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Filmkritik
04/03/2019

"Monsieur Claude 2": Klischeehafte Frankreichwerbung für Chauvinisten

Die Multikulti-Verwicklungen gehen in die zweite Runde und hinterlassen einen eher zwiespältigen Eindruck.

von Franco Schedl

Das musste ja so kommen: Da Monsieur Claude und seine Töchter so viel Erfolg und Geld an den Kinokassen eingefahren haben, gibt es nun eine Fortsetzung der Culture Clash-Komödie. An die unterschiedlichen Schwiegersöhne haben sich die Eltern inzwischen notgedrungen gewöhnt, aber jetzt ergeben sich neue Verwicklungen: jeder von ihnen will seine Frau nämlich in sein jeweiliges Heimat- oder Traumland – also China, Nordafrika, Indien und Israel -  mitnehmen. Um die Abwanderungswilligen von den Vorzügen des französischen Lebens zu überzeugen, lädt Monsieur Claude seine große Multikult-Familie zu einem Wochenende auf dem Land ein – und das klischeegesättigte Lustspiel kann beginnen.   

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Ein Film nach bewährter Methode

Hier sollen nach bewährtem Rezept Alltagsrassismus und Vorurteile gegenüber Fremden freimütig überspitzt werden. So ein Konzept ist ziemlich riskant und kann oft nach hinten losgehen, wenn der Chauvinismus derartig oberflächlich verharmlosend abgehandelt wird, dass auch Rechtspopulisten zufrieden sein müssten und gängige Klischees noch stärker einzementiert werden. Gerade Christian Calvier hat in den letzten Jahren ein paar Filme gedreht, die alle nach dem Claude-Prinzip funktionierten und ausnahmslos unerträglich waren. Für einen davon war sogar „Monsieur Claude“-Regisseur Philippe de Chauveron selbst verantwortlich: in „Hereinspaziert!“ zeigte er uns, wie Clavier als reicher Autor unfreiwillig einer Roma-Familie in seinem Garten Unterschlupf gewährt – und stellte unsere Geduld durch erschreckend platten Humor auf eine harte Probe.  Ausgerechnet auf diesen Film kann er sich jetzt eine Anspielung nicht verkneifen und muss dieses Motiv hier unbedingt noch einmal unterbringen, obwohl überhaupt kein zwingender Grund dafür besteht: so erhält auch der aktuelle Monsieur in einer überflüssigen Nebenhandlung einen Flüchtling im Gartenhäuschen einquartiert - und da es sich um einen Araber handelt, wird er selbstverständlich als potentieller Terrorist beargwöhnt und körperlich misshandelt. Ha, ha! Da kommt Stimmung auf.

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Konservative Werte

Diese Fortsetzung entpuppt sich nur noch als allzu bemühte Wiederholung des ersten Films, und Chauveron versucht krampfhaft, weiterhin politisch unkorrekt zu bleiben, um irgendwelche Aufreger - wie zum Beispiel eine gleichgeschlechtliche Hochzeit - zu konstruieren, was aber nie richtig funktionieren will.  Es ist zwar alles gut gespielt und dicht inszeniert, sodass keine Langeweile entsteht, überzeugen kann Monsieur Claude Nr. 2 aber trotzdem nicht.  Das eigentlich Komische ist anderswo zu finden. Da will dieses Werk so fortschrittlich und frech sein, propagiert aber eigentlich stinkkonservative Wertvorstellungen: am schönsten ist es halt doch daheim, Frankreich kann sowieso mit keinem anderen Land der Welt konkurrieren, Eltern sollten sich niemals von ihren Kindern und Enkelkindern trennen (darum erkauft sich Monsieur Claude unter Aufbietung eines Vermögens die Zuneigung seiner Schwiegersöhne) und – besonders nett:  die jungen Ehefrauen haben gar nichts zu sagen; sie tun einfach, was auch immer ihre Männer entscheiden.

2 von 5 Rheuma/Bombengürteln

Monsieur Claude 2

— Qu'est-ce qu'on a encore fait au bon Dieu?

Publikumsliebling Monsieur Claude ist zurück und es geht wieder entsprechend multikulti zu.