FLEDERMAUS UNTER DENKMALSCHUTZ

4 Jahre sind es her, seit „The Dark Knight“ zuletzt im Einsatz war, doch da in der Filmwelt die Uhren anders gehen, setzt „The Dark Knight Rises“ 8 Jahre nach den damaligen Geschehnissen ein. Batman hatte die Schuld am Tod von Harvey ‚Two Face‘ Dent auf sich genommen und musste seitdem als gesuchter Mörder von der Bildfläche verschwinden. Mit dem selbstgewählten Exil ist es vorbei, als der Terrorist Bane in der Stadt auftaucht und eine Welle der Gewalt auslöst, die Gotham in totaler Anarchie versinken lässt. Diese Notlage lockt den Fledermaus-Mann mit der tiefen Stimme wieder hervor, aber es ist keine leichte Aufgabe, die skrupellosen Pläne des Größenwahnsinnigen zu vereiteln und vielleicht stößt Batman dabei sogar an seine Grenzen.

Christopher Nolan hat seine Kennerschaft der Batman-Alben aus dem Hause DC erneut bewiesen und sich unter Verwendung von Motiven aus wichtigen Storylines der Comic-Serie eine nervenaufreibende – wenn auch mitunter etwas ausufernde - Geschichte ausgedacht. Man merkt seine Absicht, das große Finale mit den vorhergehenden Teilen zu verbinden, und so ruft das Auftreten einer Schlüsselfigur den Auftakt „Batman Begins“ wieder in Erinnerung.

Dass Nolan im Bemühen einen stimmigen Abschluss für seine Trilogie zu finden auch vor einer kräftigen Portion Pathos nicht zurück schreckt, was zu „Gangs of New York“-würdigen Straßenschlachten führt und in der Errichtung eines Batman-Denkmals gipfelt, sei ihm verziehen. Immerhin versetzt uns der Mann mit einer fast pausenlosen Abfolge ziemlich atemberaubender Action-Sequenzen in Staunen: innerhalb der ersten 10 Filmminuten bekommen wir z.B. gleich eine Flugzeug-Entführung der etwas anderen Art geboten, wie man sie bisher bestimmt noch nie gesehen hat.

Während im vorigen Teil ein Fall von seltsamer Farbvertauschung zwischen Dunklem Ritter und weißgesichtigem Joker aufgetreten war, weil Bale neben Ledger ziemlich blass ausgesehen hatte, konzentriert sich das Drehbuch nun wieder mehr auf die Person hinter der Fledermausmaske und hält für Bale etwas größere schauspielerische Herausforderungen und jede Menge körperliche Versehrungen bereit. Auch die Zuschauer werden mit physischer Gewalt konfrontiert: Hans Zimmers wummernd-wabernder Soundtrack verpasst ihnen - zumindest im IMAX - eine Ganzkörpermassage und man verlässt halb weggetreten das Kino.

Die Rolle des neuen Schurken hat ein ausgewiesener Spezialist für schwere Jungs übernommen. Tom Hardy verwandelte sich bereits 2008 in Refns eigenwilligem Biopic „Bronson“ über Englands gefährlichsten Häftling binnen kurzem vom Durchschnittsmann in einen Bodybuilder-Typ. Muskeln hat er auch als Bane mehr als genug zu bieten und muss sich ansonsten auf ein ausdrucksstarkes Augen-Spiel verlassen, da sein restliches Gesicht durch eine klobige Atemmaske verdeckt wird, die zu seiner Verständlichkeit nicht gerade beiträgt.

Noch überzeugender ist allerdings Anne Hathaway als Catwoman: von allen bisherigen Darstellerinnen trifft sie am besten den Ton dieser Figur und verkörpert die Meisterdieben als keine peitschenschwingende Latex-Domina, sondern als geschmeidiges Wesen, das Anmut mit Köpfchen vereint.

Ob Nolans stilbildende Ausflüge in die Comic-Welt nun wirklich zu einem Ende gekommen sind? Nach seinen eigenen Worten schon, aber weshalb hat er sich trotz allem eine breite Hintertür offen gehalten, die zu einem weiteren Teil führen könnte? Hoffentlich übernimmt dann wenigstens ein anderer Komponist die Filmmusik. Fürs aktuelle Werk gehen sich 8 von 10 fledermausförmigen Notenköpfen aus.

The Dark Knight Rises

The Dark Knight Rises

USA/GB 2012
Drama, Fantasy, Krimi, Action
27.07.2012
Christopher Nolan
Ein Krimineller namens Bane setzt Gotham City unter Druck, um Batman aus der Reserve zu locken, der seit acht Jahren von der Bildfläche verschwunden ist.
8.50

Kommentare