eine ikonische Figur, während sie nun fast auf Augenhöhe mit Andy agiert – und das kratzt doch etwas an ihrem Image.
Szene aus "Der Teufel trägt Prada 2"
Dea ex machina
Wir befinden uns in einer Arbeitswelt der Massekündigungen, wo eine komplette Redakteursbelegschaft via Textnachricht vom Rauswurf erfährt. Medienkonzerne werden aufgekauft und fusioniert, Umstrukturierung steht auf der Tagesordnung und vor allem die am längsten Beschäftigten müssen um ihre Jobs bangen. Diese Entwicklung macht auch vor "Runway" nicht halt.
Was man als Kritik an den aktuellen Entwicklungen der Medienbranche auffassen kann, löst sich dann aber allzu glatt in Wohlgefallen auf, weil eine Dea ex machina hervorgezaubert wird, und das Feel-Good-Ende ist viel zu märchenhaft happy geraten. Das Ganze wird auch noch mit einem völlig überflüssigen Gastauftritt von Lady Gaga gekrönt. Da sage ich nur: Geh, geh, das wäre aber wirklich nicht nötig gewesen.
3 ½ von 5 Modefehlern in Filmsequels
"Der Teufel trägt Prada 2" ist derzeit in unseren Kinos zu sehen. Hier geht's zu den Spielzeiten!