Filmkritik "Guns Akimbo": Schräger Ego-Shooter als Actionfilm im GTA-Style

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Filmkritik
07/31/2020

"Guns Akimbo": Schräger Ego-Shooter als Actionfilm im GTA-Style

Daniel Radcliffe hetzt durch ein von GTA und anderen schießwütigen Videogames inspiriertes B-Movie des Regisseurs und Drehbuchautors Jason Lei Howden.

von Erwin Schotzger

Daniel Radcliffe hat ja schon einige schräge Filme in seinem Repertoire, um den Nimbus des niedlichen Jungen aus den "Harry Potter"-Filmen loszuwerden. "Horns" (2013) und "Swiss Army Man" (2016) wären hier zu nennen. "Guns Akimbo" ist wieder so ein schräger Film, der wohl nicht jedermanns Sache ist – aber durchaus sehenswert, wenn man blutige Actionfilme und vor allem brutale Computergames wie "Grand Theft Auto" (GTA) oder Ego-Shooter mag.

Radcliff spielt Miles, einen Programmierer in der fiktiven Großstadt Shrapnel City (ein Mix aus Auckland und München, wo die Kiwi-deutsch-britische Produktion gedreht wurde). Seinen Job beim Produzenten einer harmlosen Game-App, die den Kids das Geld aus der Tasche zieht, hasst er und auch mit dem Rest seines trostlosen Lebens ist er ziemlich unzufrieden. Trotzdem findet er nicht die Zeit, seinen Blick auch nur für eine Sekunde von seinem Bildschirm auf die echte Welt zu richten. Zu Hause trauert er in Tigerfuß-Patschen seiner Freundin Nova (Natasha Liu Bordizzo) nach, die den antriebslosen Nerd kürzlich verlassen hat. Außerdem ist er einer der vielen Fans des brutalen Snuff-Games Skizm. In einem Underground-Fight-Club treten dabei echte Menschen im Stil eines Ego-Shooters gegeneinander an – bis einer tot ist. Jeder neue Kampf wird als Live-Stream übertragen. Ungeschlagener Skizm-Champion ist zurzeit die knallharte Nix (Samara Weaving).

In seiner Freizeit ist Miles ein Troll, also jemand der gerne in Online-Kommentaren andere provoziert. Natürlich sieht sich Miles als guter Troll. Er legt sich nämlich nur mit anderen Trollen an, die vorher herumgestänkert haben. Doch eines Tages kommt er an den Falschen, nämlich an Riktor (Ned Dennehy). Der verrückte Veranstalter von Skizm findet in Windeseile IP-Adresse sowie Wohnort von Miles heraus und schickt ihm ein Paar Schläger vorbei.

 

Krasse Non-Stop-Verfolgungsjagd im GTA-Style

Am nächsten Tag wacht Miles als "Guns Akimbo" auf. In Videospielen spricht man von Akimbo, wenn eine Figur beidhändig mit Pistolen schießt wie etwa Lara Croft in "Tomb Raider". Ihm wurden zwei Riesenknarren mit Schrauben an seinen Händen fixiert. Jede Pistole ausgestattet mit 50 Schuss Munition. Miles ist nun mitten in seinem geliebten Snuff-Game. Damit er auch brav mitspielt, hat Riktor auch noch Nova entführt. Nun muss der Nerd, der eigentlich keiner Fliege etwas zu Leide tun kann, die bisher unbesiegte Nix erledigen oder selbst getötet werden.

Was folgt ist eine Non-Stop-Verfolgungsjagd durch die Stadt im GTA-Style, die Regisseur und Drehbuchautor Jason Lei Howden ("Deathgasm") wie einen Mix aus "Crank" und "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" inszeniert. Ähnlich wie bei "Scott Pilgrim" poppen auch hier immer wieder Gaming- und Text-Messaging-Grafiken auf. Ähnlich wie bei "Crank" wird Radcliff in rasant-überdrehten Verfolgungsjagden durch die Stadt gehetzt. Dabei bemüht sich Howden ein wenig zu sehr um eine coole Attitüde seiner Figur. Manchmal verrennt er sich auch in Szenen, die das Tempo aus dem Film nehmen, was bei so einem Actionfilm ziemlich kontraproduktiv ist.

 

Wenig originelles, aber solides Action-Kino für Gamer

"Guns Akimbo" ist nicht besonders originell. Alles hat man schon krasser oder insgesamt eindrucksvoller in anderen Filmen gesehen, etwa in "Crank" mit Jason Statham, "Shoot 'em up" mit Clive Owen und "Scott Pilgrim" mit Michael Cera. Aber Daniel Radcliff ist durchaus sehenswert, ebenso wie der Rest der durchwegs guten Besetzung. Auch eine gewisse B-Movie-artige Selbstironie tut dem Film ganz gut. Zwar ist fraglich, ob dieser Effekt vom Regisseur wirklich gewollt ist. Denn Howden könnte "Guns Akimbo" auch als Satire auf die stupide Bildschirm-Fixierung in der digitalen Welt gedacht haben. Dann wäre es allerdings eine ziemlich banale Satire, die abfeiert, was eigentlich kritisiert werden sollte. Besser funktioniert der Actionfilm als trendiges B-Movie, das sich selbst nicht zu ernst nimmt.

Wer GTA, Ego-Shooter und krasse B-Movie-Action liebt, wird jedenfalls mit "Guns Akimbo" eine gute Zeit im Kino haben. Wer nicht, sollte vielleicht das Geld fürs Kinoticket lieber bei einem anderen Film ausgeben. 

 

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