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Filmkritik
05/29/2019

"Godzilla 2: King of the Monsters": Atomkraft auf zwei Saurierbeinen

Die Riesenechse wütet weiter und bekommt es in einem bombastischen Überwältigungskino mit drei gleichwertigen Gegnern zu tun.

von Franco Schedl

Diesmal bekommen wir ein Gipfeltreffen der schlecht gelaunten Giganten geboten. Im Titel wird zwar Godzilla als King of the Monsters bezeichnet, aber die anderen Urviecher sind auch nicht zu verachten.  

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Drei Riesengegner

Mit der Riesenmotte Mothra, dem raubvogelartigen Rodan und dem dreiköpfigen King Ghidorah treten nämlich drei der beliebtesten Monster der Popkultur in Erscheinung.  Dies ist zwar die Fortsetzung des amerikanische Godzilla-Reboots aus dem Jahr 2014, doch von den damaligen Darstellern sind bloß zwei wieder mit dabei: Dr. Ishiro Serizawa  (Ken Watanabe) und Dr. Vivienne Graham (Sally Hawkins) als Mitarbeiter der kryptozoologischen Agentur Monarch.  Sie plädieren für einen respektvollen Umgang zwischen Riesenechse und Menschen, da es besser ist, Godzilla zum Freund zu haben. Doch als dann die drei weiteren Ungeheuer lebendig werden, verlassen sich auch die Wissenschaftler lieber auf militärische Unterstützung - obwohl wir als Zuschauer schon von Vornherein wissen, dass menschliche Waffen gegen solche Giganten gar nichts ausrichten können.

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Schlechte Chancen für die Menschheit

Godzilla ist ein Atomkraftwerk auf zwei Saurierbeinen und wenn ihn die Kräfte zu verlassen drohen, lädt er sich mit Radioaktivität wieder auf; der dreiköpfige Ghidorah fährt hingegen eher auf Elektrizität ab und beißt für einen Energieschub schon mal in ein Umspannwerk. Während die vier Urmonster herausfinden wollen, welches von ihnen das stärkste ist, sollten Menschen besser in Deckung gehen. Die junge Millie Bobby Brown (bekannt aus „Stranger Things“) beherzigt diesen Ratschlag nicht:  sie spielt in ihrer ersten Kinohauptrolle ein Mädchen, das mit den Monstern zwangsläufig Tuchfühlung aufnimmt, weil es versucht, die Welt zu retten. Als ihre Filmeltern sind Kyle Chandler ("First Man") und Vera Farmiga ("Conjuring") zu sehen, und bald wird klar, dass man einer trauernden Mutter, die zu wissen glaubt, was das Beste für die Menschheit ist, lieber nicht allzu viele Machtmittel in die Hand geben sollte.  Ein alter Ökoterrorist kommt dann auch noch ins Spiel, wodurch die Sterblichkeitsrate der Menschen rapide in die Höhe schnellt.

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Emotionslose Bombastik

Nach diesem Film fühlt man sich, als hätte gerade der Ausbruch eines Supervulkans direkt neben uns stattgefunden und man muss schon masochistisch veranlagt sein, um daran Gefallen zu finden. Regisseur Michael Dougherty („Krampus“) bietet reines Überwältigungskino, das gleich gar nicht den Versuch unternimmt, clever, charmant, überraschend oder humorvoll zu sein (na gut, das mit dem Humor wäre dann vielleicht doch zu viel verlangt).  Aber leider ist das Ganze auch nicht wirklich spannend - die ständigen Zerstörungsorgien wirken in ihrer übertriebenen Bombastik sehr bald nur noch ermüdend und strapazieren unsere Augen hinter den 3D-Brillen.  Die Darsteller hingegen - falls sie sich nicht gerade heldenmütig selbst aufopfern - müssen in erster Linie ratlose oder verschreckte Gesichter machen, die durch Großaufnahmen eingefangen werden. Weil ihnen aber Charisma fehlt, können sich diese vorgetäuschten Gefühle nicht auf die Zuschauer übertragen (da haben die Urviecher noch mehr Emotionen zu bieten).

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 Noch dazu gönnt man uns keine Verschnaufpause. Als ob die Welt nicht schon genug verwüstet wäre, geht es im nächsten Jahr gleich weiter: Dann steht uns nämlich ein Kräftemessen zwischen King Kong und Godzilla bevor - das eigentlich nur unentschieden ausgehen kann, weil die Filmindustrie bestimmt auf keinen der beiden gigantischen Geldbringer verzichten wird.

2 von 5 radioaktiven Sauriereiern