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Filmkritik
07/24/2019

"Leid und Herrlichkeit": Antonio Banderas in der Schaffenskrise

Antonio Banderas verkörpert in seinem neuesten Film seinen Freund und Regisseur Pedro Almodovar.

von Oezguer Anil

Pedro Almodovar ist einer jener Regisseure, der sogar Nicht-Filminteressierten ein Begriff sein könnte. Die Filme des Spaniers sind berüchtigt für ihre schrillen Farben und  melodramatischen Exzesse. Seit den 80er Jahren arbeitet er sowohl als Autor als auch als Regisseur und hat inzwischen über 20 Filme realisiert. Sein großer Durchbruch gelang ihm Ende der 90er mit „Alles über meine Mutter“, für den er mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet wurde.

Nostalgisch

In seinem neuesten Werk macht sich Almodovar selbst zum Mittelpunkt der Geschichte. In der von Antonio Banderas verkörperten Figur des Regisseurs Salvador Mallo denkt er über seinen Werdegang nach und schwelgt in nostalgischen Erinnerungen. Der Schwebezustand „Leid und Herrlichkeit“ beschreibt die Situation, in der sich die Hauptfigur befindet,  sehr gut. Einerseits wird er von Rückenschmerzen und Einsamkeit geplagt, andererseits liegt ihm die Kunstwelt zu Füßen und verehrt seine geistigen Ergüsse.

Biopic

Auch wenn Almodovars Handschrift wieder klar erkennbar ist, verzichtet er diesmal auf melodramatische Elemente. Die Handlung zerfließt in verschiedene Stränge, die sich von der Zusammenkunft mit dem Ex-Lover bis hin zur Pflege der kranken Mutter erstrecken. Almodovar betonte in mehreren Interviews, dass der Film nicht eins zu eins als Autobiografie gesehen werden sollte. Es seien vielmehr Anordnungen von Geschichten, die ihm hätten passieren können.

First World Problems

Leid und Herrlichkeit“ ist zweifelsohne ein höchst persönlicher Film und erinnert in den Rückblenden an Alfonso Cuarons „Roma“, doch trotz diesem intimen Blick auf das Leben eines Künstlers lässt die Geschichte jegliche Dringlichkeit vermissen. Almodovar spricht zwar immer wieder  die Privilegien seiner Hauptfigur an und betont, dass seine Leiden im Vergleich zum harten Alltag anderer Menschen klein sind, aber dennoch schießt einem während des Filmes der Ausdruck „First World Problems“ ständig in den Kopf.

Auszeichnung in Cannes

Die Tragikomödie ist die achte Zusammenarbeit zwischen Antonio Banderas und Pedro Almodovar. Banderas, der zu den größten europäischen Darstellern zählt, erhielt für seine Leistung den Preis als bester Hauptdarsteller in Cannes. Der Spanier lässt hier eine Seite zum Vorschein  kommen, die in den Actionfilmen Hollywoods keinen Platz finden.

Herrliches Szenenbild

Neben den guten Darstellern ist vor allem das Szenenbild hervorzuheben. Die Drehorte sind wunderschön eingerichtet und lassen erahnen, wie das Haus von Almodovar aussehen könnte. Das Biopic wird die wenigsten Zuseher zu Tränen rühren, aber lässt einen in eine wunderschön melancholische Stimmung eintauchen.

In Pedro Almodóvars semiautobiografischem Film wird sein Alter Ego von Antonio Banderas gespielt.