unsichtbare-2.jpg

© UPI

Filmkritik
02/26/2020

"Der Unsichtbare": Zweikampf ohne Sichtkontakt

Leigh Whannell inszeniert gutes Terrorkino mit einer enttäuschenden Schlusswendung.

von Franco Schedl

„Bitte weitergehen, hier gibt es gar nichts zu sehen!“. Die bekannte Aufforderung an allzu schaulustiges Publikum könnte auch vor diesem Film stehen; immerhin lässt sich die Titelfigur kaum blicken. Doch es wäre ein Fehler, tatsächlich am Kino vorüberzugehen, denn gerade was nicht mit bloßen Augen wahrzunehmen ist, kann uns trotzdem in Panik versetzen – man denke nur ans Coronavirus.

unsichtbare-1.jpg

Zwei Stunden Terror

Zwanzig Jahre nach Paul VerhoevensHollow Man“ erwartet uns wieder eine unsichtbare Gefahr. In der neuen Blumhouse-Produktion hat der Unsichtbare zwei Stunden Zeit, Angst und Schrecken zu verbreiten. Als genialer aber schwer gestörter Wissenschaftler terrorisiert er seine Ex-Freundin (gespielt von Elisabeth Moss), aber dummerweise will ihr keiner glauben, dass es einen Menschen gibt, den man nicht sehen kann – noch dazu gilt der Mann offiziell als tot, weil er seinen Selbstmord vorgetäuscht hat. Und so landet sein Opfer sehr bald sogar in der Psychiatrie, was die Lage erst recht verschärft. Es ist wirklich keine angenehme Erfahrung, mit Tranquilizern vollgepumpt zu werden, während in ein paar Schritten Entfernung ein mordlüsterner Unsichtbarer lauert.

unsichtbare-4.jpg

Kein Dark Universe

Mit diesem Film löst Universal Pictures ein Versprechen ein – allerdings nur teilweise. Denn die geplante Reihe des „Dark Universe“, in der altvertraute Gruselfiguren eine zeitgemäße Wiederkehr erleben sollten, hat ja mit „Die Mumie“ von drei Jahren einen bombastischen Flop hingelegt und sich dadurch von selbst erledigt. Also bekommen wir nun nicht wie angekündigt Johnny Depp als Unsichtbaren geboten (seine Figur wäre bestimmt wesentlich freundlicher gewesen), sondern Regisseur und Autor Leigh Whannell („Insidious: Chapter 3“) verpflichtete in dieser sichtschwachen Rolle den Serie-Darsteller Oliver Jackson-Cohen („Dracula“, „Spuk in Hill House“).

unsichtbare-5.jpg

Unlogische Wendungen

Whannell gelingt es, eine Stimmung extremer Unsicherheit entstehen zu lassen, wenn sich durch kleine Anzeichen allmählich die Hinweise mehren, dass hier tatsächlich ein Unsichtbarer sein Unwesen treibt. Die besten Szenen sind jene, in denen die junge Frau solchen Attacken aus dem Nirgendwo ausgeliefert ist und sich dann erstmals zur Wehr setzt. Was sich zunächst als gepflegtes Terrorkino mit äußerst langsamem Handlungsaufbau präsentiert, beginnt im letzten Filmdrittel dann aber leider durch extrem unglaubwürdige Wendungen zu schwächeln. Es ist reichlich dubios, in welcher Weise der Bruder des angeblich Toten hier agiert und welche Zugeständnisse an die Logik gemacht werde.  Es kann also auch abseits des "Dark Universe" bei Schreckgestalten etwas danebengehen.

 

3 1/2 von 5 futuristischen Kameraanzügen