Filmkritik: Jumanji - The Next Level

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Filmkritik
12/10/2019

"Jumanji 2": Fantasieloser Next Level statt originelle Fortsetzung

Im zweiten Teil des Action-Adventures ist vom Charme und Ideenreichtum des Vorgängers nicht viel übrig geblieben.

von Erwin Schotzger

Im Jahr 2017 entdeckten vier Teenager beim Nachsitzen in der Schule das magische Videospiel "Jumanji". Kaum gestartet, wurden die Jugendlichen auch schon in die mörderische Fantasiewelt des Spiels gezogen, wo sie in die Körper der ausgewählten Avatare schlüpften:

Der ebenso schmächtige wie unsichere Game-Nerd Spencer wurde zum muskulösen Abenteurer Dr. Smolder Bravestone, muskelbepackt dargestellt von Dwayne Johnson.

Der sportbegeisterte Football-Spieler Fridge – Spencers ehemals bester Jugendfreund – wurde zum kleinwüchsigen Zoologen Franklin "Mouse" Finbar, überdreht in Szene gesetzt von Comedian Kevin Hart.

Die schüchterne Streberin Martha – Spencers heimlicher Schwarm seit der 7. Klasse – wurde zur "Lara Croft"-artigen Actionfigur Ruby Roundhouse, ansehnlich verkörpert von Karen Gillan.

Und die selbstverliebte Instagram-Schönheit Bethany endete im Körper des pummeligen Paläontologen Prof. Shelly Oberon, körperbetont mit Leben erfüllt von Jack Black.

In "Jumanji: Willkommen im Dschungel", dem Reboot des Fantasy-Klassikers "Jumanji" (1995) mit Robin Williams, mussten sie gemeinsam eine aus mehreren halsbrecherischen Leveln bestehende Mission erfüllen, um aus dem mysteriösen Spiel befreit zu werden.

Sequel hält nicht was es verspricht

"Jumanji: The Next Level" ist die Fortsetzung von "Willkommen im Dschungel", wie am Titel unschwer zu erkennen ist. Doch leider hält der Titel nicht, was er verspricht. Denn eines haben Videogames und Kino-Sequels gemeinsam: Der nächste Level muss immer den vorhergehenden überbieten. Immer!

Hier ist aber vom Charme und Ideenreichtum des Reboots nicht mehr viel übriggeblieben. Im Gegenteil: "The Next Level" ist ein ziemlich ideenloses Sequel von der Stange.

Die Ausgangssituation erscheint auf den ersten Blick vielversprechend und lustig, entpuppt sich aber bald als Einbahnstraße in Richtung billiger Lacher:

Spencer wird erneut vom Spiel verschluckt. Um ihn zu retten, müssen seine Freunde nach "Jumanji" zurückkehren. Doch etwas geht schief. Nur Fridge und Martha werden ins Spiel gezogen, Bethany bleibt in der realen Welt zurück. Stattdessen finden sich Spencers Großvater Eddie (Danny DeVito) und sein Freund Milo (Danny Glover) im Spiel wieder.

Nun müssen die zwei Teenager gemeinsam mit den älteren Semestern das Höllenspiel durchspielen, um frei zu kommen. Außerdem muss auch noch Spencer gefunden werden. Während sich die Jungen in der Welt von "Jumanji" schon auskennen, haben die Alten noch nie ein Videogame gespielt.

 

Keine Spur vom Charme des Vorgängers

Soweit so gut. Doch leider konnte Regisseur Jake Kasdan, der diesmal auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, mit dieser Ausgangslage nicht viel anfangen. Während der erste Teil ein gelungener Mix aus "Breakfast Club" und "Indiana Jones" mit einem kräftigen Schuss Bodyswitch-Komödie war, geht dem Schmäh zwischen den Generationen diesmal rasch die Luft aus. Mit schmerzlich wenig Herz, Charme und Unterhaltungswert kämpfen sich die alten und neuen Charaktere durch recht generisch wirkende Videospiel-Missionen.

Im Kino wird "Jumanji: The Next Level" begeisterte Fans des ersten Teils sicherlich auch diesmal unterhalten. Dennoch ist aus dem originellen Reboot ein ziemlich fantasieloses Sequel geworden, das eher auf ein "Game Over" hoffen lässt. Davon ist aber ganz und gar nicht auszugehen. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Level im nächsten Level wieder steigt.